Endspiel im Olympiastadion?

Es ist nicht lange her. Knapp 2 Monate, um genauer zu sein. Da träumte so mancher HSVer von einem Endspiel in Berlin. Nach jeweils 2 Gegentoren in der Nachspielzeit und einem verlorenen Elfmeterschießen hatte sich der Traum vom Finale in Berlin ausgeträumt. Seit vergangenem Mittwoch auch für die Hertha aus Berlin.

Und dennoch hat das Spiel am Samstagabend dann doch irgendwie Finalcharakter. Zumindest für eine Person: Tim Walter.

Darf man den Medien, Insidern und Journalisten glauben, dann sitzt ex-FC Coach Steffen Baumgart wohl schon auf gepackten Koffern und wartet nur auf den Anruf von Jonas Boldt.

Wie viel man davon glauben kann ist jedem selbst überlassen.

Dennoch könnte ein weiterer Punktverlust kaum verkraftbar sein. Der Stadtrivale zieht fast uneinholbar davon, die Konkurrenz rückt näher zusammen und die Hypothek für Trainer Tim Walter wird grösser und grösser. 

Aber was ist sportlich am Samstag zu erwarten? Vielen HSV-Fans hat sich wohl das Bild vom immer wieder anrennenden Fabian Reese eingebrannt. Ist Reese die Ein-Mann Versicherung oder sind sie mehr als das? 

Personell ist die Situation bei den Berlinern aktuell etwas undurchsichtig. Neben den sicher ausfallenden Marton Dardai, Bence Dardai, Gechter und Klemens könnten auch noch mehr Spieler kurzfristig ausfallen. Laut Medienberichten fegt wohl eine Grippewelle durch die Berliner Kabine.

Die Viererkette stellt sich mit Kenny, Leistner, Kempf und Karbownik fast von selbst auf. Davor wird es allerdings die Chance für Überraschungen geben. Neu-Herthaner Bradley Ibrahim ist ein Kandidat für die Zentrale. Ob Fabian Reese nach seiner Corona-Infektion fit genug für einen Startelfeinsatz ist, ist ebenfalls offen.

Eins können wir aber ziemlich sicher sagen: Das Projekt 3er Kette wie gegen den FCK in Halbzeit ist personell eher schwer umsetzbar.

Im Spiel mit Ball hat die Hertha einen wenig komplizierten Ansatz. Hertha eröffnet meist mit einem 2-1 Aufbau mit einem abkippenden Bouchalakis. Kenny und Karbownik agieren ungefähr auf gleicher Höhe wie die Abkippende-6. Barkok als 8er steht meist leicht diagonal versetzt eine Linie höher als das 3er Gespann aus Außenverteidiger und 6. 

Die letzte Linie füllt die Hertha konsequent mit ihren Flügelspielern, Tabakovic und dem 10er Niederlechner aus, allerdings fällt letzterer situativ auch mal in das Mittelfeld ab.

Die Hertha ist allerdings im Spiel nicht besonders inspirierend. Viel mehr spielen sie bewusst ihre beiden grössten Stärken aus: Die Physis von Haris Tabakovic und die hohe individuelle Klasse von Fabian Reese. Herthas Kombinationen im ersten Drittel wirken nicht als hätten sie das Ziel progressiv das ganze Feld zu überspielen. Viel mehr erweckt es den Eindruck, dass man den Gegner bewusst aus einem vielleicht tieferen Block locken will. Das Dreieck aus Innenverteidiger, Außenverteidiger und dem 6 schiebt sich oft geduldig den Ball hin und her bis der lange Ball auf Tabakovic kommt. Mit einem einfachen Steil-Klatsch versucht man primär Reese in das Laufduell hinter die Abwehr zu bekommen. Die Hertha schafft dies konstant aus den verschiedensten Situationen.

Der HSV sollte gerade nach den eigenen Erfahrungen mit Fabian Reese gewarnt sein. Die Personalie Ignace van der Brempt wird sicherlich ein Faktor, allerdings sollte man die Hertha trotzdem nicht ansatzweise in diese Situationen kommen lassen.

Nach dem Mismatch Ambrosius v. Matanovic, sollte sich TW hier dringend einen anderen Plan überlegen. Vielleicht sehen wir, wie schon im Pokal, Dennis Hadzikadunics Rückkehr in die Startelf am Samstagabend. Es wäre mehr als vertretbar.

Neben «Tief auf Reese» zeichnet Hertha ihr hoher Flankenfokus und gute Strafraumbesetzung aus. Schafft man es nicht über die Grundlinie in den gegnerischen Strafraum zu kommen, so sind Flanken aus Halbfeldpositionen ein durchaus oft gewähltes Mittel. Die Präsenz von 2 Stürmern und situativ zwei Flügeln und 8 machen die Hertha in diesen Situationen brandgefährlich.

Auch Herthas Stärke bei eigenen Standards ist nicht zu unterschätzen. Zusätzlich kreieren sie mehr Standardsituationen als sonst eine Mannschaft in dieser Liga. Warum? Weil sie aus jedem Einwurf eine Standardsituation machen. Reeses Qualität lang Einzuwerfen, kombiniert mit dem 1,94m Haris Tabakovic können aus dem Nichts für Gefahr im HSV-16er werden.

Allerdings sind diese Stärken, auch ihre Achillesferse. Gerade im defensiven Umschalten hat Hertha BSC oft nicht genug Personal um den Ball und hinter dem Ball. Kann man die langen Bälle und Flanken klären, so bieten sich in der Hertha Restverteidigung Lücken, die Leistner und Kempf oft nicht mehr rechtzeitig schließen können. Wehen Wiesbaden hatte gegen das Hertha Umschalten reichlich Chancen und kam zum Erfolg.

Gleiches gilt für hohe Ballgewinne des Gegners. Setzt man die Hertha im Mittelfeld und im eigenen Aufbau gut unter Druck, so ergibt die Chance auf viele Zweikämpfe im Mittelfeld. Mal reichen ein verlorener Hertha-Ball und ein Ball in die Spitze für einen Torerfolg. Dies konnte man besonders beim 0:2 des FCK am Mittwoch beobachten.

Gegen den Ball steht man meistens in einem 442 Mittelfeldblock. Tabakovic und Niederlechner laufen die gegnerischen Stürmer an, die Flügelspieler sind an den Außenverteidigern orientiert. 

Essenziell für den HSV wird das Spiel zwischen Hertha Viererkette und Mittelfeld. Der abkippende Glatzel oder ein Laszlo Benes, der sich schlau zwischen den Linien bewegt, können gegen die Hertha Zentrale eine Überzahl herstellen, wenn die Hertha ihr Anlaufen in ein aggressiveres 424 schiebt. 

Der Raum vor der Hertha Abwehr wird ebenfalls kritisch für das HSV-Spiel mit Ball. Pinnen Glatzel und Benes die Hertha IVs, so könnte man durch Positionsrochaden zwischen 8, Flügel und Außenverteidiger für Verwirrung in der Hertha Zuordnung sorgen. Mit dem Resultat, dass die Hertha den Raum vor der Abwehr freigibt. 

Es stehen bei beiden Teams viele Fragezeichen vor diesem Spiel. Bei der Hertha kann man gespannt sein, wie man die Pokalniederlage wegsteckt. 

Beim HSV erhofft man sich die erwartete Reaktion nach der Niederlage gegen KSC. Alles andere als 3 Punkte sind wohl zu wenig. Zu wenig, um wieder Ruhe in das Konstrukt HSV zu bekommen. Vor allem da die nächste große Aufgabe am Freitag auf den HSV wartet. 

2 Kommentare

  1. Ich lebe in Eberswalde in der Nähe von Berlin.
    Spiele im Olympiastadion sind für mich die perfekte Gelegenheit um unsere Jungs mal wieder kräftig anzufeuern. Habe bisher keins verpasst. In Leipzig beim Pokal war ich auch schon.
    Dieser Kommentar trägt nix zum Blogpost bei und wird gerade auf dem Weg zum Stadion geschrieben.
    Wenn ich dran denke schreibe ich nachher noch nen Stadionbericht.

    Euer Blog gefällt mir bisher sehr gut, weiter so und:

    Nur der HSV
    Clemens

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