Der tiefe Block mit besserem Umschaltspiel – #F95HSV Preview

Schaut man blind auf die Statistiken der Fortuna, so erwarten viele wahrscheinlich einen anderen Gegner im Zweitligatopspiel am kommenden Freitagabend. 50 Tore und die beste Offensive der Liga. Super Spielmacher und Individualisten mit Tzolis, Tanaka und Johanesson. Die Realität um die Fortuna sieht allerdings etwas anders aus.

Ja, 50 Tore stehen auf dem Konto der Fortuna. Allerdings überperformt die Fortuna diesen Wert ordentlich. Laut xvalue.ai stehen dort “nur” 41.53 xG. Dies ist plötzlich nur noch Platz 7 ligaweit. Taucht man etwas tiefer in die Statistik der Fortuna ein, so gibt schnell ein klareres Bild des Fortuna Fußballs.

Die Fortuna erzielt ligaweit die zweithöchste Gefahr nach Kontern. Der xG Wert nach Kontern liegt bei 0,24 pro Spiel. Aber diese Statistik alleine lässt alleine noch nicht auf einen Low Block mit Konterfokus schließen. Schaut man sich aber die Passes per defensive Action an, so landet die Fortuna dort im unteren Mittelfeld mit einem Durchschnitt von ca. 14 Pässen, bis es zu einer Defensivaktion kommt. Das gleiche Bild bekommt man auch beim Betrachten des Wertes der “Buildup Disruption Rate”, sprich der Indikator dafür wie oft man den Gegner im Aufbau zu Fehlern zwingen kann. Hier steht man ligaweit auf Platz 14.

Aber wie schlägt sich diese ganze Statistik in einem Spiel wieder? Gerade das Spiel gegen Hannover füttert dieses oben beschriebene Narrativ etwas mehr als es vielleicht sollte. Dies liegt aber zusätzlich auch an der frühen 0:2 Führung in der Fremde. Trotzdem haben wir uns das Spiel der Fortuna mal etwas genauer angeschaut.

Personell ist auch die Fortuna von einem Innenverteidiger-Verletzungspech geklagt, welches wohl kein Team in diesem Ausmaß erleben darf. Kapitän Andre Hoffmann fällt wohl mit einem Muskelfaserriss in der Wade aus. Das gleiche Schicksal erlitt auch Innenverteidiger Nr.2 Jordy de Wijs. Auch Innenverteidiger Nr.3 Jamie Siebert wird den Fortunen verletzungsbedingt fehlen, dieser erlitt in der Wintervorbereitung einen Innenbandriss im Knie.

Die Viererkette von Coach Daniel Thioune stellt sich mit der zusätzlichen Verletzung von Linksverteidiger Iyoha von selbst auf. Das IV-Duo werden wohl Quarshie und Oberdorf bilden, rechts ist Zimmermann gesetzt und erste Wahl. Auf der linken Seite wird Gavory starten.

Davor hat die Fortuna eine brutale Qualität. Das Mittelfeldtrio um Engelhardt, Tanaka und Johanesson bringen sicherlich Qualität für eine Liga höher mit. Das gleiche gilt für Außenstürmer und Leeds United Leihgabe Tzolis.

Im Spiel mit Ball ist die Philosophie von Thioune klar. Man will bei Kastenmeier beginnend flach hinten heraus spielen. Die Fortuna ordnet sich mit einer Torwartkette in erster Linie an. Diesen 3 oder 2-1er Aufbau wird zentral von einem 6er unterstützt. Inzwischen übernimmt Ao Tanaka oft diese Rolle, situativ kippt aber auch Engelhardt in diese Position. Gerade gegen einen hoch- und aggressivpressenden Gegner ist die Besetzung von Tanaka als Balancespieler allerdings die bessere Variante. Seine Fähigkeit unter Druck Entscheidungen zu treffen und das Fortuna-Spiel sauber zu verlagern ist extra klasse in dieser Liga.

Die beiden 8er agieren zentral dahinter, die Außenverteidiger schieben weit hoch und die Außenstürmer variieren zwischen Breite und Halbraum im letzten Drittel.

Kastenmeiers erster Pass ist meist flach. Fortuna spielt die 4. wenigsten langen Bälle auf der Torwartposition, das unterstreicht Thiounes spielerischen Ansatz. Als Passempfänger warten beide Innenverteidiger oder die Tiefe 6. Situativ wird bei schlechter Defensivstaffellung des Gegners auch mal versucht direkt die Linien zu überspielen. Gesucht werden in diesen Situationen meist die beiden 8er.

Erreicht der Ball in diesem Beispiel Tanaka und wird dieser effektiv unter Druck gesetzt, sucht er meist Lösungen über die breiten und höheren Außenverteidiger. Auch der eröffnende Ball der Innenverteidiger findet in den meisten Fällen entweder Zimmermann oder Gavory und wie auch Kastenmeier gelegentlich einen der 8er zwischen den Linien.

Ist der Ball auf der Schiene, laufen bei der Fortuna meist recht ähnliche Ablaufe ab. Variante 1 ist meist ein Abkippen der 9 (Daferner oder Vermeij). der Raum dahinter wird danach direkt attackiert durch inverse Läufe von beiden Flügelspielern. Johanesson bietet sich in der Folge als ballnahe Station für Daferner an, entscheidet sich Gavory oder Daferner allerdings direkt für den tiefen Ball, attackiert Johanesson den Raum hinter der Kette. Gleiches gilt für Engelhardt und Tanaka, der meist diagonal in den Raum startet.

Variante 2 ist ein langes Balltreiben der Außenverteidiger. In diesen Situationen zeigt sich der immens hohe Flankenfokus der Fortuna. Man schlägt mit fast 24 Flanken pro Spiel die meist Flanken der Liga.

Flankengeber sind meist die Außenverteidiger Zimmermann und Gavory, allerdings flanken beide aus recht hohen Zonen und selten von der Grundlinie aus. In diesen Situationen hat die Fortuna auch kaum (oder wenig) Interesse an einem progressiven Spiel im letzten Drittel. Klaus, Daferner und Tzolis rücken stark zusammen und in die Box. Engelhardt und Tanaka besetzen meist den Raum dahinter und Johanesson stößt meist mit in die Box dazu, was aufgrund seiner guten Physis auch durchaus Sinn ergibt.

Gegen den Ball spielt die Fortuna meist ein 4-4-Tzolis-1. Der Grieche hat gegen den Ball ziemlich viele Freiheiten. Mal agiert er als Zwischenlinienspieler zwischen Daferner und der Mittelfeldkette, mal als zweite Spitze neben dem Fortuna-Stürmer. Es wirkt allerdings so als wäre Tzolis in diesen Situationen nicht unbedingt ein Verteidiger, sondern viel mehr platziert er sich für einen möglichen Gegenangriff.

Auch Tanaka oder Engelhardt agieren gelegentlich außerhalb des 4er Verbunds etwas hinter der eigentlichen Linie oder sogar in die letzte Linie. Die Fortuna hat ein breites strukturelles Portofolio. Es reicht von einem 442 bis zu einem 532.

Was allerdings in allen Strukturen gleich ist, ist ein hoher Mannfokus. Dieser lässt sich speziell in längeren Ballbesitzphasen des Gegners durch Tiefe und Breite durchaus außeinanderziehen. Speziell die 96er hatten mit ihrer personellen Wucht durchaus Erfolge in Halbzeit 2 gegen die Fortunen.

Die größte Stärke zeigt die Fortuna bei Ballgewinn. Landet der Ball bei einem der zentralen Spieler, so versucht sich das vordere ballnahe Duo oft genau im Raum davor zu positionieren und dann aus dieser Situation aufzudrehen. Je nach Raum des Ballgewinns, startet die Fortuna Offensive danach inverse Läufe hinter die Kette oder auch diagonale Läufe um die Restverteidigung effektiv außeinanderzuziehen. Gerade Tzolis ist in diesen Situationen brandgefährlich. Sein Positionsspiel ist extrem gut, er findet fast immer den richtigen Raum oder Weg für jede Situation.

Der HSV wird wahrscheinlich viele Fragezeichen vor dem Fortuna Spiel über den Gegner haben.

Thioune hat in der Vergangenheit gezeigt, dass er vor allem defensiv äußerst anpassungsfähig sein kann. Man erinnere sich nur an das Hinspiel und an Tanakas verkappte herabfallende Rolle in die letzte Kette. Es wird spannend sein, was er sich dieses Mal wieder ausgedacht hat.

Trotzdem wird wieder gelten: Defense first. Ich kann mir nicht unbedingt vorstellen, dass die Fortuna ihren sonst eher konservativen Ansatz plötzlich über Bord werfen wird. Auch gegen den HSV wird man wieder abwartend agieren und den Hamburgern wohl das Spiel überlassen. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er wie im Hinspiel eine Lösung ohne echten Stürmer liefert. Der Ansatz ging gerade was das Bälle fest machen angeht, ziemlich in die Hose.

Aber die Fortuna ist nicht unverwundbar, gerade mit dieser Not-Viererkette wird man vielleicht gegen den HSV Probleme haben. Quarshie und auch Gavory haben in den vergangen Wochen gezeigt, dass sie gerade bei Bällen hinter der Kette nicht immer zug- und sattelfest stehen. Das gleiche gilt auch beim Spiel mit Ball. Die Duelle, die die Fortuna gewinnen muss, liegen allerdings eine Kette weiter vorne. Schafft es die Fortuna den HSV gar nicht erst in die Duelle kommen zu lassen, besteht eine gute Chance, dass man Steffen Baumgart mit gehörigem Druck zurück nach Hamburg schickt. Ein Fehlstart den sich der HSV eigentlich nicht erlauben kann.

Also Rob, wie machen wir es am Freitagabend?

Rob´s Lösungsansatz:

Für mich heißt in diesem Fall von Hannover lernen ist Siegen lernen. Wenn man sich die zweite Halbzeit vom Spiel H96 v. F95 anguckt, erkennt man vor allem vier Lösungsansätze, wie der tiefe Block von Fortuna zu bespielen ist:

  1. Personal zwischen die Linien bringen. Hannover agierte in der 2. Halbzeit mit enormer Anzahl von Spielern zwischen den Linien. Schaub schob immer wieder inversiv von Außen in den 10er Raum, auch Vogelsammer, Nielsen, Leopold (UNDERRATED!!!) und später Teuchert fanden immer wieder die Räume zwischen den Ketten.
  2. Mannorientierungen nutzen. Das viele Personal zwischen den Linien agierte dabei extrem dynamisch. Düsseldorf spielt gegen den Ball extrem mannfokussiert. Tiefenläufe aus dem 10er Raum hinter die Kette, Wechselbewegungen mit den (auf dem Papier) Außenspielern und Stürmern zogen immer wieder Lücken, weil die Düsseldorfer Verteidiger den Spieler von Hannover zogen. Unterstützt wurde das natürlich auch durch Tresoldi, der konsequent die Tiefe hielt und immer wieder die IV des Gegners mit guten Stürmerläufen pinnte.
  3. Wucht entwickeln und Risiko leben. Das zahlreiche Personal zwischen den Linien wurde wortwörtlich von den Außenverteidigern “flankiert”. Später sogar noch durch Halstenberg, erst als Halb-, später auch als Außenverteidiger, ergänzt. Dies ermöglichte erst die enorme Präsenz und Wucht, die Hannover entwickelte. Sicher hatte man dann auch Glück, dass die Fortuna 1-2 sehr aussichtsreiche Umschaltsituationen nicht mehr veredelten, jedoch sehe ich uns da grundsätzlich in der Balance-Rolle von Meffert vor Hadzikadunic und Bascho gut aufgestellt, sollte das baumgartsche Gegenpressing mal nicht zum Erfolg führen.
  4. Genauer in den Abläufen durchs Zentrum werden. Jeder Spieler, der in keiner Abschlusssituation ist, braucht Handlungsoptionen und dafür bedarf es genaue und abgestimmte Strukturen im Positionsspiel und Nachrückverhalten.

Sind wir in der Lage am Freitag diese Wucht zu entwickeln und vor allem endlich wieder genauer in den Positionen beim Nachrücken der linienbrechenden Bälle zu sein, dann werden wir wieder eine Vielzahl von Durchbrüchen generieren. Und dann werden diese auch wieder konsequenter zu Ende gezockt und der HSV gewinnt.

Statistisches Profil vom Gegner

Ein Kommentar

  1. Moin Leute,es ist soweit! Pheray,Reis und Benes auf dem Acker! Ich hoffe das alle eine gute Form haben. Und ordentlich Power!!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert