Scherbenhaufen HSV – ein Kommentar

Baumgart jedenfalls scheint nicht gewillt, seinen Plan anzupassen, stattdessen kündigt er bereits nach drei gemeinsamen Wochen Konsequenzen an. „Mein Plan ist klar, die Inhalte habe ich auf dem Platz noch nicht gesehen. Dann müssen vielleicht die Jungs drauf, die das machen, was ich mir vorstelle.“

Dies schrieb Sebastian Wolff heute im Kicker.

Es gewittert beim HSV. Zwischen Fans und Vereinsführung, zwischen Fans und Mannschaft und offenbar auch zwischen Mannschaft und Trainer Baumgart. Es dauerte nur 3 Spiele, bis es zum ersten öffentlichen „Schlagabtausch“ kam. Baumgart sieht die Mannschaft in der Pflicht. Man setze seine Ideen einfach nicht richtig um.

Fragt man aber Laszlo Beneś sieht all dies ein wenig anders aus. Erst ein Tag vorher soll er erfahren haben, dass er den verkappten linken Flügelspieler geben soll. Eine Position die nicht seine ist, wie er selber nach dem Spiel sagte.

Die Thematik wirft ein schlechtes Licht auf die Trainingswoche des HSV. Eine Trainingswoche in der es nach dem Desaster gegen Osnabrück doch gezielt um offensive Abläufe gehen sollte. Das Ergebnis vom gestrigen Abend spricht Bände.

Baumgart hat beim HSV einen Fehlstart hingelegt. Einen saftigen Fehlstart sogar. Bei seiner Antrittspressekonferenz vor knapp 3,5 Wochen euphorisierte er den gesamten HSV Kosmos. Inklusive mich. Wer mich verfolgt, der weiß, dass ich absolut kein Fan der Baumgart Verpflichtung war. Umso mehr erstaunte es mich, dass er mich nur mit einer Pressekonferenz so von sich überzeugte, dass ich das Spiel gegen den SV Elversberg kaum abwarten konnte. Der HSV lieferte im ersten Baumgartspiel auch viel worauf man sich freuen konnte. Der HSV besaß eine Geradlinigkeit im Umschalten, zeigte gute Momente im Anlaufen und hatte auch mehr zu bieten als nur gute Ansätze. Umso unverständlicher ist es, dass dieser Mannschaft binnen einer Woche alles verloren gegangen ist, was sie jemals so stark gemacht hat.

Auch die Formschwäche mancher Akteure schließt das Thema nicht aus. Die frisch verlängerten Heuer-Fernandes und Bakery Jatta machten seit der Verlängerung nicht den Eindruck als könnten sie dem HSV kurz- und mittelfristig dabei helfen den HSV endlich wieder in die Erstklassigkeit zu befördern. Die Wintertransfers Okugawa und Katterbach scheinen ebenso wenig die Lösungen für die HSV Problematiken zu sein. Und spult man sogar bis in den Juli / August zurück, so muss man sagen, dass Boldts Sommertransfers auch mehr Schein als Sein waren.

Es hätte natürlich alles anders kommen können. Das ausgerechnet der eine Spieler über eine halbe Saison ausfällt, den man im Walter-Spiel nicht ersetzen konnte, ist mehr als unglücklich. Vor allem nachdem ein halbes Jahr zuvor die Farce um Mario Vuskovic begann.

Was ich mit all dem sagen möchte ist, dass sich durch die letzten 1,5 Jahre HSV ein roter Faden zieht, in dem jede Entscheidung, die irgendwie schief gehen kann, auch schief gegangen ist. Nach Murphys Law: Alles was schiefgehen kann, wird schiefgehen.

EPO-Bilder aus Kreischa, die Wade Schonlaus, unsinnige und verpasste Wintertransfers und vielleicht Trainerentscheidungen (Zeitpunkt, Personalie), die dem HSV eher noch mehr verunsichert als geholfen haben.

Was macht jetzt noch Hoffnung?

Vielleicht sind es Dinge, die man aktuell nicht auf dem Platz finden kann oder die Hoffnung darin, dass ein Momentum im Fußball auch ganz schnell wieder in die andere Richtung kippen kann. Mehr ist es, in meinen Augen zumindest, aktuell nicht.

Der HSV wirkt auf und neben dem Platz unsortiert. Es zeigt sich in der offensiven Ideenlosigkeit und in den Schuldzuweisungen in den Interviews. Gleiches gilt für die Vereinsführung rund um die „Bergedorf“-Thematik.

Baumgart scheint aktuell nicht die Lösung zu sein, die dem HSV auf Knopfdruck alle Probleme nimmt. Ganz im Gegenteil sogar. Der HSV ist nach der Walter Entlassung im freien Fall, während der Stadtrivale am Sonntag auf 10 Punkte davon ziehen kann und höchstwahrscheinlich in der kommenden Saison eine Klasse höher als der „größere“ HSV spielt. Für viele HSVer war dieses Szenario oft undenkbar und vielleicht ist dieses HSV-Denken auch teil des Problems.

Über Jahre fühlte man sich als großer HSV unverwundbar. Man hat schließlich mal die „Champions League“ gewonnen und stand vor einigen Jahren kurz vor dem eigenen Finale Dahoam in der Europaleague. Seit dem Fulham Rückspiel, um genauer zu sein ab Minute 69, geht es für den HSV allerdings nur in eine Richtung. Nach unten. Immer mit dem Glauben gepaart, dass es ja bald wieder bessere Zeiten geben würde. Denn wir sind ja der große HSV.

Die Realität ist mit dem aktuellen Trend wohl eher ein siebtes Jahr in der zweiten Bundesliga. Schaut man über den Saisontellerrand hinaus, drohen in meinen Augen eher weitere Jahre in einer zunehmenden Bedeutungslosigkeit.

Mit einem weiteren verpassten Aufstieg, folgt wohl auch der komplette Umbruch im Sommer. Spieler wie Schonlau, Muheim, Benes, Reis und Glatzel würden wir wahrscheinlich nicht mehr in einem HSV-Dress sehen. Gleiches gilt für Sportchef Boldt und wahrscheinlich auch Trainer Baumgart.

Und all das in einer zweiten Liga, die wohl wirklich so stark ist, wie noch nie. Beide Bundesligaabsteiger werden wahrscheinlich sofort wieder im oberen Tabellendrittel mitspielen, ein wahrscheinlich besseres Hertha BSC Berlin und Schalke 04 ebenso. Hinzukommen die stabilen Zweitligisten um Fürth, Düsseldorf, Hannover, Paderborn, Kiel und Karlsruhe (auch wenn aus der Gruppe mindestens einer Erstklassig ist).

Wir sind nicht mehr der große HSV. Wir sind Zweitligist und ich habe die Befürchtung, dass sich daran auch so schnell nichts ändern wird.

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