Ein Hauch von Optimismus

Zugegebenermaßen: Auch mir fällt es schwer nach den letzten beiden Spielen jetzt sofort wieder an das Ziel Aufstieg zu denken. Und dennoch hoffen wir alle bis zur letzten möglichen Sekunde, dass der HSV, der schon oft mit dem Rücken zur Wand stand, das alles noch zu seinen Gunsten biegt. Nicht ohne Grund ist nach Kittels 1:0 in der letztjährigen Relegation das Volksparkstadion fast explodiert.

Das gleiche gilt auch für die aktuelle Situation. Es braucht einen Funken Hoffnung, ein wenig Spielglück und der HSV, würde eine Stadt wieder in den Bann der Aufstiegshoffnung reißen. Wahrscheinlich übertreibe ich hier sowieso maßlos, denn wie soll man sich sonst erklären, dass das Topspiel gegen Kiel wieder nach Minuten ausverkauft war?

Also. Nach vorne schauen. Schlimmer kann es ja auch eigentlich nicht mehr werden. Aber was könnte einem denn inhaltlich Hoffnung machen, außer eben dieses blinde Vertrauen darauf, dass irgendwann alles besser werden muss. Tatsächlich so einiges. Für manche reichen schon die Trainingseindrücke, in denen der HSV mit Tiki-Taka Fußball sich durch das letzte Drittel kombiniert. Aber was braucht es strukturell, damit der HSV endlich wieder zurück auf die Siegerstraße kommt?

Robert hat es in der Analyse des Düsseldorf-Spiels schon aufgezeigt. Es sind weiterhin nur Nuancen, an denen man arbeiten muss, die am Ende aber einen riesigen Unterschied machen können. Der HSV kam in einige gute Szenen (im Ansatz) gegen einen meist gut sortierten Düsseldorfer Block. Es mangelte, wie schon so oft, in der Entscheidungsfindung im letzten Drittel. Die ist einfach katastrophal, das muss man in aller Deutlichkeit so sagen.

Allerdings hatte der HSV trotzdem auch strukturelle Mühen in den eigenen Reihen. Ein Innenverteidiger-Pärchen, welches sich gelegentlich auf den Füßen stand, eine zu Beginn nicht existierende linke Schiene, oft zu viel tiefes Personal. Hier muss der HSV dringend an sich arbeiten. Sei es von der generellen Raumaufteilung oder auch von dem eingesetzten Personal in diesen Rollen. Aber wie kann denn guter Baumgart-Ball aussehen? Die Antwort finden wir ironischerweise im Osnabrück Spiel.

Hier ein kleiner Refresher:

Der HSV startete ziemlich solide in den zweiten Durchgang. Viele schnelle Ballgewinne und auch die Tiefe konnte man mit Ball finden. Der Schlüssel waren minimale strukturelle Anpassungen, die schon fast der oft gewünschten 3er Kette nahe kamen. Jatta agierte bis zum Doppelwechsel oft ein wenig tiefer und auf eine Höhe mit Katterbach auf der anderen Seite. Der HSV baute zudem oft über ein 3-1 auf, Reis schob tendenziell ein wenig höher und pendelte wie Pherai viel vertikal und horizontal. Der HSV schaffte es nun endlich die Osnabrück Viererkette aufzureißen. Speziell Kleinhansl ließ sich oft von der tieferen Position von Jatta etwas locken und öffnete den Raum zwischen ihm und Diakhite, den dann der HSV 8er attackierte. Der HSV kam nun situativ Richtung Grundlinie. Es fehlte allerdings wieder die optimale Lösung in der Box und im letzten Drittel.

Wieso also nicht an genau diesen Prinzipien weiter arbeiten?

Die Tendenz vom 3er Aufbau konnte man auch wieder in Düsseldorf erkennen. Katterbach und später Heyer standen meist sehr hoch und eben in der zweiten Linie des HSV-Aufbaus. Gleiches galt für Bakery Jatta. Dieser stand zwar etwas höher allerdings war er bei Weitem nicht der spekulierte zweite Stürmer. Allerdings stand auch Ignace van der Brempt meist nicht tief auf Höhe der Innenverteidiger, da auch er hochschob. Der HSV hatte also teils 2 Spieler auf der rechten Schiene. Oder wie ich es viel lieber sagen würde: dem HSV fehlt dadurch ein Spieler anderswo. Sei es im offensiven Halbraum oder tief in erster Linie für diagonal-eröffnende Bälle.

Überlegt man sich nun einmal, wie der HSV dieses Ballbesitzsystem mit dem aktuellen Personal auf den Rasen bringen könnte, kommt bei mir folgendes System heraus.

Personell sieht es nach dem ewigen 433 aus, welches wir nun schon Jahre kennen. Es bringt allerdings etwas mehr Stärken für den Baumgartball zur Geltung. Auf der linken Seite könnten speziell Muheim und Benes, die für ihre Rochaden bekannt sind, durchaus Lücken gegen tiefe-mannorientierte Blocks aufreißen. RYK bietet aus diesen Situationen die Tiefe Option, die durch einen Linksfuß dahinter auch viel besser bedient werden kann. Auch würde Königsdörffers zentrale Präsenz das Abkippen von Glatzel viel besser auffangen. Hier könnte er, wie schon gegen Elversberg, die Tiefe attackieren nach einem hohen Ballgewinn oder eben das oft genannte tiefe Spiel über den Dritten.

Pherai könnte weiterhin im Halbraum viele horizontale und vertikale Freiheiten haben, da Jatta hier ausschließlich für die Schiene. zuständig wäre.

Schaut man in Düsseldorf auf Halbzeit 2, wäre es durchaus interessant gewesen zu sehen, ob der HSV mit van der Brempt auf der rechten Schiene und Jatta auf der linken gegen Düsseldorf Durchschlagskraft hätte generieren können. Allerdings war das Spiel nach dem Heyer Platzverweis klinisch tot.

Dennoch bringt gerade Miro Muheim viele Qualitäten mit um im Aufbau in erster Linie zu agieren. Mehr als van der Brempt. Ironischerweise ist van der Brempt in meinen Augen auch der bessere Schienenspieler, sodass es umso mehr Sinn macht den 3er Aufbau so anzuordnen. Dompe (der wahrscheinlich gegen Wehen immer noch fehlen wird) würde wahrscheinlich höher agieren als z.B ein Jatta oder vielleicht auch Öztunali. Durch die 2 klaren Schienenspieler sollte es dem HSV möglich sein situativ immer genügend Personal ins letzte Drittel zu bekommen um den Gegner damit, speziell im Gegenpressing, erdrücken zu können.

Gerade das Gegen- und Angriffspressing von Baumgart sollte eigentlich der größte Mutmacher sein, den der HSV aktuell auf den Platz bekommt. Eine PPDA von 7,2 gegen Elversberg, 6,5 gegen Osnabrück und 9,5 gegen Düsseldorf (wobei ich hier gerne mal den Wert von 11 gegen 11 sehen würde) sprechen eine deutliche Sprache. Der HSV braucht nicht lange um defensiv in die Aktion zu kommen. Das Bild trügt auch nicht, wenn man sich die Expected Goals aus dem Spiel heraus ansieht. 0,42 gegen Elversberg, 0,00 gegen Osnabrück und 0,74 in Halbzeit 1 gegen die Fortuna. In der die 0,74 nur aus dem Schuss von Klaus resultieren. Fehler in der Restverteidigung wird der HSV nie abstellen können, das ist unmöglich. Es ist dennoch mehr als erfreulich, dass der HSV in seiner defensiven Herangehensweise durchaus Erfolge hat. Sicherlich hat sich Thioune mit seiner Truppe nach der frühen Führung hinten reingestellt, aber dass du bis auf zwei Distanzschüsse keine Nadelstiche machen konntest, war sicherlich nicht im Sinne des Ex-HSV Trainers.

Es wird spannend zu sehen sein, wie Baumgart seine Männer am Sonntag einstellen kann. Vor allem nachdem die gesamte Konkurrenz wieder mal vorlegt.

Läuft es ganz doof für den HSV steht man vielleicht punktgleich mit dem 7. Fürth auf Platz 6. Möglicherweise mit 8 Punkten Rückstand auf Holstein Kiel. Patzt die Konkurrenz kann man vielleicht das Polster auf Kiel verkleinern und sich wieder etwas Luft verschaffen, wenn man in den Rückspiegel schaut.

Die “Angst” spielt sicherlich mit beim HSV und sie hemmt diesen Verein wohl auch, allerdings kann auch vieles passieren, wenn der HSV endlich ins Rollen kommt in dieser Rückrunde. Manchmal fehlt nur ein Querpass oder eine Flanke und wir würden vielleicht über einen ganz anderen HSV in diesem Blog berichten. Vielleicht ja schon nächste Woche…

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