FragRautenball Nr.7 – eure Fragen nach #HSVWIE

Endlich wieder #FragRautenball nach einem Sieg. Und somit ohne große Vorrede rein in eure Fragen.

@rutobia31: Woran lag es, dass wir teils gute Räume im Zentrum hatten und uns schnell und direkt durchkombinieren konnten? Gefühlt vielleicht erst zwei mal so gesehen in der Saison. Eigene taktische Kniffe oder stand Wiesbaden einfach schlecht?

Rob: Ich werde mir das Spiel erst die nächsten Tage im Re-Live nochmal anschauen und gucken, ob sich meine Live-Eindrücke im Stadion bestätigen werden – denn auch ich fand es auffällig überzeugend durch die Mitte. Das es dann auch noch gegen einen tiefen 5-3-2 Block gelingt, ist ein gutes Zeichen.
Bezogen auf die letzten Spiele lag es für mich an vier auffällige Gründe:
1. Breitengeber auf beiden Seiten – aber zentralorientiertes Handeln
Sowohl Öztunali als auch auf der anderen Seite Jatta (oder Pherai) hielten auffällig die Breite. Das verhindert, dass die Ketten des Gegners noch enger stehen können => Mehr Platz in der Mitte. Die beiden Außen fanden dann aber auch immer wieder die zentralen “Entry-Pässe” zwischen den Linien.
2. Mehr Personal in den höheren Ebenen
Im Aufbau hat der HSV am Sonntag in einem 3-2-2-3, teilweise 3-2-3-2 mit dem abkippenden Glatzel agiert, wobei die beiden 6er relativ eng, die beiden hohen 8ter relativ Breit – oder andersherum standen. Zuletzt hatte der HSV mit einem 4-2 Aufbau sehr viel Personal in der hintersten Ebene gebunden und gleichzeitig wenig Breite in der vordersten Linie.
3. Positionsstrukturen, die das Spiel übers Zentrum begünstigen
Passend zu “unserem Verein” wurden immer wieder Rauten auf dem Platz gebildet. Der Ballführer hatte somit häufig diagonal links und rechts eine Anspielstation, aber auch vor sich in der nächsten Ebene. Somit kannst du entweder mit einer diagonalen Öffnung – oder mittels Tief-Klatsch alle Spieler dieser Raute erreichen.
4. Nachrückverhalten
Wenn der HSV gegen Wiesbaden eine Ebene überspielt hatte, rückte nicht nur der Ballführer für einen Doppelpass nach, sondern auch die beiden äußeren “Rautenspieler” (s. Nr.3) für das entsprechende klatschen lassen.

Ein 5. Grund wäre übrigens ein Name: Lazlo Benes. Die Positionsfindung unserer Nr. 8 war gestern überragend. Er war es, der zwischen den beiden Ketten von Wiesbaden immer wieder diagonale Passwege herstellte und das Kombinationsspiel durchs Zentrum begünstigte.

Daniel: Ich kann mich da dem Coach nur anschließen. Wieso, weshalb, warum werden wir sicherlich noch in unserer Analyse wirklich genauer beleuchten. Aber für mich sind es die gleichen Themen, wie bei Rob. Zunächst hat man durch die Breitengeber das komplette Feld horizontal gestreched, sodass man auch dementsprechend die 5er Kette vom SVWW in der Breite gehalten hat. Durch Reis Einrücken hatte man nach Überspielen von Kovacevic und Prtajin teils ein 4 gegen 3 in der Zentrale. In den ersten 15-20min konnte der HSV die allerdings kaum nutzen, da man meist in einem Rechteck zueinander stand, mit zunehmender Spielzeit konnte man hier aber viel mehr die angesprochene Diagonalität sehen. Wir werden in der Analyse sicher noch genauer darauf eingehen.

@gunther_rauch: Hat die Mannschaft tatsächlich „Baumgart-Ball“ gespielt oder ist Baumgart etwas flexibler geworden und mehr in Richtung eines Ansatzes abgerückt, der die Stärken der Truppe besser spiegelt als das, was er sonst vielleicht spielen wollen würde?

Rob: Was ist denn für dich Baumgartball? Er hat durchaus klare Prinzipien, die er aber auch je nach Spielermaterial in seine Matchpläne oder Ideen für seine Mannschaften einbaut. Das habe ich in meinem Artikel („Baumgartball“ – schaun wa ma was wird… was wird.) ausführlich erörtert. Immer mehr sieht man aus meiner Sicht die Veränderungen seiner bevorzugten Spielelemente (Spiel über Dritte – Tief Klatsch etc.) und zumindest gestern waren die dafür notwendigen Positionsstrukturen etc. gegeben. Hier hatte er auch im Vergleich zu den letzten Spielen strukturell etwas verändert (Siehe 1. Frage).
Aus meiner Sicht hat die Mannschaft gestern übrigens gerade in den Kernbaumgartthemen Gegenpressing und Angriffspressing einiges vermissen lassen. Ersteres war für mich fast non-Existent, was immer wieder diagonale Öffnungen von Wiesbaden nach Ballgewinn zuließ, zweites war insbesondere in der 2. Halbzeit nicht mehr in der Intensität vorhanden, was zu weiteren Problemen führte – dazu aber später mehr bei einer anderen Frage. 😉

Daniel: Ich würde einfach mal vorab sagen, dass der Gameplan sehr gut gepasst hat. Reis Einrücken war einer der Schlüssel zum Sieg. Hätte man, wie sonst in einem 433, wieder jeweils 2 Spieler in der Breite geparkt, fehlen die in der Zentrale. So war das ein durchaus smarter Schachzug. Ob das nun Baumgartball war oder nicht, wird sich zeigen. Ich gebe Rob beim Thema Defensive ebenfalls Recht. Wiesbaden hat es oft geschafft sich horizontal aus dem HSV-Anlaufen in HZ2 zu befreien. Sieht man übrigens auch auf der Passmap, die ich auf X geteilt habe. Die Frage muss aber erlaubt sein, ob diese geringe Aggressivität nicht auch gewollt war. Es war schließlich die erste 2 Tore Führung, die wir unter Baumgart erleben durften.

@SKonservativ: Was sind eure takes aus dem Spiel? Ist der Turnaround da? Woran muss Baumgart weiter feilen in der Pause?

Rob: Leider sagt Baumgart ja selbst (im NDR-Sportclub), dass seine “Stammspieler” eh alle auf Nati-Reise sind. Ich befürchte also, dass es keinen außergewöhnlichen Sprung geben wird… 😉
Ich hoffe sehr, dass er mitgenommen hat, dass die 4-5 Spieler im Spielaufbau mit einer relativ breiten 3er Kette, einem klare und einem schwimmenden 6er reichen. Das hat uns extrem in der Umsetzung des Ballbesitzspiels geholfen (s.o.), wenngleich es theoretisch ein erhöhtes Risiko in der Restverteidigung darstellt. Auf der anderen Seite haben wir so mehr Personal in Ballnähe nach Ballverlust, weshalb das Gegenpressing deutlich erfolgreicher hätte sein müssen, als es gestern war.
Und das ist für mich der Grund, warum ich noch verhalten bin in Sachen “Turnaround”. Denn für diesen müssen ALLE Rädchen passen. Ein besserer Gegner hätte uns gestern im Umschaltspiel mehr weh tun können.

Daniel: Ich bin da ein wenig optimistischer. Ich glaube, dass dieses deutliche Erfolgserlebnis uns wirklich gut tun wird. Man muss allerdings in Fürth direkt daran anknüpfen. Ich glaube zudem, dass die “Experimente” ebenfalls vorbei sind, vor allem da viel Personal fehlt um wirklich neue Dinge einzustudieren. Nach nun 4 Spielen unter SB wird er eh immer und immer wieder Wert auf seine Prinzipien gelegt haben, die dann hoffentlich in den nächsten Wochen verfeinert werden können.

@jupp_hsv: Sollte man die 3er Kette ab jetzt etablieren? Würde das System noch besser mit einem Dribbelstarken (Balde,Dompe etc.) auf links noch besser funktionieren?

Rob: “Formationszahlen sind für mich nur Nummern” hat Pep mal gesagt. Und Gestern war das beste Beispiel dafür. Ich hatte das vor dem Spiel in den neuen Shorts aufs Instagram bereits vermutet (https://www.instagram.com/reel/C4nfKRfNqqD/?utm_source=ig_web_copy_link&igsh=MzRlODBiNWFlZA==).
Im Spiel zum Ballgewinn haben wir ja weiterhin in einer Viererkette agiert – das wird Baumgart wohl nie anders machen. Dass Reis hier situativ als RV agierte, ist sogar auch nicht neu. Das hat er, glaube ich, unter Tim Walter auch schon einmal gemacht. Der breite 3er – Aufbau ist gerade gegen eine Fünferkette ein sehr gutes Mittel gewesen. Gegen andere Formationen, kann dies aber auch schon wieder anders aussehen.
Grundsätzlich erhoffe ich mir aber, dass dieser Aufbau – auch genau in dieser personellen Besetzung (Hadzi – Schonlau – Muheim) so beibehalten wird und je nach Struktur des Gegners dann in den höheren Ebenen angepasst wird.

Daniel: Mit Blick auf die nächsten 8 Gegner macht es definitiv Sinn, dass man sich diesem Mittel mit einem invers einrückenden AV zu Nutze macht. 6 dieser 8 haben am vergangenen Spieltag in einer 3er Kette agiert. Lediglich Nürnberg und Lautern agieren strikt mit einer 4er Kette. Das Prinzip kann hier das selbe sein: Breitengeber um die Kette breit zu binden, Überzahl im Zentrum herstellen. Zudem haben wir mit Muheim einen Spieler, der auch aus der klassischen Kette diesen einrückenden Part übernehmen kann. Auch wenn mir das leichte Sorgen bei der Absicherung bereitet, wenn ein Dompe hochbindet. Aber es gibt auf jeden Fall Optionen, wie der HSV auch weiterhin mit dieser Idee Fußball spielen kann.

@1x12x13: Wie kann der HSV besser gegen Steckpässe abgesichert sein? Gerade mit so langsamen IV und einer so hohen Verteidigungslinie.

Rob: Das ist eine einfach Frage mit einer sehr komplexen Antwort. 🙂
Über welche Steckpässe reden wir hier? Gestern wurde das Thema aus meiner Sicht erst so richtig in der 2. Halbzeit virulent. Zuvor gab es da lediglich Situationen im Umschaltspiel, die aus meiner Sicht prinzipiell gut verteidigt waren. Wenn ein HSVer aus der Kette rausrückte um Druck auf den Ball zu geben, wurde dahinter eingerückt und das entsprechende “Abwehrdreieck” gebildet. Genau dieses Abwehr-Prinzip verhindert Steckpässe und drängt den Gegner nach Außen. Für mich wirkte es da im Stadion eher so, dass wir 2-3 Zweikämpfe im Folge verlieren und dadurch der Durchbruch passierte.
In der Zweiten Halbzeit wurde es dann eher ein Thema. Wiesbaden hatte dort mit Ball mehr Personal auf der Höhe unserer Kette, weshalb das herausrücken aus der Kette schwieriger wurde, da komplexer in der Entscheidungsfindung der Verteidiger. Dazu kam, dass wir es nicht mehr geschafft haben, die Wiesbadener konsequent zu weiten Schlägen aus der eigenen Hälfte zu zwingen (Stichwort Angriffspressing). Der fehlende Druck vorne führte aus meiner Sicht dazu, dass selbst Wiesbaden in der Lage ist, die Räume neben Meffert in unserem 4-1-3-2 zu finden. Wenn dazu dann die Kette gepinnt ist und die Offensivspieler an der Kette entlang laufen und dem Steckpass dann nachlaufen, kannst du als Innenverteidiger auch mit nem Speed von 99 nicht mehr hinterher – der Geschwindigkeitsvorteil des Angreifers ist einfach zu groß. Da geht es dann viel mehr um Antizipation und abfangen des Passes – und bei uns in erster Linie darum, entweder in einem tieferen Block die Lücken neben Meffert zu schließen – oder vorne weiter konsequent den Druck aufrecht zu erhalten, damit der Steckpass überhaupt nicht möglich wird. Die Letzte Kette hat meistens dann wirklich nur noch die Chance durch perfekte Abstimmung im Herausrücken und dahinter absichern (Abwehrdreieck) zu handeln. Das wäre dann auch die einfachere Antwort: Genauer und besser diese Dreiecke bilden.

Daniel: Habe dem nichts hinzuzufügen.

@pasbre: Bereits mit Daniel kurz angeschnitten: Poreba mMn bei nahezu jeder Einwechslung ein belebendes Element. Gäbe es Chance, ihn mehr in Start11 einzubinden? Ich lernte, dass er zumindest nicht für Meffo reingeworfen werden könnte. Bei Nichtaufstieg: Ersatz für Benes (hypothetisch)?

Rob: Soweit ich es gerüchteweise auf “X” gehört habe, sei der Abgang Porebas fast schon beschlossene Sache. Und dann wählst du aus meiner Sicht erneut den falschen Spieler aus. 😀
Porebas Qualitäten sind für mich in der Tat eher eine gute Orientierung, gutes Aufdrehen, solides Passspiel und die Entwicklung von Dynamik – auch durch progressive Dribblings. Sein Profil finde ich eher vergleichbar mit dem von Reis, oder @bene?
Abgesehen davon finde ich ihn auch immer wieder belebend, ich hatte ihn ja auch als möglichen Gewinner eines Trainerwechsels benannt. Und da es sich bewahrheitet, dass Baumgart über das Zentrum nach vorne will, ist er für mich am ehesten eine Alternative zu Reis. Im Vergleich zu Benes fehlt mir hier im Wesentlichen die Positionsfindung zwischen den letzten beiden Linien des Gegners.

Benedikt: Grundsätzlich stimme ich zu, dass das Profil von Poreba dem von Reis am meisten ähnelt. Allerdings glaube ich, dass er noch etwas mehr der progressive Passspieler ist und etwas weniger der Ballführende. Was er bis jetzt weniger gezeigt hat ist das proaktive Vorwärtsverteidigen (bzw. Defensiver Druck in der Grafik), was aber auch viel mit den Spielphasen zutun haben wird in denen er eingewechselt wird. Letztlich fehlen ihm auch einfach die Spielminuten, um ein zuverlässiges statistisches Profil von ihm aufzuzeigen. Dennoch sieht man besonders im Spiel am Ball die Ähnlichkeiten zu Reis.

Daniel: Trotz längerer Antwort bleib ich bei der selben Antwort. Es fehlt eigentlich die Rolle für ihn und zugleich die Perspektive, wenn man sich bezüglich dem Leihende schon sicher sein sollte. Einen Meffert ersetzen kann er wahrscheinlich nicht. Da fehlt ihm wahrscheinlich das Skillset. Auf der 8 sehe ich ihn auch am ehesten in einer tieferen Reis Rolle. Dort hätte er meiner Meinung nach zumindest in Düsseldorf die Chance kriegen sollen, es besser zu machen als Ludo. Aber ich muss auch gestehen: ich habe auch zu wenig von ihm gesehen, dass ich mir ein gutes Bild über sein Profil machen kann. Was sehr schade ist, denn ich habe durchaus gute Momente von ihm gesehen in seinen Kurzeinsätzen.

@DrippyRYK: Wie seht ihr die Rolle von Reis als inverser RV, hat mir sehr gut gefallen. Es kam mir so vor, dass er so wieder eher in die Räume kam in denen er stark ist. Auch wenn noch viele Fehlentscheidung dabei waren.

Rob: Ich würde ihn nicht als inversen RV bezeichnen wollen. Defensiv im geordneten Spiel zum Ballgewinn war er RV, ja. Im Spiel mit dem Ball agierte er aber einfach in seiner schwimmenden Rolle zwischen 6 und 8.
Reis ist und war immer schon extrem weiträumig und kippte ja häufig bis zur Außenlinie raus. Unter Walter hat das ideal gepasst, bei Baumgart für mich nicht so wirklich.
Dass er bei einem 3-er Aufbau nun aber wieder in der Lage ist, so ein wenig “rum zu roamen” und hier und dort zu überladen, dazu immer wieder in diagonale Carries kommt, kommt ihm sicher entgegen. Dass es gestern so funktioniert hat, hatte aus meiner Sicht aber viel damit zu tun, dass auch Pherai und Jatta hier stehts auf der rechten Seite (und in den Halbräumen) die passenden Räume besetzt haben. Es wird aber spannend zu beobachten sein, wie seine Rolle sich offensiv entwickelt, sollten wieder zwei nominelle AV auf dem Platz stehen.

Daniel: Schaut man ein wenig in die Vergangenheit zurück, dann fällt einem auf, dass die HSV Lowblock Problem Spiele meist sehr doll mit einem überdurchschnittlich viel abkippendem Reis korreliert haben. Im Osnabrück Hinspiel klebte er fast im Raum zwischen VDB und Jatta. Da hat es schon einen Vorteil, dass er durch die Struktur praktisch “niemanden im Wege stehen konnte”. Eine falsche Entscheidungsfindung fällt durch ein Benes und Pherai davor einfach nicht mehr so ins Gewicht, da diese beiden Spieler vor ihm die wichtigen Räume besetzen können. Es wir aber spannend zu beobachten sein, wie es gegen einen Gegner aussieht der mehr Personal in den ersten Linien für den Restangriff hat oder mit starken Individualisten auf der linken Seite daher kommt. Das muss man dann aber wirklich von Spiel zu Spiel beurteilen.

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