#SGFHSV – Die Analyse mit Fokus auf… “Entscheidungsfindung im letzten Drittel”

Es fühlt sich an als wäre es eine Ewigkeit her. Zwei HSV-Siege in Folge? Das gab es das letzte mal Ende August letzten Jahres. Schaut man aber etwas zurück auf die jüngere HSV Vergangenheit, so fällt einem auf, dass Siegesserien nicht unbedingt die Identität des HSV sind. Auch in der Rückrunde der letzten Saison schaffte man es lediglich 2 mal. Man hat sich daran gewöhnt. Daran gewöhnt, dass auf Erfolgserlebnissen oft die Ernüchterung folgte. Als HSV – Fan ist man also vorbereitet, aber dennoch fühlt sich das Unentschieden in Fürth an wie eine Niederlage – und das ist in meinen Augen auch richtig so. Über 90 Minuten kontrollierte man die schwachen Franken in ihrem eigenen Stadion und steht am Ende trotzdem nur mit einem Punkt da. Von zwei verlorenen Punkten zu sprechen ist wahrscheinlich so verständlich wie lange nicht mehr. Aber dennoch ist es dieses Mal ein wenig anders als sonst: Der HSV machte nämlich ein gutes Spiel und scheiterte am Ende mehr an sich als an den Kleeblättern.

Immer wieder ist zuletzt in der Presse, in Statements, in Interviews und auch auf “X” zu lesen, dass “der letzte Pass nicht ankommt”, wir “im letzten Drittel immer die falsche Entscheidung treffen” oder noch konkreter, dass “die Entscheidungsfindung im letzten Drittel schlecht ist”. Doch was heißt das eigentlich im Konkreten und wie machte sich das in Fürth bemerkbar? Was ist das eigentlich diese Entscheidungsfindung und wie lässt sich das im Fußballbezug übersetzen? Wie so häufig im Leben wird auch im Fußball auf das Endprodukt, dem Outcome, dem Ergebnis referenziert – und das ist meist die finale Handlung, die von dem ballführenden Spieler vollzogen wird. Doch das ist für unseren Anspruch hier bei Rautenball.de zu einfach und zu kurz gedacht. Aus diesem Grund versuche ich nun möglichst kurz (*hust*) die Basistheorie von meinem Verständnis der Entscheidungsfindung zu erläutern – wem das egal ist, kann zu den Screenshots unten scrollen, denn dort geht es direkt zu der Beurteilung von ein paar Szenen. Ziel dieses Artikels soll aber sein, dass es mir gelingt, ein gemeinsames Verständnis dafür zu schaffen, wie unterschiedlich die Gründe für eine letzte schlechte “Handlung”, einen schlechten “letzten Pass” bzw. eine schlechte “Entscheidungsfindung” im letzten Drittel sein kann.

Eine Handlung im Fußball besteht aus drei wesentliche Faktoren, die auf Basis weiterer Kompetenzen beurteilt (und trainiert) werden können. Diese sind:

  1. Die Wahrnehmung: Was nehme ich in einer Szene wahr? Wo bin ich? Wo stehen meine Mitspieler/Gegenspieler? Wohin werden diese sich bewegen? Wie weit weg? Wie erreichbar?
  2. Die Entscheidung: Darauf basierend treffe ich eine Entscheidung, wie ich handele. Gehe ich ins Dribbling, passe ich flach, hoch, scharf, langsam – mit rechts, links, Hacke? Laufe ich tief, komm ich kurz? In welchen Raum gehe ich? Stütze ich meinen Mitspieler durch Hinter- oder Vorderlaufen?
  3. Die Ausführung: Differenziere ich den Pass mit der richtigen Geschwindigkeit? Platziere ich ihn richtig? Kann ich den Rabona, oder breche ich mir dabei ein Bein? Trabe ich nur in einen Raum? Sprinte ich? Ist mein Timing richtig?

Um richtig Wahrnehmen zu können, brauche ich eine gute Orientierung, muss das Spiel verstehen. Um richtig entscheiden zu können, benötige ich das taktische Wissen, um richtig ausführen zu können eine gute Koordination und Technik – diese Liste ist nicht annähernd abschließend, soll uns aber reichen.

Kurzer Exkurs in die Trainingsarbeit: Wenn ich es als Trainer schaffe, meine Spieler in der täglichen Arbeit immer wieder in die für mein Spiel richtigen Situationen (Spielelemente) zu fordern, das ganze immer wieder mit spielnahen Gegnerdruck übe, sie teilweise auch überfordere durch (zu) enge Räume oder (zu) vielen kognitiven Herausforderungen, trainiere ich sie darin bessere und vor allem schnellere Handlungen auszuführen. Man spricht dann von steigender Handlungsschnelligkeit und Spielkompetenz/-intelligenz. In der Neuzeit mit wohl sehr ausgeschöpfter Athletik der wohl größte Bereich im Fußball mit “Entwicklungspotentialen”.

Der kleine Exkurs macht aber auch deutlich: Nicht nur der Spieler am Ball trifft Entscheidungen. Jeder Mit- und Gegenspieler tut das selbe. Somit kann also auch ein Spieler ohne Ball derjenige sein, der durch eine schlechte Entscheidungsfindung das Endprodukt – eine geglückte Aktion (Tor, Steckpass, Dribbling) verhindert.

Aber wie war das nun in Fürth? Was genau führt (höhö) dazu, dass auch ich sage, dass der HSV wiederholt Probleme mit der Entscheidungsfindung im letzten Drittel hat und somit die Handlungen am Ende nicht gut sind? Hierzu gehen wir rein in ein paar Szenen des Spiels in Fürth. Die Liste der Szenen im letzten Drittel ist dankbar lang gewesen und unter den nachfolgenden Beispielen, werde ich via Minutenzahl noch weitere Szenen benennen, wo ähnliche Muster zu erkennen sind. Das aber nur als “Service” für Nerds, wie mich. 😉

Die Ausführungsfehler:
Minute 2:20: Szene Umschaltmoment, Handlung Benes

In der zweiten Minute gewinnt Jatta den Ball und spielt einen unsauberen 1. Pass weit tief raus auf Pherai, der den zentral kurz kommenden Nemeth findet und den Ball auf den nachrückenden Dritten – Benes legt. Benes erhält den Ball mit offenem Fuß zum Spiel. Ransi nimmt die Situation wahr und geht sofort tief gegen die viel zu breit und ungeordnet stehende Kette der Kleeblätter. Bis hierhin waren alle Handlungen – ausgenommen der Ausführung von Jattas Pass – top. Doch dann die letzte Handlung im letzten Drittel. Benes ist, wie @walterball bereits in seinem Artikel zum Spiel gegen Wiesbaden beschrieben hat, hervorragend in der Orientierung in Räumen. Auch hier findet er den richtigen Raum und (Milli-)Sekunden zuvor sieht man ihn auch das Spielfeld scannen – er weiß also, dass RYK sich in minimaler Breite zu ihm befindet und den tiefen Raum hinter Nemeth belaufen wird und muss. Die Entscheidung von Ransi ist komplett richtig – auch macht er dies mit einem hervorragenden Timing und Speed. Auch Benes weiß, dass er hier im höchsten Tempo einen leicht tippelnden Ball direkt mit seinem (schwächeren) rechten Fuß spielen muss. Die schlechten Entscheidungen der Fürther öffnen hier sogar einen flachen Pass, der Chip ist technisch anspruchsvoller. Benes entscheidet sich für den direkten Chip – was ok ist. Nur die Ausführung ist schrecklich und der Ball geht ins Seitenaus. Nach den oben ausgeführten Kriterien, soll die Szene ein Beispiel für eine fehlerhafte Handlung durch Ausführungsfehler darstellen – Wahrnehmung und Entscheidung selbst waren von Benes und Ransi richtig.

Minute 5:50 – Ausführungsfehler, auch wenn alles richtig aussieht

Erneuter hoher Ballgewinn im Angriffspressing wird genutzt um direkt tief zu spielen. Benes erkennt erneut den richtigen Raum und attackiert diesen im Vollsprint. Muheim nimmt die Situation ebenso wahr und spielt einen Ball in die Tiefe. Alles gut? Leider nein. Der Pass von Muheim ist nicht richtig differenziert – er ist zu kurz und Benes muss abstoppen. Das führt dazu, dass Benes hier eine klare Abschlusssituation geraubt wird, da die Verteidiger doch noch recovern können:

Am Ende ist durch die Stopbewegung von Benes seine Körperhaltung nicht mehr Ideal für einen Abschluss – auch bei seiner Schusstechnik daher eine nachvollziehbare Entscheidung hier den Pass zu suchen. Er nimmt erneut überragend wahr, dass Pherai völlig blank ist und am Ende ist es Pech, dass der Fürther Verteidiger den Pass – obwohl er sich bereits wegdreht – noch mit dem Hinterfuß verhindern kann.
In dieser Szene haben alle Spieler des HSV den selben Gedanken (Wahrnehmung), alle sind enorm handlungsschnell und treffen die richtigen Entscheidungen – aber scheitern an einer Kleinigkeit in der Ausführung von Muheim und daran, dass der Fürther Verteidiger Glück hat.

Weitere Beispiele für mangelhafte Ausführung finden sich auch:
Minute 9:15 – Pherai´s Ausführung des Passes auf RYK – schlecht differenziert (Tempo)
Minute 38:15ff. – Durchbruch Jatta nach Ballerorberung – Entscheidung Flanke vor die Kette richtig. Er nimmt den direkt startenden Nemeth wahr – der Ball ist grausam. Kurz danach wird der zweite Ball aufgesammelt und Meffo bringt Jatta in eine dynamische Situation hinter die Kette – wieder richtige Entscheidung, scharf vor die Kette zu bringen, wieder eine gute Boxbesetzung. Ausführung… naja.

Rob´s größter Triggerpunkt im Fußball – Entscheidungsfehler bei Flanken
Minute 9:20
Der HSV gewinnt erneut den Ball und schaltet um. Ein schlechter tiefer Ball (s.o. 9.15 – Pherai), treibt RYK weit nach Außen, der dennoch versucht eine Flanke zu schlagen, die geblockt wird. Diese Flanke hätte bereits wenig Aussicht auf Erfolg gehabt. Was danach aber passiert ist aus meiner Sicht viel schlimmer. Der HSV sichert den Ball (gut) und hält ihn auf der linken Seite im letzten Drittel. Dabei spielen hier Muheim, Meffert und RYK sich den Ball mehrfach zu. Die Franken werden somit auf die Seite gelockt, die IV steht statisch im 16er – Pherai und Nemeth binden die IV.

Nun löst Muheim diese Situation mittels Dribbling herausragend auf und bringt wieder Dynamik in die Situation. Meffert übernimmt, nimmt aber wegen schlechter Orientierung und Scanverhalten im Vorwege, mit geschlossener Körperhaltung zum Spiel den Ball und lässt den Ball trotz guten “Aufdrehens” erneut in die statische Situation auf RYK klatschen.

Ransi bekommt somit den Ball in einer komplett statischen Situation – und trifft die Entscheidung, dass dies ein guter Zeitpunkt zu flanken ist. Spoiler: Flanken in eine statische Kette hinein, ist die (auch statistisch) nachgewiesener Maßen schlechteste Möglichkeit ein Tor zu erzielen. Man kann ihm hier vielleicht noch zu Gute halten, dass Jatta einen (guten) Lauf in die Box macht und auch die restliche Kette gebunden ist. Jedoch müsste der Ball über 3-4 Kleeblattspieler, die alle in den Ball hineinverteidigen können, herüber, für den guten TW unerreichbar so platziert werden, dass nur Baka den Ball mit seinem Geschwindigkeitsvorteil erreicht. Das ist ein so hoher Präzisionsdruck, der in einem von 1.000 Fällen gelingt. Er nimmt die Situation komplett wahr (sieht ja auch Bakas Lauf), entscheidet sich aber für das komplett falsche. Durch den schließenden Pass von Meffert ist die Situation komplett zu und man hätte neu verlagern müssen!

Weitere solcher Flankenentscheidungen:
Minute 21:35 & 21:50 – Pherai flankt nach statischer Situation von rechts in die Box ohne Besetzung (Nemeth vs. 3). Kleine Ergänzung:
In diesen Szenen ist nicht die Boxbesetzung schuld. Hier nehmen alle Spieler eine statische Situation wahr, die es zunächst aufzubrechen gilt – Abbruch, verlagern und dann durch Rhythmuswechsel oder Dribbling in die Tiefe und in eine dynamische Situation kommen:

Minute 62:35 – Pherai – erneut mit einer Flanke mit eingedrehtem Körper ohne Dynamik in ein 1v4.
Minute 82:35 – Poreba – Flanke in die Statik

Wahrnehmungsfehler der Mitspieler
Minute 13:30
Neben den Entscheidungen am Ball sind es leider auch häufig die Entscheidungen der Spieler abseits des Balles, die eine erfolgreiche Handlung verhindern können. In diesem konkreten Beispiel geht es um Baka, dessen aktiven Tiefenlauf ich bei der (schlechten) Flanke von RYK oben noch gelobt habe und auch Nemeth und Pherai.
Wieder befinden wir uns auf der linken Seite, wieder erhält Ransi den Ball an der Außenlinie. Erneut ist es Benes, der die Situation richtig wahrnimmt und direkt in die Tiefe geht. Pherai und Nemeth binden mit Tiefenläufen die IV der Fürther, Jung hingegen nimmt die Bewegung von Benes nicht wahr und verteidigt uninspiriert ins Doppel vor. Ransi löst diese Situation hervorragend im Dribbling auf und spielt tief auf Benes = Durchbruch im linken Halbraum!

In dieser Szene steht Baka bei der Entstehung zu breit und zu tief – und trabt eher hinterher. Pherai erkennt den Durchbruch und setzt sich nach hinten ab, auch Nemeth geht in die Kreuzbewegung mit Pherai. Soweit so gut. Jattas Dauerlauf wird weitergeführt. Er nimmt folglich den Durchbruch und die Situation schlichtweg nicht wahr, was uns am Ende zu folgendem Bild führt:

Der Fürther IV verhindert den Rückpass und Benes ist im Vollsprint, der scharfe Pass vor das Tor ist die beste Wahl – und Benes spielt ihn sogar so, dass der TW ihn nicht erreichen kann – richtige Entscheidung, richtige Handlung. Insbesondere Pherai ist hier in der Wahrnehmung der Situation nicht gut. Nemeth geht noch mit Tempo nach und stoppt seine Bewegung möglichst so ab, dass er noch einen Passwinkel hat. Pherai hingegen (siehe die zwei Bilder) verharrt fast in seiner Position, auf die ein Pass unmöglich ist. Er nimmt die Situation falsch wahr und hätte mit Vollsprint in den Ball von Benes arbeiten müssen – gleiches zieht sich bei Baka durch. Dadurch, dass er bereits zu Beginn zu breit, zu tief stand und dies auch nicht korrigiert hat, hat er keine Chance den Ball am langen Pfosten zu erreichen und reinzudrücken – der Ball wird geklärt.

Weitere solcher Wahrnehmungsfehler:
Minute 37:30 – Pherai – Er verharrt hier statisch in der Box. Wenn er direkt in die tiefe läuft, kann Baka legen, oder den nachrückenden Benes bedienen:

Individuelle Fehler in der Entscheidung am Ball
Minute 24.20 – Nemeth
Erneut kommt der HSV gut und direkt ins letzte Drittel. Die Räume und auch die Box ist besetzt. Die Außen stehen in minimaler Breite perfekt für Tiefenläufe zum Tor nach zentralen Durchbrüchen, der Rückraum und die Box sind positionell gut besetzt die IV wird tief gepinnt. Nemeth ist in dieser Situation einen Tick zu tief positioniert um als Wandspieler für Ransi zu dienen, womit der Passwinkel auf RYK ein wenig schlechter wird. Ransi selbst erkennt die Situation erneut perfekt und geht tief.

Und jetzt die Entscheidung von Nemeth:
Der Stürmer dreht auf, was bei dem Raum, den er in der Box in dieser Szene hat, absolut richtig ist (er fungiert hier ja, wie oben angemerkt, nicht als Wandspieler zum klatschen). Die Anschlusshandlung ist dann jedoch der Fehler in der Entscheidung – durch die Bewegung auf seinen schwächeren linken Fuß nimmt er sich selbst die Möglichkeit RYK zu bedienen und lässt sich gleichzeitig nach Außen lenken. Dreht er hier auf und bleibt mit dem torzugewandten rechten Fuß eine zentrale Gefahr, hätte er alle Optionen: zentral reinkreuzen und abschließen, ablegen auf Benes, ablegen auf Ransi in die Tiefe. So dribbelt er aber nach Außen, wird in einem schlechten Winkel in einen Zweikampf gezwungen und verliert das Dribbling.

Weitere solcher Entscheidungsfehler:
Minute 41:37 – Reis – Ludo in seiner Paraderolle. Er treibt den Ball ins letzte Drittel, entscheidet sich aber linear zu laufen, statt hier, wie man es von früher gewohnt war, nach innen zu kreuzen, wo ihm alle Laufwege der Stürmer (RYK, Nemeth, Pherai) aufgehen würden. Auch das Timing für den Pass auf Jatta (guter proaktive Tiefenlauf) verpasst er und die Szene verpufft am Ende durch einen schlechten Chipball auf den langen Pfosten von der Grundlinie, bei dem alle dynamischen Läufe bereits statisch geworden sind.

Minute 59:18– Pherai – Er macht hier vieles richtig, läuft diagonal auf die Kette zu. Gute Laufwegentscheidung RYK, der Tief geht. Die Fürther springen zu dritt auf diesen Pass an – dadurch wird Benes frei. Doch Pherai erzwingt den gelupften Steckpass über zahlreiche Füße und Körper rüber. Man stelle sich vor, er geht einen Schritt weiter, spielt dann auf Benes, der in die Tiefe zu Ransi klatschen lässt… Nicht zu verteidigen.

Minute 61:37– RYK – Jeder spricht von der vergebenen Chance von Nemeth, aber niemand von der, die er hätte haben sollen. Überragend freigespielt kommt es Ransi gut getimed in die Tiefe, auch Nemeth´s Weg ist on Point. Ransi nimmt die Situation nur viel zu langsam wahr und entscheidet sich hier für das 1v1. Ja, er ist Rechtsfuß, aber dieses Fenster musst du mit dem linken Fuß – oder dem Gedächtnis-Quaresma Außenrist treffen können. Ein Early Cross wäre ein weiterer Riese zum 2:0 gewesen.

Minute 64:40– Muheim – Im nachfolgenden Absatz geht es um gelungene Aktionen. In dieser Szene verweigert Muheim in einer analogen Szene zur Jattas Kopfball (s.u.) die Flanke, wo man sie hätte spielen sollen.
Minute 65:35– Suhonen – Verpasster Schnittstellenpass – Pass nach Außen.
Minute 65:35– Suhonen – Mangelnde Wahrnehmung – Verpasste Verlagerung – Erzwungender Schnittstellenpass:

Minute 69:15 – Jatta – Verpasster Steckpass wg. mangelhafter Wahrnehmung auf Nemeth. Geht ins 1v1 und verliert den Ball.

Hey, wir können es doch!! – Der HSV trifft immer noch gute Entscheidungen!
Minute 28:50: Alles gut – Schade Schokolade!
Das auch der Gegner leider Teil des Spiels ist sollte keine Neuigkeit sein. Und auch dieser trifft immer wieder Entscheidungen in der Verteidigung im letzten Drittel, die Sachen verhindern können. In dieser Szene macht der HSV eigtl. soweit alles richtig. Nach einer Verlagerung kommt man in einem 1v1 auf der linken Seite mit RYK erneut zu einem Durchbruch, da dieser sich entscheidet im Tempo zu bleiben und das 1v1 gegen Jung zu gewinnen.

Auch Nemeth geht hier den Stürmerweg auf den 1. Pfosten und bleibt dabei mit vollem Einsatz vor dem Fürther IV. Auch Benes nimmt die Situation wahr und versucht einen Passwinkel zu finden – und auch Pherai ist bemüht im Vollsprint in der Box aufzufüllen.

Doch auch die Fürther arbeiten das hier hervorragend weg. Ransi wird unter erheblichen Druck zu einer Entscheidung gezwungen (Nr.5 & Jungs von hinten), Nemeths Verteidiger schafft es den jungen Stürmer konsequent mit dem Körper zu bedrängen. Der Präzisionsdruck für Ransi ist enorm, er schafft es den Ball noch über die Grätsche halbhoch zu Nemeth zu bringen, der Ball ist aber so unter Druck schwer – gar nicht zu kontrollieren. Hier wurden konsequent gute Entscheidungen getroffen. Wir können es doch!

Minute 51:45: Wenn Flanken geil sind:
Jatta erhält den Ball auf der rechten Außenbahn, nachdem der Ball langsam zu ihm verlagert wurde. Er findet eine statische Situation vor und entscheidet sich nicht zu flanken. Auch ein 1v1 hat wenig Aussicht auf Erfolg (Sicherung hinter dem 1. Gegenspieler und seine eigenen mangelnden 1v1-Offensivqualitäten), weshalb er nach innen andribbelt und die Verlagerung sucht.

Die Verlagerung erfolgt durch sein Andribbeln über das boxnahe Zentrum (Zone 14) via Meffert zu Muheim, was den Gegner zu einer schnellen Schiebebewegung zwingt. Wahrnehmung, Entscheidung und Ausführung gut.

Muheim nimmt diese Szene im Anschluss perfekt wahr und bringt gegen die Schiebebewegung in eine hervorragende Boxbesetzung mit guten Laufwegen den Ball:

Nemeth postiert sich perfekt zwischen die beiden IV, Pherai zieht Jung kurz in die Tiefe. Benes bindet den Rückraum und Jatta und Reis überladen die Box in der Gegenbewegung am langen Pfosten aus der Dynamik. Timing der Laufwege stimmen auch und auch die Ausführung der Flanke ist hervorragend. Auch Jattas Kopfball ist gut… nur leider ist der Pfosten im Weg.

Weitere solcher Angriffe:
Minute 69:15 – Jatta – der proaktive Tiefenlauf, der Early Cross auf Nemeth. Alles perfekt, bis auf den Abschluss von Andras.
Minute 73:35 – Jatta – Durchbruch im Tempo auf seiner rechten Seit, trifft das einzige offene Passfenster. Der vordere Teil der Box wird allerdings hervorragend verteidigt.
Minute 79:00 – Jatta – nimmt Situation in der Box wahr, bricht ab, steckt auf Suhonen – daneben.
Minute 80:15 – RYK – Guter Tiefenlauf Öztunali, Suhonen beläuft den freigezogenen Raum, RYK findet ihn und jener legt auf Poreba ab – drüber.
Minute 79:00 – Jatta – Macht hier alles richtig. Guter Steckpass Poreba. Aus 7m muss das Ding aber auch mal rein…

Fazit:
Der HSV machte wirklich gegen das Kleeblatt ein sehr gutes Spiel. Das Gegenpressing war on Point und erstickend. Das Angriffspressing war intensiv und zwang die Fürther immer wieder zu Fehlern im Aufbau – oder zu langen Schlägen. In diesem Artikel wollte ich jedoch aufgrund des derzeitigen “Medientrends” einen anderen Fokus setzen:

Ich wollte zum einen zeigen, was genau mit der schlechten Entscheidungsfindung gemeint ist, wie unterschiedlich diese sein kann und wie sich diese in konkreten Szenen gegen Fürth ausdrückte. Es sind hier wirklich immer nur Kleinigkeiten, die ein Tor oder eine (Groß-)Chance des HSV verhinderten. Es gäbe hier sogar noch mehr Szenen, die ich aber nun weggelassen habe, weil es hier um aufwendige “Wahrnehmungsszenarien” gegangen wäre, wo ich viele Screenshots je Szene benötigt hätte (Wer will kann sich in Minute 62:20 mal überlegen was passiert, wenn Andras Nemeth Ransi explosiv entgegen kommt und den Ball tief auf Benes über den 3ten klatschen lässt… ). An diesen Dingen gilt es zu arbeiten. Im täglichen Training die Spieler immer wieder in diese Aktionen zu zwingen, dass sie diese Entscheidungen treffen müssen – und dann zu coachen. In spielnahen Szenarien den Durchbruch aus dem Halbraum zu simulieren und dann mit den entsprechenden Laufwegen in der Box zu kombinieren, alles unter Gegnerdruck.
Das Übergangsspiel (ggf. ein Thema für einen weiteren Fokus) sah gegen Fürth viel viel besser aus. Auch das Umschaltspiel ging endlich mal wieder zielstrebig in die Tiefe. Jetzt noch das letzte Drittel mit einem Tick Genauigkeit versehen und schon wird auch der Output wieder da sein. Denn so schlecht war das alles nicht – was man ja auch an der Vielzahl von guten Szenen sehen kann.

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