Torwartdiskussion adé – #HSVFCK Analyse

Es ist wahrscheinlich das Spiel, was Mattheo Raab gebraucht hat um auch den letzten Zweiflern zu zeigen, dass er ein durchaus guter Torwart ist und man sich auf ihn verlassen kann. Es waren zwar nur drei gehaltene Bälle, allerdings vereitelte er in diesen Szenen insgesamt 1,36 xG oder 1,76 xGOT. Ein durchaus bemerkenswerter Wert für den HSV-Torhüter und gerade mit seiner Doppelparade gegen Touré rettete er dem HSV wahrscheinlich auch die 3 Punkte.

Nach dem Spiel von vielen verpassten Chancen in Fürth musste am Samstag gegen die Roten Teufel aus Kaiserslautern unbedingt ein Sieg her, damit man nicht noch weiter den Anschluss zur Spitzengruppe verliert. Personell verbesserte sich die Lage für den HSV allerdings nur minimal. Miro Muheim musste aufgrund seiner 5. gelben Karte aussetzen. Auch Glatzel und van der Brempt fehlten weiterhin, lediglich Jean-Luc Dompé kehrte in den Spieltagskader zurück. Die Aufstellung überraschte dennoch. Suhonen begann auf der rechten Schiene für Jatta und Poreba für Pherai.

Bei den Pfälzern rotierte man nach dem Einzug ins Pokalfinale. Die Viererkette blieb die selbe wie noch am Dienstag in Saarbrücken, das gleiche galt für die Doppel-6. Davor mischte Trainer Funkel allerdings ordentlich durch. Auf der 10 startete Raschl, auf den Flügeln die schnellen Opoku und Tachie und vorne konnte man endlich wieder auf Wuchtspieler Ache zurückgreifen.

Zu Beginn der Partie sah es mit und gegen den Ball so aus wie in den Vorwochen. Es gab ja eigentlich auch keine Argumente dagegen. Die Probleme, die den HSV diese Saison begleiten sind nun mal meist nicht struktureller Natur und so war es auch am Samstag gegen den 1.FCK.

Wie schon erwähnt änderte sich strukturell recht wenig. Reis schob erneut invers in den 6er Raum neben Jonas Meffert. RYK und Suhonen agierten auf der Schiene, Benes und Poreba roamten dazwischen in ihren Halbräumen und überluden situativ.

Lautern agierte dagegen in einem mannorientierten 4231, welches durch dieses man-to-man allerdings durchaus andere Defensivstrukturen zeigte. So gab es durchaus Tendenzen zu einem 442 oder einem 433.

Gegen den Ball blieb auch vieles beim Alten. Lautern agierte im eigenen Ballbesitz nicht immer innovativ. Gegen das hohe HSV-Anlaufen im 4231 wählte man oft lange Bälle auf Zielspieler Ache. Der HSV stellte Lauterns 2-1(2) Aufbau meistens gut zu. Auch situative Überzahlen meisterte der HSV durch gutes Timing und Anlaufwinkel überwiegend gut. Meist blieb den Lautrern nur der eröffnende Ball auf die leicht hochgeschobenen Außenverteidiger. Das Resultat blieb danach aber gleich. Es kam größtenteils nur der lange Ball. Auch Niehues Abkippen zwischen Elvedi und Tomiak änderte wenig daran. Im eigenen Ballbesitzspiel war Kaiserslautern weder innovativ noch gefährlich.

Gefährlicher wurde es für den HSV meist aus eigenen Ballverlusten oder individuellen Fehlern, vor allem im Zentrum. Die Lautrer waren zwar mannorientiert unterwegs, allerdings passierte dies aus einem generell durchaus konservativen Ansatz: Man vernachlässigte die erste HSV Aufbaulinie teils komplett. Lediglich Ache agierte ziemlich mannorientiert an Schonlau. Katterbach wurde zumindest noch situativ angelaufen (teils mit Erfolg siehe Ballgewinn von Tachie), aber Hadzikadunic hatte im Aufbau wirklich komplette Freiheiten. Angelaufen wurde der Bosnien nur, wenn Raschl seinen 6er durch seinen Anlaufwinkel in den Deckungsschatten stellen konnte.

Die Problematiken für den HSV lagen aber wie schon bereits angedeutet leicht dahinter. Durch ihre generell tiefere Position orientierte sich speziell Opoku im Spiel gegen den Ball oft an den eingerückten Ludovit Reis, während Meffert von Raschl in Manndeckung genommen wurde. Dahinter konnten Niehues und Kaloc problemlos Poreba und Benes zustellen und dass ohne das Problem, dass der Rest der Lautern 4er Kette in Unterzahl agiert. Ganz im Gegenteil sogar.

Die HSV-Innenverteidiger eröffneten oft über eben diese Doppel-6. Speziell Ludovit Reis fand sich nach diesem Anspiel gefangen in einem Lautern Viereck wieder, wodurch es dem FCK durchaus leicht war Druck auf das Hamburger Aufbauspiel zu generieren. Man erzielte zwar nicht immer sofort den Ballgewinn, aber der Druck reichte meist aus, dass entweder die Folgeaktion unsauber wurde oder man den HSV Spieler direkt zu einem technischen Fehler zwang.

In der Transition war Kaiserslautern aufgrund ihrer Geradlinigkeit und Geschwindigkeit absolut gefährlich. Mit besserer Entscheidungsfindung, Wahrnehmung und Ausführung hätte man dem HSV hier durchaus stärker weh tun können.

Generell war die Staffelung des HSV in ihrem Aufbau nicht unbedingt ideal. Suhonen wählte nicht immer die ideale Position um sich entweder als diagonale Option oder horizontale für Ludovit Reis anzubieten. Auch war er bei seinem Abkippen in die Tiefe meist ziemlich isoliert und hatte wenig Impact von seiner rechten Seite. Auf der anderen Seite fiel vor allem Katterbachs hochschieben auf, wenn man es mit dem Spiel von Miro Muheim vergleichen möchte. So zog er zwar Tachie meist mit sich mit, allerdings war der HSV-Aufbau in ihrem 2-2 oft ziemlich auf sich alleine gestellt. Die Dynamiken die er auf der Seite erzeugen konnte, generierte Noah meist aus Situationen, in denen er erst nachrückte und nicht von vornherein in die Breite vorschob.

Die Freiheiten, die der HSV vom FCK bekam, nutzte er auch. Zumindest im Ansatz. Die Freiheiten gepaart mit der Geduld im Aufbauspiel öffnete dem HSV durchaus solide Optionen im Passspiel. Speziell Hadzikadunic konnte in 1. Halbzeit eine Fülle von linienbrechenden Pässen durch die Lautern Defensive spielen. Problematisch nur, dass der HSV sich nach jedem dieser Pässe selbst im Weg stand. Sei es durch einen schlechten ersten Kontakt oder eine schlechte Entscheidung in der Folge des Passes. Ein ebenfalls guter Ansatz gegen diese Mannorientierungen war das horizontale Verschieben und das resultierende Öffnen der Taschen im Halbraum.

Schaffte man es den FCK etwas zu locken und speziell aus seiner Mannorientierung in der Zentrale zu ziehen, hatte Raschl mit einer 2v1 Unterzahl in der HSV Zentrale zu kämpfen. Raschl schaffte es zwar oft die Abstände gering zu halten, allerdings war der Raum der durch sein horizontales Pendeln aufging durchaus nennenswert. Nach ein wenig Verschieben kam der HSV in diese genannte Situation. Nach dem Pass konnte Ludovit Reis das tun, was ihn wirklich stark macht. Er überbrückte mit seinem Lauf das fast gesamte zweite Drittel. Nach seinem Pass auf Königsdörffer legt er wieder rein und Benes trifft den Pfosten, nachdem Nemeth mit seinem Lauf auf den ersten Pfosten erst den Raum für den Slowaken öffnet. Das war sehr sauber gespielt und es fehlten Zentimeter.

Variante 3 für gute Momente im Aufbauspiel kannte man bereits aus den Vorwochen. Es war eine leicht vertikal versetzte Position von Meffert und Reis. Schaffte man es hier leicht vertikal versetzt zueinander zu stehen, öffnete sich meist der diagonale Passweg in den Raum hinter die FCK-Mannorientierungen.

Der HSV geht dann durch ein zunächst gutes “Soft Spot” finden und weiterleiten von Nemeth in der Zentrale etwas glücklich in Führung, aber zu dem Zeitpunkt ging das meiner Ansicht nach schon in Ordnung. Kaiserslautern hatte bis auf Umschaltspiel aus den zentralen Ballgewinnen sonst nichts konstruktives zum Spielgeschehen beigetragen. Dies lag aber auch an dem guten bis sehr guten Anlaufen des HSV und des effektiven Gegenpressings. Einziger Pfälzer Lichtblick war Puchasz, der Suhonen situativ seine defensiven Grenzen aufzeigte. Umso ironischer ist es, dass Ache dann vor der Pause nach einem zentralen Ballgewinn zum Ausgleich trifft. Ob Foul ja oder nein darf jemand anderes beantworten. Für mich passte diese Auslegung zu der Linie von Deniz Aytekin.

Zur Halbzeit macht die Suhonen Auswechslung sicher auch sportlich Sinn. Gegen den Offensivstarken Puchasz sollte Bakery Jatta durchaus hilfreich sein und dies zeigte er auch. Zudem ging durch Suhonens vermehrtes Abkippen (ob gewollt oder nicht sei mal dahin gestellt) die gesamte Tiefe auf der rechten Seite verloren. Tiefe generieren konnte man nur über nachrückende 8er die den Raum hinter Puchasz attackierten.

Halbzeit 2 bietet zu Beginn wenig Fußball, aber trotzdem Spektakel. Geprägt von vielen Standards und Verletzungsunterbrechungen folgt nach ca. 15 Minuten wahrscheinlich die kurioseste Szene der aktuellen HSV-Saison. Nachdem Ache wieder mal in einem langen Ball dem HSV das Leben schwer macht, zieht er durch seinen Weg Ludovit Reis etwas aus seiner RV-Position. Der Ball bleibt bei Kaiserslautern und man findet Opoku in der Tiefe. Die Szene scheint eigentlich entschärft bis Opoku dann doch die Flanke auf Toure schlagen kann. Raab pariert zwei mal glänzend. Auffällig ist, dass Katterbach seinen Gegenspieler komplett verliert. Es erinnerte in der Szene durchaus an sein Spiel in Düsseldorf. Mit ein wenig mehr Glück und Konsequenz auf Pfälzer Seite hätte es durchaus ein Katastrophenspiel für ihn werden können.

Nach der alten Fußballwahrheit “Wer ihn vorne nicht macht…” fällt im direkten Gegenzug das 2:1 und Raab ist hier nicht unbeteiligt. Er erkennt die Situation sofort, dass die rechte Lautrer Seite komplett verweist ist und macht das Spiel schnell. Der HSV kommt gut in die Transition und entwickelt nach Nemeths Abschluss eine Wucht im Gegenpressing die mit dem Tor belohnt wird. Ob nun Abseits oder nicht, das ist diese Effektivität die der HSV im Saisonendspurt brauchen wird.

Nach der Ache Auswechslung ist der FCK offensiv tot. Jede gute Szene lief über ihn oder um ihn. Die Probleme, die er über das gesamte Spiel mit seiner brutalen Physis für den HSV herstellen konnte und ein Ball nach dem anderen festmachen konnte, war schon wirklich bemerkenswert. Hanslik konnte diese Rolle “leider” nicht gleichwertig ausfüllen, da Lautern sein Spiel trotz anderem Zielspieler nicht anpasste. Meistens kam der lange Ball von Himmelmann mit dem der HSV dann weniger Mühe hatte als noch zuvor mit Ache. Einziger Lichtblick im Lautern Spiel waren Tomiak und Puchasz, die die ein oder andere Situation im HSV Anlaufen durch Andribbeln lösen konnten und so den HSV sprichwörtlich Hinterlaufen ließen. Allerdings spätestens im letzten Drittel ohne Ertrag.

Es liegt nun an dem HSV, dass man jetzt die Serie startet die es brauch. Nur so kriegt man die Kieler unter Druck gesetzt. Die Anlagen hat der HSV, es brauch einfach die Konstanz in allen Teilen.

Ein Kommentar

  1. Das hatte ich auch erhofft, dass die Torwartdiskussio beendet wäre. Aber wie er heute etwas hyperaktiv den Elfer verursacht, lassen neue Zweifel kommen. Wenn es ganz schlecht läuft, bekommt er auch noch die rote Karte.

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