Die HSV-Kaderanalyse 2023 / 2024 – Teil 1

297 Tage lief die abgelaufene Saison in der 2. Liga. Eine Saison voller Spiel, (wenig) Spaß und (eigentlich noch weniger) Spannung aus Sicht des HSV. Am Ende steht die drittschlechteste beziehungsweise viertbeste Zweitliga-Saison der HSV-Historie. Was macht man damit jetzt? Alles schlecht, großer Umbruch?

Ich habe mir nochmal unsere Spieler angeschaut und gebe mein Urteil für die Saison 2023 / 2024 ab.

Spielerauswahl und Vorab-Info

Für diese Analyse habe ich mir alle HSV-Spieler mit mindestens 900 Minuten, also 10 vollen Spielen angeschaut. Es benötigte meiner Meinung nach eine gewisse Grundlage, um die Spieler wirklich beurteilen zu können. Deswegen fallen Spieler wie Nemeth, Poreba, Suhonen, Katterbach etc. aus der detaillierteren Betrachtung heraus. Ich werde aber zu diesen Jungs zum Ende hin nochmal meine Meinung zusammenfassen.

Bei den Detail-Betrachtungen habe ich versucht meine eigene Meinung mit den Daten der Saison abzugleichen und gleichzeitig auch immer im Kopf zu haben was die Ansprüche und Erwartungen an den jeweiligen Spieler vor der Saison waren.

Tor

Daniel Heuer Fernandes – 1.800 Minuten, 20 Einsätze

20 Spiele, 8x zu null. Und trotzdem verlor er seinen Stammplatz an Konkurrent Matheo Raab. Ferro startete in seine 4. HSV-Saison als (eigentlich) klare Nr. 1, angesehen als wichtiger Teil einer zentralen Achse im HSV-Spiel. Seine Stärke mit Ball am Fuß ließ ihn als den perfekten Torhüter für das Spiel von Tim Walter aussehen.

Diese Saison häuften sich leider ein wenig die vermeidbaren Fehler, die bei Torhütern natürlich schnell zu Gegentoren führen können. Am 9. Spieltag gegen Wiesbaden lässt er einen recht ungefährlichen Kopfball nach vorne abprallen was zum 0:1 aus HSV-Sicht führte, am 11. Spieltag läuft er ein wenig orientierungslos durch den Strafraum beim zwischenzeitlichen 2:1 von Kaiserslautern. Bei den Gegentoren gegen Kiel (13. Spieltag, 4:2) und Paderborn (16. Spieltag, 0:1) sieht er zumindest unglücklich aus, auch am 20. Spieltag gegen Hertha lässt er einen harmlosen Fernschuss von Fabian Reese nach vorne klatschen, wodurch Tabakovic nur noch abstauben muss. Von dem Slapstick-Eigentor im Stadtderby gar nicht angefangen.

DHF spielte eine solide, wenn auch eben fehleranfällige Saison, die sich letztendlich auch in der etwas sperrigen Statistik “Post-Shot Expected Goals minus Goals Allowed” (PSxG-GA) widerspiegelt, die zeigt, dass DHF mit +0,03 die Bälle hielt, die er halten sollte aber mehr eben auch nicht wirklich. Kommen dann noch die einfachen Fehler hinzu lässt sich der Torhüter-Wechsel während der Saison schon ein wenig erklären.

Matheo Raab – 1.260 Minuten, 14 Einsätze

2022 für mich ein wenig überraschend zum HSV gekommen und seitdem als Pokaltorhüter eingesetzt, konnte Raab nach seiner “Beförderung” zur Nr. 1 beim HSV direkt mal zeigen was in ihm steckt und es zeigte sich ein recht deutliches Bild.

Mit Ball am Fuß schwächer als DHF, die konventionelle Torwart-Arbeit sieht bei ihm aber teilweise schon sehr routiniert aus. Zu Beginn seiner Startelfeinsätze hatte er durchaus seine Wackler im Spiel “mit und gegen den Ball” aber über die komplette Zeit konnte er unter Beweis stellen, dass er ein überaus sicherer Rückhalt für die HSV-Hintermannschaft sein kann.

Das war sicherlich auch der Gedanke von Ex-Trainer Tim Walter und Torwart-Trainer Sven Höh: Raab ist der bessere Torhüter, DHF der bessere Fußballer. Für defensive Stabilität könnte Raab jetzt genau der richtige sein. Und Raab zahlte dies dann auch zurück, auch wenn Walter davon nicht mehr wirklich profitieren konnte.

Raabs PSxG-GA lag bei +0,24, Top-7% in der Liga. Auch in der Kategorie “Post Shot Expected Goals per Shot in Target” (PSxG/SoT) war er in der Top-4% unter allen Keepern, DHF in dieser Kategorie erst in der 2. Hälfte, untere 50% der Liga, wiederzufinden. Raab zeigte, wieso ihn der HSV vor 2 Jahren holte und konnte durch gesteigerte Spielzeit auch ein gesteigertes Selbstbewusstsein und auch eine bessere Ausstrahlung an den Tag legen.

Fazit – Tor: Mit Raab hätte man für die kommende Saison eine sehr gute Lösung was die Torhüter-Position betrifft. Setzt man wieder auf eine eher ballbesitz-dominante Herangehensweise (abhängig von der Trainerwahl) könnte wieder Heuer Fernandes seine Chance bekommen.

Verteidigung

Miro Muheim

Einsätze: 28 (2.213 Minuten)
Ballberührungen pro 90: 84,8
Tore: 5
Vorlagen:
4
Zweikampfquote (Boden):
61%
Zweikampfquote (Luft):
53 %
Zu-Null-Spiele:
8
Gelbe Karten:
7
Rote Karten:
1

Für mich mit Abstand der Spieler beim HSV, der die Auszeichnung “Spieler der Saison” am meisten verdient hätte. Muheim kann in allen Phasen des Spielfeldes dem Spiel seinen Stempel aufdrücken. Defensiv hat er sich gefangen und ist diese Saison ein im Ligavergleich sehr guter Zweikämpfer geworden. Technisch ist er für mich der beste Aufbauspieler auf der Außenverteidiger-Position und in der Offensive kann er sowohl mit seinem Distanzschuss als auch mit seinen Flanken aber auch mit seinem guten Kombinationsspiel immer wieder für gefährliche Momente sorgen.

War er zu Beginn seiner HSV-Karriere noch ein gern genommener Sündenbock vieler Fans ist er jetzt nicht mehr aus der Startelf wegzudenken. Auch seine Körpersprache und seine Ausstrahlung sind deutlich besser geworden. Die Bezeichnung “Führungsspieler” wäre zwar in diesem Punkt verfrüht, durch seine Leistungen auf dem Platz aber durchaus angebracht.

“Quattro-M” verlängerte im März diesen Jahres seinen Vertrag vorzeitig bis Sommer 2027. Es bleibt zu hoffen, dass dies auch mindestens eine weitere Saison beim HSV zur Folge hat.

Dennis Hadzikadunic

Einsätze: 24 (1.934 Minuten)
Ballberührungen pro 90:
71,9
Tore:
1
Vorlagen:
0
Zweikampfquote (Boden):
48%
Zweikampfquote (Luft):
66%
Zu-Null-Spiele:
10
Gelbe Karten:
6
Rote Karten:
2 (1x Gelb-Rot, 1x Rot)

Hadzikadunic hat in seiner HSV-Zeit bereits viele Phasen eines typischen HSV-Lebensweges durchgemacht. Erkoren als Hoffnungsträger für die Position neben Kapitän Schonlau. Nach teilweise kapitalen Fehlern fallengelassen nur um danach wieder als Hoffnungsträger herhalten zu müssen als man merkte, dass die Alternativen auf der Position schlechter sind als DH.

Spielerisch ist er ohne Zweifel eine Bereicherung für den HSV. Im Spiel mit dem Ball braucht er sich im Ligavergleich vor nur wenigen verstecken. Durch sein progressives Spiel war er für das Spiel von Tim Walter ein logisches Transferziel. Abstriche muss man leider hier und da im Spiel gegen den Ball machen.

Zu passiv und zu zögerlich kommt Hadzikadunic relativ schnell an seine Grenzen, wenn das eigene Spiel darauf ausgelegt ist, dass die Innenverteidiger häufig in Zweikämpfe verwickelt werden sollen. Dies wäre die Aufgabe des Trainers in der kommenden Saison ihn (bei Weiterverpflichtung) richtig einzusetzen. Für die 2. Liga wirkt er manchmal so als wäre es einfach nicht sein Spiel so körperlich zu spielen. Natürlich kommt ihm die momentane Entwicklung entgegen, dass die Liga nicht mehr nur “lange Bälle und Zweikämpfe” ist aber trotzdem ist es schwierig einzuschätzen wie gut er sich körperlich noch an die Liga gewöhnen kann.

Rein von seinem Talent bin ich weiterhin von Hadzikadunic überzeugt. Voraussetzungen für eine erfolgreiche HSV-Zeit: Selbstvertrauen, das er sehr lange nicht hatte. Und eine Spielidee, die vor allem auf Ballbesitz und Geradlinigkeit ausgelegt ist.

Seine erste Saison war voller Höhen und Tiefen. Sollten alle Parteien sich für eine weitere “Leihe” entscheiden hätte man für die kommende Saison eine Planstelle mit einem Spieler besetzt, der den Verein und das Umfeld kennt und der daraus vielleicht eine Sicherheit gewinnen kann, die es ihm ermöglicht, sein Können über eine gesamte Saison auf den Platz zu bekommen.

Ignace van der Brempt

Einsätze: 23 (1.780 Minuten)
Ballberührungen pro 90:
66,3
Tore:
0
Vorlagen:
3
Zweikampfquote (Boden):
66%
Zweikampfquote (Luft):
51%
Zu-Null-Spiele:
6
Gelbe Karten:
3
Rote Karten:
0

Immer wieder über die Saison hinweg konnte van der Brempt zeigen wieso RB Salzburg vor zweieinhalb Jahren 5 Millionen in den belgischen Rechtsverteidiger investierte. Die Kombination aus Technik, Geschwindigkeit und Physis machen den 22-Jährigen zu einem potenziellen Ausnahmespieler der Liga.

Leider konnte er diese Fähigkeiten zu selten in dieser Saison zeigen. Überragende Spiele, in denen ihm die Qualität für größere Aufgaben attestiert wurde, wurden von Verletzungen oder Formtiefs unterbrochen. Mehrere Muskelverletzungen machen die Leihe von vdB zu einem uneingelösten Versprechen.

Für die kommende Saison wäre es sehr wichtig endlich Kontinuität auf der Rechtsverteidiger-Position zu bekommen. Inzwischen wurde bereits vom HSV bestätigt, dass van der Brempt zu seinem Stammclub nach Salzburg zurückkehren wird. Für mich die richtig Entscheidung, da seine Leistungen einfach zu schwankend gewesen sind.

So könnte van der Brempt ein Spieler werden bei dem man sich später fragt wie der mal beim HSV spielen konnte oder ein Spieler, der nie so richtig durchstarten konnte.

Guilherme Ramos

Einsätze: 22 (1.559 Minuten)
Ballberührungen pro 90:
63,6
Tore:
1
Vorlagen:
0
Zweikampfquote (Boden):
49%
Zweikampfquote (Luft):
65%
Zu-Null-Spiele:
4
Gelbe Karten:
5
Rote Karten:
2 (2x Rot)

Vor der Saison von Arminia Bielefeld gekommen war Gui Ramos eigentlich als Nr. 3 in der Innenverteidigung geplant. Durch Verletzungen seiner Kollegen übernahm er eine viel prominentere Rolle. Unter Tim Walter (und Merlin Polzin) spielte Ramos 1.398 Minuten, also knapp 71% der möglichen Einsatzzeit. Steffen Baumgart ließ den Portugiesen danach noch 161 Minuten in den letzten 12 Spielen spielen, wobei es sich Ramos mit seiner roten Karte gegen Magdeburg auch selbst wieder schwer machte.

Als solider Backup ist Ramos durchaus eine wertvolle Option für den HSV. Hoch motiviert sowohl gegen den Ball aber auch stets gewillt das eigene Ballbesitzspiel umzusetzen was dann häufig eben auch daneben ging. Dass er diese Saison eine solch große Rolle spielte war natürlich nicht das was man sich von der Stamm-Innenverteidigung des HSV wünschen würde.

Trotzdem: Als Backup für eine klar gesetzte Stamm-IV bleibt Ramos eine Option bei der man weiß was man bekommt. Das kann über eine gesamte Saison wertvoll sein, nur zu viel Zeit sollte er trotzdem nicht bekommen, so ehrlich muss man eben auch sein.

Sebastian Schonlau

Einsätze: 16 (1.291 Minuten)
Ballberührungen pro 90:
82,5
Tore:
1
Vorlagen:
0
Zweikampfquote (Boden):
64%
Zweikampfquote (Luft):
68%
Zu-Null-Spiele:
5
Gelbe Karten:
0
Rote Karten:
0

Der Kapitän des HSV ist einfach ein Fels in der Brandung. Wenn es einen Führungsspieler beim HSV gibt dann ist es Sebastian Schonlau. Und so ist seine immer wieder aufgebrochene Wadenverletzung ein nicht zu unterschätzender Faktor in der Beurteilung dieser Saison. Gewagt: Ohne die Verletzungen von Schonlau, Tim Walter wäre heute noch HSV-Trainer. Man hätte nicht von selbst mehr Punkte geholt aber es hätte ein anderes Selbstverständnis im eigenen Spiel gegeben.

Die Präsenz des 29-Jährigen gibt der HSV-Hintermannschaft automatisch mehr Sicherheit. Eine Sicherheit, die nicht ansatzweise von einem der anderen Innenverteidigern oder generell Feldspieler gegeben werden kann.

Zu abhängig war der HSV am Ende auch von einem fitten und gleichzeitig funktionierenden Schonlau. Das kann Schonlau nicht angekreidet werden ist aber natürlich trotzdem alles andere als optimal in der Kaderplanung.

Sollte Schonlau fit bleiben ist er weiterhin die völlig richtige Besetzung als Kapitän des HSV und eben auch ein Spieler auf den man sich in 90-95% der Spiele verlassen kann. Solche Spieler zu finden ist schwierig und genau deswegen ist er so wertvoll für den HSV.

Stephan Ambrosius

Einsätze: 18 (1.207 Minuten)
Ballberührungen pro 90:
63,4
Tore:
0
Vorlagen:
0
Zweikampfquote (Boden):
53%
Zweikampfquote (Luft):
70%
Zu-Null-Spiele:
3
Gelbe Karten:
2
Rote Karten:
0

Glaubt man vielen Usern verschiedenster Social-Media-Plattformen braucht Stephan Ambrosius nur Zeit auf dem Platz, um zu beweisen wie viel besser er als die Konkurrenz auf seiner Position ist. Zurückgezahlt hat er diese Vorschusslorbeeren diese Saison leider nicht. Für mich am Ende leistungstechnisch Innenverteidiger Nr. 4 und ein logischer Kandidat für einen Abschied vom HSV. Passend dazu sein auslaufender Vertrag.

Ambrosius geht immer mit vollem Einsatz voran, sein Kopfballspiel ist überragend auch gegen größere Stürmer. Aber mit dem Ball ist das einfach zu wenig. Er hat durchaus seine Momente, wenn er im Stile eines Antonio Rüdiger raumgreifende Schritte über den Platz probiert aber sein Passspiel ist leider viel zu inkonstant.

Selbst bei einem nicht ganz so ballbesitzlastigen Spielstil wie unter Steffen Baumgart wird Stephan Ambrosius seine Probleme haben. Zu große Defizite hat er im progressiven Spiel, sucht zwar aktiv nach Lösungen aber kann diese rein technisch zu häufig nicht umsetzen.

So wird sich ein anderer Verein einen durchaus begabten Innenverteidiger sichern, der im Zweikampf gut, wenn auch nicht überragend und im Spiel mit dem Ball bestenfalls durchschnittliches (großzügig) Zweitliga-Niveau mitbringt. Trotzdem muss man Ambrosius diese Saison für seinen aufopferungsvollen Einsatz danken.

Die anderen Jungs

Mit Moritz Heyer, William Mikelbrencis, Noah Katterbach und Nicolas Oliveira wurden noch vier weitere Verteidiger diese Saison von Walter, Polzin und Baumgart eingesetzt. Keiner von ihnen konnte wirklich einen nachhaltig positiven Mehrwert schaffen. Bei Heyer und Mikelbrencis sind Abgänge im Sommer durchaus wahrscheinlich.
Katterbach ist ein grundsolider Backup für Muheim, kann zudem auch im Notfall auf der rechten Seite aushelfen was bei der zuletzt stark ausgeprägten Verletzungsanfälligkeit seiner Kollegen nicht ganz so schlecht ist und bei Oliveira darf man berechtigte Hoffnungen haben, dass er für die kommende Saison als Backup für die Rechtsverteidiger-Position geplant werden könnte.

Fazit – Abwehr: Die Abwehr des HSV war diese Saison leider (mal wieder) die Schwachstelle der Mannschaft. Natürlich weiß man heutzutage, dass die Verteidigung bereits bei den Stürmern beginnt aber selbst die individuellen Leistungen der einzelnen Spieler waren einfach zu häufig nicht auf dem Niveau, das es benötigte, um ganz oben anzugreifen.

Ausnahmen wie Muheim und Schonlau wären super wichtig für die kommende Saison aber müssen dann auch dementsprechend von ihren Nebenmännern Unterstützung bekommen. Wenn pro Spiel nur die Hälfte oder teils ein Viertel der aufgebotenen Viererkette an ihr Leistungsmaximum kommt, kann das nicht für den Aufstieg reichen.

So braucht es in diesem Sommer 2 neue Stammkräfte, wie bereits letzten Sommer. Einen starken Nebenpart (kann durchaus Hadzikadunic sein) für Sebastian Schonlau und einen verlässlichen Rechtsverteidiger. Es braucht keinen 2. Muheim, der Spiel für Spiel super starke Leistungen zeigt (wenn auch gerne gesehen) sondern einfach ein Spieler, der um die 30 Spiele absolviert und seine Rolle gut umgesetzt.

Kriegt man diese Planstellen besetzt bin ich mir sicher sieht die Abwehrarbeit des HSV auch direkt ganz anders aus. Diese Saison war es leider unter dem Strich enttäuschend was die Abwehr strukturell aber auch individuell in 2023 / 2024 gezeigt hat.

6 Kommentare

  1. Thank you the very comprehensive assessment. I enjoyed reading that analysis and it does explain quite well how the squad planning for that season went wrong.

  2. Freue mich immer auf eure Beiträge, weil wirklich sachlich geschrieben wird (nicht wie bei anderen Blogs). Auch genial die genauen Statistiken zu hinterlegen.

    Tor: Stimme euch größtenteils zu.
    Die Entscheidung HF durch Raab zu ersetzen, kann ich aber bis heute nicht verstehen. Obwohl ich auch denke dass Raab (nach anfänglich etwas unsicheren Spielen) vorallem bei hohen Bällen und Flanken besser ist.
    Aber für mich ein wichtige Punkt der sich durch die ganze Mannschaft zieht, wo sind die Führungsspieler. Leider können wir ja nicht in die Mannschaft schauen (keine Statistiken zu Charakter oder Verantwortung), aber hatte schon das Gefühl das HF ein Führungspieler war und weiß nicht wie das dann in der Mannschaft aufgenommen wurde.

    Muheim:
    Finde ihn auch sehr gut, aber muss ehrlich sagen, mich haben die Statistiken etwas überrascht, dachte er wäre im Zweikampf schwächer. Denke sein defensives Stellungsspiel ist manchmal schlecht.
    Persönlich würde ich ihn gerne mal als LM (in einen 442) oder als 8 (offensiven 6er falls 2x 6er) sehen (aber dann brauch wir wieder einen LV, außer Katterbach steigert sich). Wie ihr schreibt seine Weitschüsse und Flanken sind wirklich klasse. Hoffe auch das Ecken endlich gefährlicher werden, würde ihn immer Ecken treten lassen.

    Hadzikadunic:
    Sehe keine Grund ihn zu halten oder nochmal zu leihen. Die Statistik zeigt auch wie schlecht er im Zweikampf ist. Technisch besser als der Durschnitt, aber das wars auch. Auch keine Kämpfer wie Ramos.

    Van der Brempt:
    Sehe ich wie ihr, zu schwankend. Hat wirklich super Anlagen aber bringt es zu selten auf den Platz. Falls er zu fairen Preis haben wäre, würde ich ihn trotzdem gerne halten. Bringt einfach so viel mit, mit mehr Erfahrung vielleicht immer besser.

    Ramos:
    Auch hier eurer Ansicht als Backup ok (aber vielleicht als Backup lieber jemand jüngeres?). Aber er ist ein Kämpfer, die bei uns ein wenig fehlen.

    Schonlau:
    Hier finde ich die Statistik super interessant. Shots Blocked und Interceptions gar nicht gut im Liga Vergleich. Vielleicht hängt es auch mit seinen Verletzungen zusammen. Er kam mir die Saison manchmal noch langsamer als sonst vor, wäre somit immer etwas zu spät.
    Absoluter Führungspieler im Team ja, ABER auch relativ leise am Platz (zumindest das Gefühl). Hoffe einfach dass er Fit bleibt und vielleicht Mario wieder kommt.

    Ambrosius:
    Für mich durchschnittler 2. Liga IV. Sollte zu ersetzten sein.

    Heyer:
    Was ist nur mit Mo Heyer passiert? Unter Walter immer schlechter geworden, finde ihn sehr sympatisch und hat auch den Willen und Kampf. Aber weiß nicht ob Baumgart auf ihn baut.

    Mikelbrencis:
    Keine Ahnung, wirklich, kann ihn nicht einschätzen. Kommt mir so vor als ob er als Zusatz zu Dompe geholt wurde.

    Katterbach und Oliveira:
    Haben Potenzial, ob Katterbach wirklich mit Baumi kann, weiß ich nicht.

    Mario:
    Gewagt: Ohne seine Doping Sperre wäre Hamburg in einer der Saisonen aufgestiegen.
    Für mich mit Abstand bester IV seit langen in Hamburg.

    Allgemein:
    Abwehr ist seit 2 Jahren einfach die Schwachstelle bei uns (vorallem wurden auch keine guten Spieler fürs System Walter gefunden). Deswegen fand ich es auch ok, Boldt zu ersetzten, allein die letzten 2 Wintertransfer Fenster waren furchtbar.
    Baumgart bleibt scheinbar laut erster Aussage von Kuntz, hoffe das Baumgart mit Vorbereitung und den ein oder anderen Spieler besser wird.

    Ganz allgemein zum Thema Führungsspieler:
    Hatte nach Abgang von Walter schon das Gefühl, dass es der Mannschaft gut getan hat, jemanden wie Walter zu haben, der immer vor der Mannschaft steht.

    Freue mich schon auf die nächsten Mannschaftsteile. 👍

    • Ich möchte hier kurz einen Einwand anbieten in Bezug auf die defensiven Statistiken und wie man sie lesen muss. Grundsätzlich ist die Anzahl von defensiven Aktionen (Tackles, Interceptions, Blocks, Clearances) kein guter Indiz für die Qualität beim Verteidigen. Vielmehr sind das Werte die zeigen wie der Spieler und ggf. die Mannschaft verteidigt. Beim Mannschaften fällt z.B. auf dass St. Pauli nur sehr wenige defensive Aktionen hat, denn sie verteidigen vieles ohne in messbare Aktionen gehen zu müssen; z.B. über die räumliche Verteidigung. Ähnlich kann man sich bei Manchester City einen Spieler wie John Stones anschauen, der auch nur sehr wenige defensive Aktionen hat. Und so ist auch Hadžikadunić ein Spieler der nicht besonders viele Zweikämpfe und Duelle führt. Im großen Volumen ist er eher als Kopfballspieler aktiv und ansonsten bietet er eher die Rückendeckung dafür, dass andere aktiver nach vorne verteidigen können. Nun ist seine Quote bei Duellen laut dem Radar nicht gut, aber er führt auch nur sehr wenige. Ähnlich führt er zwar nur wenige Zweikämpfe, aber dafür liegt seine Quote hier bei 63%. Grundsätzlich muss man leider sagen, dass defensive Statistiken am wenigsten Einblick bieten und am meisten in den Zusammenhang der tatsächlichen Beobachtung gestellt werden müssen.

      • Danke, fürs erklären. Kann ich durchaus verstehen, dass man Statistiken auch richtig lesen muss, kenne wir ja auch aus anderen Themen 😊.
        Bin auch kein Fussball Profi, aber sollte ich wenn ich weniger Zweikämpfe führe, dann nicht prozentuell mehr gewinnen?
        Und wenn ich räumlich verteitige, sollte ich dann nicht mehr Interceptions oder Clearences haben?

        • Ja, das stimmt. Und selbst am Ball muss man teilweise aufpassen. Als Beispiel: Ambrosius hatte diese Saison lange Zeit eine Dribble-Quote von 100%. Dabei ist er 1 Mal an einem Gegenspiel vorbeigegangen.
          In Bezug auf Interceptions und Clearances noch folgendes. Interceptions beziehen sich auch eher auf ein sehr proaktives und nach vorne orientiertes Verteidigen. Also zum Beispiel im richtigen Moment aktiv in Passwege reingehen, um den Ball abzufangen. Ramos und Ambrosius sind dafür eher die Typen. Clearances sagen wiederum eher aus, ob ein Spieler den Ball entweder ins Aus schießt oder ohne klares Ziel nach vorne spielt. Pass der Spieler den Ball jedoch kontrolliert zu einem Mitspieler, ist es keine Clearance mehr. Wenn es um Zweikämpfe geht, ist das von dir beschriebene Szenario durchaus eine Möglichkeit. Aber es kann auch in die andere Richtung gehen. Ich habe leider keinen tieferen Zugriff auf die Daten bei Wyscout, aber wenn ich die Daten mit FBref vergleiche, hat Hadzikadunic 19 Zweikämpfe und 16 “Challenges” versucht. Letzteres sollte ungefähr das gleiche wie Duels sein. Erfolgreich war er dabei 12 und 11 mal. Das sind also nicht besonders viele und letztlich hat er auch nie mehr als 1-2 in den beiden Metriken pro Spiel. Gutes räumliches verteidigen heißt häufig auch einfach, dass der Gegner gewissen Pässe gar nicht spielen kann. Somit müsste man statistisch das nicht Eintreten bestimmter Offensivaktionen vom Gegner messen. Und das wiederum schwierig. In der Zukunft wird es bestimmt noch bessere defensive Metriken geben, aber aktuell betrachte ich sie hauptsächlich als Indikator for das Spielerprofil und weniger für die Qualität selbst.

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