Die HSV-Kaderanalyse 2023 / 2024 – Teil 2

Nach Torhütern und Verteidigern nun die Mittelfeldspieler und Angreifer. 8 Spieler sind noch übrig und diese schauen wir uns jetzt zum Abschluss der Saison nochmal genauer an.

Mittelfeld

Jonas Meffert

Einsätze: 32 (2.825 Minuten)
Ballberührungen pro 90:
60,8
Tore:
2
Expected Goals: 1,3
Vorlagen:
2
Expected Assists:
2,2
Großchancen kreiert:
4
Zweikampfquote (Boden):
50%
Zweikampfquote (Luft):
57%
Interceptions pro 90:
1,0
Zurückeroberte Bälle pro 90:
6,7
Gelbe Karten:
10
Rote Karten:
0

Platz 3. Platz 3. Platz 1. Das ist nicht die mittelfristige Planung des HSV sondern es sind die Platzierungen von Jonas Meffert in der Kategorie Einsatzzeit seit seinem Wechsel zum HSV. Gesetzt unter Tim Walter. Gesetzt unter Steffen Baumgart. Und trotzdem nie so ganz unumstritten unter den HSV-Fans.

Was bringt Meffo mit? Erstmal ganz offensichtlich: Er ist zuverlässig. Er ist (fast) immer einsatzbereit. Nur ein einziges Spiel verpasste der 29-Jährige verletzungsbedingt in seinen drei Saisons beim HSV, drei Spiele aufgrund von Gelbsperren. Diese Qualität ist natürlich ein Faustpfand in der Kaderplanung.

Diese Konstanz lässt sich auch auf seine Leistungen auf dem Platz übertragen. Meffert liefert beständig das was man von ihm kennt. Nicht mehr und nicht weniger. Im Spielaufbau ist er nicht der Taktgeber aber er ist eben immer anspielbar, bewegt sich klug aus dem Deckungsschatten seiner Gegner und kann so häufig Situationen für seine Kollegen lösen. Mit seiner Spielintelligenz trifft er meist die richtige Entscheidung wann er nach vorne verteidigen und wann er sich fallen lassen muss.

Was ihm abgeht ist das Spiel im letzten Drittel und defensive Intensität. Ja, er hat seine Stärken im Stellungsspiel aber der direkte defensive Zweikampf und das defensive Umschalten sind nicht zu übersehene Schwachstellen auch in dieser Saison gewesen.

In der kommenden Saison könnte es zum ersten Mal seit Mefferts Wechsel zum HSV dazu kommen, dass sein Standing nicht mehr ganz so unantastbar sein wird. Ein athletischerer 6er mit stärkerem Schwerpunkt auf das aktive Spiel gegen den Ball könnte besser zu Baumgart passen als der eher überlegte Meffert, dessen Stärken vor allem in einem ruhigen, ballbesitzorientierten Ansatz zur Geltung kommen.

László Bénes

Einsätze: 27 (2.307 Minuten)
Ballberührungen pro 90:
52,4
Tore:
13
Expected Goals: 11,7
Vorlagen:
11
Expected Assists:
6,5
Großchancen kreiert:
18
Zweikampfquote (Boden):
46%
Zweikampfquote (Luft):
42%
Interceptions pro 90:
0,4
Zurückeroberte Bälle pro 90:
3,0
Gelbe Karten:
4
Rote Karten:
1 (1x Rot)

24 Scorer in 27 Einsätzen als zentraler Mittelfeldspieler. Viel mehr muss man über die Saison von Laci eigentlich nicht sagen. Nicht weil er der alles überragende Mann über die komplette Saison gewesen ist. Sondern weil es ihm zu verzeihen ist, dass er in anderen Bereichen Nachholbedarf hat, wenn er am Ende diese Zahlen liefert.

Ähnlich verhielt es sich mit Sonny Kittel. Kittel war häufig eher blass, schoss dann sein Tor oder lieferte die Vorlage und man konnte zwar darüber meckern, dass vorher nicht viel lief aber schlussendlich war er trotzdem immer in den Top 3 Scorern des HSV. Ganz so extrem war es bei Bénes diese Saison nicht aber im Ansatz eben schon.

Unter Tim Walter verstand er seine Rolle immer besser, versuchte sich die Bälle nicht mehr tief zu holen sondern vor allem als Anspielstation im letzten Drittel in Erscheinung zu treten. So konnte er allein an den ersten 10 Spieltagen schon 11 Scorer (6 Tore, 5 Vorlagen) für sich verbuchen. Bénes zeigte immer wieder, dass er im letzten Drittel ein gutes Gespür für die gefährlichen Räume hat, konnte immer wieder aus dem Rückraum und auch aus der Distanz gefährlich werden. Was Technik, Passspiel und Abschluss angeht gibt es keinen Offensivspieler beim HSV, der annähernd an ihn herankam diese Saison.

Defensiv war Bénes bemüht ohne großen Ertrag. Dass er sich trotzdem nie hat hängenlassen ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit, kann bei Offensivspielern dennoch immer wieder auftreten. Laci versuchte mehr Verantwortung zu übernehmen, trat deutlich präsenter in der Kommunikation auf aber abseits seines offensiven Outputs war es trotzdem eher durchschnittlich, was aber auch in Ordnung ist.

Bénes spielte eine sehr starke Saison. Nach dieser wird ein Abgang sehr wahrscheinlich sein. Der HSV muss seinen offensiven Output kompensieren, was schwer genug werden wird. Vielleicht bietet ein Bénes-Abgang aber auch wieder neue Möglichkeiten in der Entwicklung von Pherai oder in der Spielweise unter Baumgart, wenn im Spiel gegen den Ball noch intensiver gespielt werden könnte. Trotzdem wäre Baumgart sicherlich lieber so einen talentieren Offensiv-Spieler in seinen eigenen Reihen halten zu können.

Immanuel Pherai

Einsätze: 29 (1.939 Minuten)
Ballberührungen pro 90:
31,9
Tore:
3
Expected Goals: 3,6
Vorlagen:
4
Expected Assists:
5,3
Großchancen kreiert:
11
Zweikampfquote (Boden):
47%
Zweikampfquote (Luft):
31%
Interceptions pro 90:
0,3
Zurückeroberte Bälle pro 90:
2,9
Gelbe Karten:
4
Rote Karten:
0

Pherai wird hier als Mittelstürmer geführt. Statistiken deswegen ein wenig verfälscht.

Pherai ist neben Jean-Luc Dompé wahrscheinlich der Spieler beim HSV, der an guten Tagen am meisten Spaß machen kann. Durch seine Geschwindigkeit mit Ball am Fuß kann er im Alleingang das HSV-Spiel im offensiven Umschalten bestimmen. Seine Spielfreude und seine Steckpässe sind für den HSV immer wieder goldwert gewesen.

Leider konnte er diese Qualitäten noch zu selten zeigen. Spiele in denen man beeindruckt von seinen Qualitäten war gingen in den darauffolgenden unauffälligen Spielen unter. Was man bereits nach Bekanntwerden des Transfers wusste bewahrheitete sich: Mit seinem risikofreudigen Spiel ist der Neu-Nationalspieler Surinames ein ständiger Unruheherd für Gegner aber eben auch Mitspieler. Viel Spielkontrolle bekam man mit Pherai nicht auf den Platz.

Was sich bei Ansicht seines Outputs (0 Tore, 0 Vorlagen unter Baumgart) erstmal komisch anhört: Pherai könnte in der kommenden Saison Profiteur des direkten Spielansatzes sein. Mit seiner Dynamik und seiner Vertikalität könnte Pherai im zentralen offensiven Mittelfeld oder als Teil einer Doppelspitze aufblühen.

Schafft es Pherai ein wenig mehr Ruhe in seine Abläufe zu bekommen und kriegt er mehr Konstanz in seine Leistungen könnte er einen ähnlichen weg wie Bénes gehen. Von guten Ansätzen zu absolutem Leistungsträger. Eine Garantie gibt es dafür natürlich nicht.

Ludovit Reis

Einsätze: 25 (1.784 Minuten)
Ballberührungen pro 90:
64,1
Tore:
3
Expected Goals: 2,7
Vorlagen:
2
Expected Assists:
2,0
Großchancen kreiert:
2
Zweikampfquote (Boden):
46%
Zweikampfquote (Luft):
57%
Interceptions pro 90:
1,1
Zurückeroberte Bälle pro 90:
4,8
Gelbe Karten:
4
Rote Karten:
0

Reis wird als Rechtsverteidiger geführt. Die Statistiken deswegen ein wenig verfälscht.

9 Spiele in der Hinrunde verpasste Ludovit Reis aufgrund einer Schulterverletzung. Und so richtig kam er auch nicht in seinen Rhythmus. Zu viele leichte Fehler, man hatte das Gefühl, dass Reis es sich selbst (oder durch Trainer, Verantwortliche, Fans) zur Aufgabe gemacht hatte mehr Verantwortung zu übernehmen und es schien als hätte er sich damit übernommen.

Unbenommen bleiben seine überragenden Fähigkeiten als Ballschlepper. Problem dabei: Als Rechtsverteidiger, der ins Zentrum in eine Doppel-6 gezogen wird gehen ihm diese Fähigkeiten komplett abhanden. Verständlich, dass bereits die ersten Berichte aufkommen, dass Reis zukünftig wieder auf seiner angestammten Position eingesetzt werden möchte.

Reis spielte eine Saison unter seinen Möglichkeiten. Aber man weiß bei ihm, dass er, sobald er seinen Spielrhythmus findet zu den besten Spielern der Liga gehört. Findet sich kein Abnehmer, der die Vorstellungen von HSV und/oder Reis erfüllen kann so wäre es für den HSV sicherlich nicht ganz so tragisch mit Ludo weiterhin einen potenziellen Ausnahmespieler im Mittelfeld aufbieten zu können.

Angriff

Robert Glatzel

Einsätze: 32 (2.638 Minuten)
Ballberührungen pro 90:
29,1
Tore:
22
Expected Goals: 22,64
Vorlagen:
4
Expected Assists:
1,94
Großchancen kreiert:
6
Zweikampfquote (Boden):
41%
Zweikampfquote (Luft):
49%
Interceptions pro 90:
0,1
Zurückeroberte Bälle pro 90:
2,7
Gelbe Karten:
1
Rote Karten:
0

Nach zuvor 25 und 22 lieferte Robert Glatzel diese Saison mit insgesamt 26 Scorern in 32 Ligaeinsätzen seine bisher beste Saison was den reinen Scoring-Output betrifft. Auch in der Diskrepanz zwischen zu erwartenden und tatsächlich erzielten Tore konnte Bobby sich wieder fangen und seine eher schwache Vorsaison ein wenig ausgleichen. Erzielte er in der vergangenen Saison noch vier Tore weniger als statistisch zu erwarten gewesen wäre lag er diese Saison nur noch bei einem “halben” Tor zu wenig.
Mit einem Wert von 25,98 (bester Wert seiner HSV-Zeit) in der Kategorie “xG on target (xGOT)” kann man vielleicht sogar argumentieren, dass Glatzel tendenziell fast schon Pech im Abschluss diese Saison hatte und noch das ein oder andere Tor mehr möglich gewesen wäre und das obwohl er mit rund 29 Spielen (Minuten auf ganze Spiele gerundet) die geringste Platzzeit seiner drei bisherigen HSV-Saisons bekommen hatte.

Glatzel zeichnete sich auch diese Saison wieder mit seinem gutem Spiel mit dem Rücken zum gegnerischen Tor aus. Schwierig vom Ball zu trennen, weiß sich sehr gut gegen jeden Verteidiger zu behaupten. Dies weiß er auch sehr gut in Kopfballduellen einzusetzen, konnte sich immer wieder gut durchsetzen und ist so auch bei eigenem Einwurf ein gerngesehener Abnehmer, um die Bälle zu verlängern. Im Abschluss mit dem Fuß über die Zeit sicherer geworden auch wenn er weiterhin nicht die eiskalte Torjäger ist.

Allerdings muss man auch sagen, dass der Top-Scorer des HSV weiterhin Schwächen hat, die er mit nun 30 Jahren auch nicht mehr abstellen wird. Sein defensiver Ertrag liegt praktisch bei Null, außer dass man ihm das Wegköpfen gegnerischer Eckbälle zugute halten kann. Ansonsten ist er im Anlaufverhalten bemüht aber eben ohne wirklich großen Erfolg. Ihm fehlt dafür natürlich die Dynamik aber meiner Meinung nach auch manchmal das Gefühl für die richtigen Winkel. So öffnet er häufig einfachere Passwege für seine Gegenspieler was das geschlossene Pressing natürlich deutlich erschwert.

Zudem ist sein offensives Umschaltverhalten nicht gut. Zu häufig benötigt er zu viele Ballkontakte, um auf seinen Nebenmann weiterzuleiten. Entweder ist er gedanklich nicht schnell genug, um die beste Option während eines Konters zu finden oder zu eigensinnig, weil er sich selbst für die beste Option hält. So versanden leider häufiger aussichtsreiche Kontermöglichkeiten in dem Moment in dem Glatzel den Ball bekommt.
Ob dies unter Steffen Baumgart schwerer zu tragen kommen wird bleibt abzuwarten. Glatzel könnte dem mit einem Wechsel im Sommer vorweggreifen.

Glatzel war wieder ein elementar wichtiger Bestandteil der HSV-Offensive, auch weil es an einem (form)starken Backup im Kader mangelte. Sollte Glatzel sich für einen Wechsel entscheiden werden sich für den HSV Risiken (Offensive) und neue Möglichkeiten (Defensive) ergeben, die mit guten Transferentscheidungen aufgenommen werden könnten.

Bakery Jatta

Einsätze: 32 (2.273 Minuten)
Ballberührungen pro 90:
44,8
Tore:
5
Expected Goals: 5,27
Vorlagen:
4
Expected Assists:
6,27
Großchancen kreiert:
12
Zweikampfquote (Boden):
52%
Zweikampfquote (Luft):
62%
Interceptions pro 90:
0,8
Zurückeroberte Bälle pro 90:
4,4
Gelbe Karten:
6
Rote Karten:
0

Die Geister werden sich wahrscheinlich für immer an Bakery Jatta scheiden. Die einen lieben ihn für seine aufopferungsvolle Arbeit auf dem Platz, die anderen verdammen ihn aufgrund seiner Mängel im technischen Bereich. So ganz wird man beide Parteien nie zusammen bekommen.

Was man festhalten kann: Er ist lange nicht so schlecht offensiv wie er häufig gemacht wird. Und er ist gleichzeitig trotzdem wahrscheinlich nicht gut genug, um allein aufgrund seines Offensiv-Profils in der Startelf stehen zu können. Dass er noch mehr drauf hat, dazu gleich mehr.

Ligaweit Top-7% in “expected assists”. Ein Wert von 6,27 woraus schlussendlich nur 4 Assists entstanden sind. Jatta zeigt immer wieder, dass er allein durch das Volumen an Offensivaktionen gefährliche Situationen entstehen lassen kann. Top-10% in “shot creating actions (Live ball pass)”. Aus dem Spiel heraus ist Jatta schon in der Liga seine Mitspieler gefährlich einzusetzen. Trotzdem müssen wir nicht darüber diskutieren, dass die Flankenqualität Jattas häufig noch zu wünschen übrig lässt.
Dass ihm bei seinen Flanken jegliche Qualität abgesprochen wird liegt sicherlich an der großen Streuung eben jener. Flanke 1 kommt gefährlich, Flanke 2 landet auf dem Stadiondach. Flanke 3 kommt zumindest vernünftig während Flanke 4 und 5 als Geschenk für Nichte und Neffe vom Stadionpublikum eingepackt werden kann.
Diese Streuung gibt es bei anderen Spielern meist nicht. Da kommen 5 Flanken mehr oder wenig mittelmäßig. Das Ergebnis von 1-2 brauchbaren Flanken ist bei Jatta das selbe nur, dass die schlechteren Flanken nun mal eben sehr viel schlechter sind.

Bakas große Stärke, und die wird ihm auch niemand in Abrede stellen können, ist sein Spiel gegen den Ball. Mit seinen raumgreifenden Schritten und seinem guten Gespür für das richtige Timing hat er einfach häufig den Vorteil für sich und kann so auch offensiv für den HSV kreiern. Top-2% im Ligavergleich in “shot creating actions (Defensive actions)”. Sprich: Jatta kann seine Defensivstärke auch darin ummünzen für seine Mitspieler Abschlusssituation zu erzeugen. Ihn nur auf gewonnene Zweikämpfe am eigenen Strafraum zu reduzieren würde also ein wenig zu kurz greifen.

Unter Steffen Baumgart könnte es Bakery Jatta trotzdem schwer haben. Unter dem “neuen” Coach bekam Jatta nur noch 61% der möglichen Einsatzzeit. In den letzten vier Spielen (Stadtderby ausgenommen, da verletzt) waren es sogar nur noch 24,2%.
Baumgart bevorzugte andere Spielertypen auf den Außenbahnen. Spieler, die auch auf engerem Raum und eher ins Zentrum gezogen überzeugen können. Jatta benötigte bisher eigentlich immer die Außenbahn als Fixpunkt für seine Tiefenläufe.

Ich bin gespannt wie die Rolle von Bakery Jatta in der nächsten Saison aussehen wird. Ja, er hat seine Stärken im Spiel gegen den Ball aber eigentlich passt er nicht so richtig zu Steffen Baumgart. Könnte das die erste Zweitliga-Saison mit Jatta als klaren Ersatzspieler sein?

Jean-Luc Dompé

Einsätze: 28 (1.594 Minuten)
Ballberührungen pro 90:
32,2
Tore:
3
Expected Goals: 4,55
Vorlagen:
7
Expected Assists:
3,39
Großchancen kreiert:
8
Zweikampfquote (Boden):
59%
Zweikampfquote (Luft):
43%
Interceptions pro 90:
0,3
Zurückeroberte Bälle pro 90:
2,6
Gelbe Karten:
3
Rote Karten:
0

Wenn er zu 100% fit ist ist Jean-Luc Dompé DER Unterschiedsspieler der HSV-Offensive. Unglaublich schwierig zu verteidigen. Enge Ballführung, schneller Antritt, abrupte Richtungswechsel. Auch diese Saison konnte Dompé zeigen wieso es für den HSV so wichtig ist Spieler in den eigenen Reihen zu haben, die ein 1 vs. 1 auflösen können. Gegen gut gestaffelte Gegner wird es wahnsinnig schwierig nur über Ballzirkulation zu guten Chancen zu kommen und da ist es Gold wert, wenn du dann so einen Spezialisten wie Dompé in den eigenen Reihen hast.

Was ihm weiterhin abgeht und das wird er wahrscheinlich auch nicht mehr wirklich beigebracht bekommen ist seine eigene Torgefahr. Die Abschlussqualität war diese Saison mal wieder unterdurchschnittlich. Er braucht zu viele Schüsse, um ein Tor zu erzielen. Durch sein starkes Dribbling könnte er viel häufiger zum Abschluss kommen aber eher sucht er die Situation zum flanken als das er den eigenen Abschluss sucht.

Das führt dazu, dass auf beiden Außenbahnen des HSV Vorbereiter und keine Abschlussspieler spielten, wenn Dompé und Jatta zusammen auf dem Platz standen. Mit Königsdörffer auf einer der “Außenpositionen” unter Baumgart ändert sich die Statik ein wenig, das würde Dompé die Möglichkeit geben weiter an seinem Spielstil festzuhalten, vor allem wenn vielleicht wirklich auf eine große Doppelspitze in Zukunft gesetzt werden würde.

Seine Schwächen in der Defensive müssen nicht groß angesprochen werden, da sie offensichtlich sind. Er hat sich im Vergleich zu seiner Anfangszeit beim HSV schon gesteigert was die Intensität betrifft aber es ist eher kein Faktor. Das Bemühen kann man ihm trotzdem nicht absprechen.

Und so hoffe ich, dass Dompé auch in der kommenden Saison über die linke Bahn wird spielen dürfen. Zu gut ist seine Kreativität im letzten Drittel, zu unberechenbar ist er für die meisten Außenverteidiger der 2. Liga. Hoffentlich sieht Steffen Baumgart das ähnlich.

Ransford Königsdörffer

Einsätze: 30 (1.469 Minuten)
Ballberührungen pro 90:
24,7
Tore:
2
Expected Goals: 5,04
Vorlagen:
3
Expected Assists:
3,67
Großchancen kreiert:
3
Zweikampfquote (Boden):
39%
Zweikampfquote (Luft):
44%
Interceptions pro 90:
0,2
Zurückeroberte Bälle pro 90:
1,7
Gelbe Karten:
3
Rote Karten:
0

Wahrscheinlich der größte Profiteur des Trainerwechsels. Unter Walter erhielt Königsdörffer gerade mal 36% der möglichen Einsatzzeit. Unter Baumgart waren es dann satte 74%. Ransi passt sehr gut in das was Baumgart von seinen Offensivspielern fordert: Vertikalität, Tempo und dann auch den Abschluss suchen.

Was ich eben bei Dompé andeutete mutet bei mageren 2 Saisontoren seltsam an aber ist für mich trotzdem die passende Beschreibung: Königsdörffer ist ganz klar ein “Abschlussspieler”. Er ist kein Vorbereiter, keiner, der auf engem Raum die perfekte Passstafette initiiert. Tiefe suchen, Tempo aufnehmen und mit dem eigenem Abschluss für Gefahr sorgen. Darin ist Königsdörffer letzte und diese Saison für mich am besten gewesen.

Und so habe ich große Hoffnungen (wenn er denn selbst auch will), dass die kommende Saison ein wenig der Durchbruch für Königsdörffer sein könnte. Viel deutet daraufhin, dass er gute Chancen auf einen erweiterten Stammplatz unter Baumgart haben könnte. So würde sich auch endlich ein Rhythmus einstellen den Offensiv-Spieler natürlich für ihr Spiel benötigen.

Kann Königsdörffer eine gewisse Konstanz aufbauen und sich voll und ganz auf das neue HSV-Spiel einlassen hat er beste Chancen ein integraler Baustein für die kommende Saison zu sein. Spielt er wie schon häufiger in den vergangenen Monaten eher ein wenig abwesend kann es für ihn aber auch ganz schnell zur letzten HSV-Saison für ihn werden. Ich bin sehr gespannt welche Version wir von ihm sehen werden. Diese Saison war durchwachsen aber mit (berechtigter?) Hoffnung darauf, dass wir bald die beste Version von ihm werden sehen können.

Die anderen Jungs

Lukasz Poreba ist der einzige Spieler, der noch positiv auf sich aufmerksam machen konnte. Der inzwischen fest verpflichtete Pole konnte 4 seiner 5 Scorer unter Steffen Baumgart verbuchen, machte sowohl defensiv als auch offensiv seine Aufgaben sehr ordentlich. Mit mehr Eingewöhnung und Spielzeit kann er eine feste Größe im HSV-Mittelfeld werden.

Abseits von Poreba gab es nicht so wirklich Lichtblicke.

Levin Öztunali hatte es von Beginn schwer bei den HSV-Fans. Kam mit wenig Spielpraxis, verschrien als Folklore-Maskottchen, weil Seeler-Enkel. Und er konnte es seinen Kritikern nicht wirklich heimzahlen. Wenig bis gar keine Torgefahr, auch seine Mitspieler konnte er nicht in Szene setzen. Bei ihm blitzt immer wieder auf was sein könnte. Tolle Dynamik, solide Physis, vernünftige Technik auch auf engem Raum. Aber es ist zu verkopft, zu überhastet teilweise. Es würde mich nicht wundern, wenn es schon nach einer Saison zu einer vorzeitigen Beendigung des Arbeitsvertrages kommen würde.

Anssi Suhonen ist wahrscheinlich das genaue Gegenteil, wenn man es auf das Standing bei den HSV-Fans herunterbricht. Aufgrund seiner dramatischen Verletzungshistorie fiebert man mit dem 23-Jährigen Finnen regelrecht bei jedem Ballkontakt mit, dass ihm endlich der große Durchbruch gelingt.
Leider muss ich sagen, dass ich so ganz langsam zweifle wie groß der positive Einfluss Suhonens auf das HSV-Spiel sein kann. Ja, er bringt jede Menge Energie mit. Ja, er hat schnelle Bewegung auf engem Raum, kann schwierig zu verteidigen sein. Aber sein Passspiel ist durchschnittlich, sein Abschluss ebenfalls. Ich hoffe, dass ich mich täusche aber so ganz große Hoffnungen habe ich bei Anssi Suhonen leider nicht.

Bei András Németh ist eigentlich alles da, um ein sehr guter Backup und zukünftiger Stammspieler zu sein. Spielintelligenz, tolle Ballbehauptungen, vernünftiges Passspiel. Aber der Ball geht einfach nicht rein. Und das ist bei einem Stürmer zugegebenermaßen eher semioptimal. Trotzdem sehe ich bei ihm das Potenzial nochmal durchzustarten, dafür sind die Anlagen zu gut. Nichtsdestotrotz ergibt es aus Kaderplanungssicht durchaus Sinn bei einem Glatzel-Abgang zwei neue Stürmer zu holen und nicht auf das Prinzip Hoffnung bei Németh zu setzen.

Masaya Okugawa war auch dabei.

Fazit: Der HSV hat viele sehr interessante Jungs in seinen Reihen. Und leider viele, die noch ihre Konstanz suchen. Bevorstehende Abgänge von Benes und Glatzel werden die Automatismen einfach einreißen lassen, dort sind die Kaderplaner gefordert.

Trotzdem hat man mit Meffert, Poreba, Pherai, Dompé, Königsdörffer, Jatta und vielleicht Reis immer noch genügend Spieler mit mehr als genügend Qualität für Liga 2. Sie müssen nur richtig eingesetzt werden. Dazu kommen Spieler mit Potenzial wie Németh oder Suhonen und es gibt jetzt eben die Möglichkeit per Transfers nochmal nachzulegen.

Bekommt man Glatzel gut ersetzt und holt nochmal Qualität nach wird das Mittelfeld und der Angriff des HSV auch in der kommenden Saison rein von der individuellen Qualität zu dem besten der 2. Liga gehören.

Ein Kommentar

  1. Danke für die fundierte Analyse.

    Die Daten zu Jatta waren für mich tatsächlich überraschend. Sie haben durchaus etwas meine Augen geöffnet. Ich habe ihn kritischer gesehen, als es die Zahlen hergeben.

    Was Reis betrifft, habe ich Zweifel, ob Daten tatsächlich eine fundierte Bewertung gewährleisten. Ich habe verschiedene Szenen in Erinnerung, in denen er ohne Not und bei verschiedenen Abspieloptionen in Zweikämpfe geht und dabei haarsträubende und gefährliche Ballverluste riskiert. Gleichzeitig verschleppt er dadurch das Tempo für Offensivaktionen. Überspitzt gesagt: Wenn’s gut geht, kreiert er dadurch tolle Szenen für seinen Instagram Account. Da ich seine Dynamik aber schätze, sage ich wohlwollend: es fehlt ihm offensichtlich an Übersicht und Handlungsschnelligkeit. Wenn ein Verein die 5 Mio. Ablöse stemmt, wäre ich keinesfalls traurig.

    Alles Gute und weiter so

    Karsten

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