Trainer: Vincent Kompany
Spielweise: Zentrale Überladungen und Rotationen
Stärken: Schnelle Kombinationen und Verlagerungen
Player to watch: Olise
Schlüsselduell: Omari vs. Kane
Fehlende Spieler: Ito, Davies, Bischof, Musiala
Bilanz gegen den HSV: 74 Siege – 23 Remis – 23 Niederlagen

Statistisches Profil

Spiel mit dem Ball
Das 4-2-3-1 ist beim FC Bayern München zum Markenzeichen geworden. Gespielt wird es mit einem 2-3-Aufbau der durch Kimmichs Abkippen zwischen oder an die Seite der Innenverteidiger oft zum 3-1 wird. So kommt er regelmäßig mit Vorwärtsorientierung an den Ball und besonders seine verlagernden Diagonalpässe stellen den gegnerischen Block immer wieder vor Herausforderungen im Verschieben und Orientieren. Auf den Flügeln entstehen etwas unterschiedliche Dynamiken. Beide Außenverteidiger machen viele Halbraumläufe um in ihrem Rücken die offensiven Flügel freizuspielen. Aber während Laimer auch häufig in die Breite geht, damit Olise in den Halbraum gehen und auch tiefer kommen kann, hält Díaz die Breite und Stanišić vorderläuft ihn. Zusammen mit den ständigen Rotationen von Goretzka und Gnabry, der auch häufig tiefer kommt, sowie Kanes Abkippen, entsteht so in den Halbräumen und im Zentrum viel Dynamik. Erst im letzten Drittel trägt Díaz den Ball nach innen und sucht den Abschluss oder die Kombination mit Kane, der sich im linken Halbraum regelmäßig mit Rücken zum Tor aus dem Druck befreien kann um einen Mitspieler in der Box zu finden oder den Ball präzise zu verlagern. In der Gegenbewegung zu Kane übernimmt Gnabry oft die Stürmerposition um die Innenverteidiger zu pinnen und Raum vor der Kette zu schaffen. Goretzka sichert dann meistens auf der 6 ab.

Spielweise
Bei hohem Aufbau kippt Goretzka auch mal links in die Abwehrkette. Das öffnet den Raum hinter der ersten Pressingreihe oder Tah kann diagonal nach links andribbeln, um über den 6er-Raum auf Upamecano zu klatschen. Dieser hat dann viel Platz vor sich um Olise mit offenem Körper zum gegnerischen Block zu finden. Durch den Stützerlauf von Laimer kann Olise den Ball dann in den Halbraum tragen und sich entweder im 1-gegen-1 Raum schaffen oder den Tief-Klatsch suchen mit folglichgem Abschluss aus dem Rückraum. Es wird immer dann gefährlich wenn Kimmich seine Chip-Bälle aus den Halbräumen spielt oder das Flügelspiel in die Dynamik zwischen Außenverteidiger und offensivem Flügel kommt. Schnelle Wechselbewegungen, das Abkippen von Kane mit Druckresistenz bei Ballannahme und die Verlagerungen von ihm und Kimmich, ziehen den gegnerischen Block in die auseinander um Schnittstellen im Zentrum zu erzeugen. Diese werden wiederum regelmäßig von den Außenverteidigern, sowie Gnabry und Goretzka belaufen. Aber auch Neuers präzise lange Bälle bei tiefem Aufbau werden gefährlich, wenn der Druck auf den ersten Ball fehlt und Gnabrys diagonaler Lauf den Sechserraum aufreißt. Sie bespielen ihre Gegner also nicht nur tief im letzten Drittel, sondern öffnen durch zentrale Wechselbewegungen auch das Zentrum bei Angriffspressing, um die Flügel tief zu schicken.

Spiel gegen den Ball
Die Bayern gehen im Defensivspiel Mann-gegen-Mann über den ganzen Platz. Damit hängt vieles von individuellen Duellen ab. Zudem bedeutet es, dass der Gegner schon mit seiner statischen Struktur höheren Raum öffnen kann: z.B. gehen Bayerns Innenverteidiger weit nach vorner, wenn die gegnerischen zentralen Offensivspieler tief abkippen. Dann bleiben aber immer noch die individuellen Duelle, bei denen der HSV zumindest keinen Vorteil hat. Statischen Lösungen stehen aber auch dynamische gegenüber. Besonders die asymmetrische Zuordnung des HSV ist hier hilfreich, um links Überladungsmomente zu schaffen die das Zentrum öffnen und Kimmich in defensive 1-gegen-1-Duelle bringen. Kommt Muheim zudem besser ins dynamische Einrücken, würde er entweder die direkte Passspur auf den linken Flügel öffnen oder der HSV hätte im Zentrum eine Überzahl. Trotz der Manndeckung gibt es nämlich auch Übergabemomente. Wenn diese auch noch aus dem Rücken kommen, kann es beim übernehmenden Spieler durchaus mal zu Verzögerungen kommen. Etwas tiefer fällt auf, dass sich Díaz situativ in einer 5er-Kette pinnen lässt. Über Gegenbewegungen im Halbraum kann man Tah hier aus der Kette ziehen, bei dem das Rausrückverhalten nicht immer ideal ist. Und auch die Restverteidigung bietet was an, weil durch die Tiefenläufe aus dem Mittelfeld situativ nur die zwei Innenverteidiger bleiben.

Unser HSV
Einige Veränderungen bahnen sich an. Zum Ende des Transferfensters kamen drei Spieler dazu, die qualitativ sofort in die Startelf gehören. Elfadli, Remberg und Sahiti müssen damit wohl auf die Bank. Außerdem ist Gocholeishvili gesperrt. Mikelbrencis ist hier die erste Wahl, aber da seine Stärken im Ballbesitz liegen und Hefti Abschiedskandidat ist, sollte Capaldo diese Rolle zugeschrieben werden. Ungern nimmt man ihn aus dem Mittelfeldzentrum, aber mit Remberg ließe sich auf der Position des höher orientierten Box-to-Box-Spielers physisch ein Vorteil gegen Kimmich schaffen. Spielerisch würde man ihn damit aus dem Aufbau nehmen und primär über raumöffnende Laufwege und Luftduelle einbinden. Lokonga wäre zugleich ein klares Upgrade für spielerische Lösungen im tiefen Aufbau. Für Vušković gilt Ähnliches, doch er muss durch die Länderspielreise vielleicht noch etwas warten. Dompé soll Zeit bekommen, um wieder seine volle Fitness zu erreichen. Da Røssing-Lelesiit zudem mehr Tiefgang bietet und gegen den Ball mehr Intensität mitbringt, bietet es sich an, ihn wieder starten zu lassen. Poulsen wäre im Anlaufen und beim Verarbeiten langer Bälle zwar besser, aber da er noch nicht vollkommen fit ist wird wohl wieder Königsdörffer spielen, der auch mehr Tiefgang bietet. Vieira sollte im Abkippen gegen Tah ein interessanter Faktor werden, um Raum im Zentrum zu öffnen.

