Spieltagsvorschau: 4. Spieltag gegen den 1. FC Heidenheim

Trainer: Frank Schmidt
Spielweise: Umschaltspiel und Manndeckung
Stärken: Zweikampfintensität
Player to watch: Ibrahimović
Schlüsselduell: Traoré vs. Dompé
Fehlende Spieler: Paçarada, Rothweiler, Pieringer, Zivzivadze
Bilanz gegen den HSV: 3 Siege – 3 Remis – 4 Niederlagen

Statistisches Profil

Spiel mit dem Ball

Besonders viel Ballbesitz kann man den Heidenheimern nicht unterstellen. Ballbesitzanteile von 49, 34 und 25% untermauern das – wobei der letzte Wert auch einer 60-minütigen Unterzahl geschuldet ist. Wenn sie den Ball aber mal nicht lang spielen oder in einer Umschaltsituation nach vorne bringen, agieren sie zunächst mit sehr breit aufgefächerten Innenverteidigern, um den spielerisch durchaus fähigen Torwart, Ramaj, im Aufbau einzubinden. Zusammen mit dem tief stehenden Linksverteidiger entsteht so eine flache Viererkette. Davor positionieren sich die zwei Sechser während der Rechtsverteidiger sehr weit hoch auf der Schiene steht. Die Sechser kommen zunächst tief und gehen dann immer wieder in gegensätzliche Vertikalbewegungen, um mit dem richtigen Timing auf der Seite von einem der Innenverteidiger Raum zu schaffen. Sobald der Ball flach auf eine Seite gespielt wird, suchen sie wieder die Nähe zum Innenverteidiger und öffnen damit dem Raum hinter sich. Besonders Paçarada (der fehlen wird) ist aus seiner breiten Position dann gut darin den Ball diagonal mit Schärfe hinter die herausrückenden Pressingreihen des Gegners zu spielen. Über die Zirkulation zwischen den Innenverteidigern und dem Torwart wird der Gegner also ins Pressing gelockt, um von außen direkt dahinter zu spielen. Der Durchbruch hinter die Abwehrkette gelingt dann aber selten oder nur linear entlang der Außenlinie.

Spielweise

Höher gestaffelt agieren sie dann normalerweise aus einer 23-Struktur und überladen davor eine Seite. Im Ansatz ähnelt es relationistischen Prinzipien, das Spiel in den Druck wird aber eher nicht gewagt. Statt auf engem Raum zu zocken, wird der Gegner auch hier eher auf eine Seite gelockt, um sich über den eigenen Torwart dann wieder aus dem Druck zu befreien. Das Ganze lässt erahnen, dass man hier nur ein Qualitätsdefizit kompensieren will. Über Nähe schafft man sich Anspieloptionen und bindet zugleich Gegenspieler, um sich wieder aus dem Druck zu befreien. Denn eigentlich kommt man in diese Situationen auch nur, wenn nach dem Versuch der Verlagerung aus dem tiefen Aufbau, der Durchbruch nicht gelingt, weil der Gegner wieder schnell genug in eine kompakte Struktur kommt. Selbst wenn man über einen langen Ball mal direkt ins letzte Drittel gekommen ist und hoch gestaffelt steht, wird so gut wie nie der Druck gesucht. Stattdessen versucht man dann entweder über Gegenbewegungen einen Spieler zum Flanken freizuspielen, oder man spielt den Ball wieder direkt auf die andere Seite. Traoré kommt hierfür gerne aus einer etwas tieferen Position, um mit etwas Raum vor sich und entgegen der Laufrichtung des Abwehrspielers anzudribbeln und im Doppelpass mit Ibrahimović hinter die Kette zu kommen. Somit geht es auch hierbei um Möglichkeiten die sich hauptsächlich über Flanken erspielt werden.

Spiel gegen den Ball

Wenig überraschend verbringen sie die meiste Zeit in ihrer eigenen Hälfte. Das zeigt schon, dass sie es hauptsächlich verfolgen kompakt zu stehen. Dabei agieren sie jedoch nicht aus einem konventionellen tiefen Block mit räumlicher Zuordnung. Stattdessen verteidigen die Viererkette und die zwei Sechser davor überwiegen in der Manndeckung. Aber die Sechser verhalten sich situativ unterschiedlich. Während der ballferne Sechser eher im Raum vor der Kette verteidigt, orientiert sich der ballnahe am gegnerischen Halbraumspieler. Je nach Position des Gegenspielers entsteht so entweder auch häufiger eine situative Sechserkette. Zugleich bleibt dabei normalerweise eine Überzahl im Zentrum, womit es auch möglich ist auf einen abkippenden Stürmer zu springen ohne dabei in der Abwehrkette eine Unterzahl zu riskieren. Andererseits kann diese Mannorientierung automatisch viele vertikale Bewegungen in der Abwehrkette bringen. So entstehen teilweise Probleme in der zentralen Vernetzung oder die Sechserkette steht sehr tief mit viel Platz im Zwischenraum. Davor orientieren sie sich dann eng im 31 um das Zentrum zu schließen. Wobei Beck von der Zehn auch auf abkippenden Sechser hochschiebt. Hohes Anlaufen findet nur beim Torabstoß statt, wobei das 31 auf der ballnahen Seite höher steht und über den gekurvten Lauf des Neuners der Pass durchs Zentrum provoziert wird.

Unser HSV

Torunarigha fällt aus und Soumahoro hatte ein durchwachsenes Spiel gegen die Bayern. Ein tiefer stehender Gegner wie Heidenheim könnte für den jungen Franzosen ein guter Gegner sein, um seine Stärken zu zeigen. Zugleich bringt Elfadli aber Attribute in der Zweikampfintensität auf den Platz, die gerade in diesem Spiel wichtig werden könnte. Da er aber zugleich der spielerisch limitiertere Innenverteidiger ist, könnte er wie zuvor wieder die zentrale Rolle in der Dreierkette einnehmen. Somit würde Luka Vušković nach links rücken und mit seine Fähigkeiten in der Ballführung mit Muheim gut in Verbindung kommen. Vielleicht ist es ein Element was auch Miro wieder in die Spur bringt. Lokonga wird wohl leider noch kein Kandidat für die Startelf sein, aber mit Remberg als weiterer Physis-Spieler im Zentrum ist man hier durchaus gut aufgestellt. Capaldo hatte letztes Wochenende kein gutes Spiel, aber seine Laufwege in der vorderen Reihe könnten im tiefen pinnen vom Sechser durchaus ein Faktor werden, um Muheim und Dompé im letzten Drittel ins Spiel zu bringen. Im Sturm könnte man mal wieder auf Glatzel setzten, auch weil Heidenheim zuletzt ein paar Probleme hatte Flanken an den langen Pfosten zu verteidigen, was bekanntlich eine Stärke von Bobby ist. Gocholeishvili sollte nach seiner Sperre zudem wieder in die Startelf zurückkehren.

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Benedikt
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