Spieltagsvorschau: 5. Spieltag gegen den 1. FC Union Berlin

Trainer: Steffen Baumgart (gesperrt)

Spielweise: Tiefes Verteidigen und Lange Bälle

Stärken: Körperlichkeit und Tiefe Läufe

Player to watch: Ansah

Schlüsselduell: Ilic vs. Vušković

Meiste Tore: Ansah (4)

Meiste Vorlagen: Ilic (5)

Fehlende Spieler: Nsoki, Markgraf, Skov, Burcu

Bilanz gegen HSV: 1 Siege – 1 Remis – 0 Niederlagen

Statistisches Profil

Spiel mit dem Ball

Union Berlin setzt diese Saison bis jetzt entweder auf ein 352 oder ein 343. Letzteres wird mit dem gegen Frankfurt dreifachen Torschützen Burke, im Offensivverbund mit Ilic und Ansah wohl auch gegen den HSV wieder der Ansatz sein. Strukturell gestaltet sich das recht klar. Die drei Offensivspieler orientieren sich in der Regel nah beieinander und gehen höchstens bei eigenem Torabstoß in breitere Positionen, um die Abwehrkette etwas auseinanderzuziehen und dann von außen diagonal in den Raum zu laufen. Dahinter agieren sie kompakt in einer 34-Ausrichtung. Einzig auf den Flügeln ist eine gewisse Asymmetrie zu beobachten. Mit ex-HSVer Köhn spielte auf der linken Schiene zuletzt ein Spieler der auch gerne ins Dribbling geht und somit im letzten Drittel höher schiebt, sowie offensiv auch mehr eingebunden ist als Trimmel auf der rechten Seite. Gegen den HSV wird Skov wohl wieder fehlen, der schon in Frankfurt angeschlagen war. Aufbauabläufe sind bei Union kaum zu erkennen. Selbst wenn sie beim Torabstoß tief in der eigenen Box stehen, wird fast immer der lange Ball gewählt, wobei Ilic der häufigste Abnehmer ist. Die Idee hierbei ist, das Luftduell zu gewinnen und im Anschluss den zweiten Ball oder direkt auf die tief laufenden Burke und Ansah weiterzuleiten. So wird Ilic schnell zum eher unüblichen Vorbereiter und Ansah kann in chaotischen Situationen seine 1-zu-1-Fähigkeiten nutzen.

Spielweise

Lange Bälle sind also das hauptsächliche Mittel, um den Ball nach vorne zu bringen. Das untermauern auch zwei Statistiken: Der Anteil progressiver Passdistanz (“Passing directness”) und die durchschnittliche Passlänge sind beide höher als bei jeder anderen Mannschaft in den UEFA Top 5 Ligen. Und auch beim “High line penetration focus” (der Anteil der ins letzte Drittel gespielten Pässe, die hinter die hochstehende Abwehrkette des Gegners gehen) führen sie die Statistik an. Letztlich nutzen sie ihre breite Staffelung über das halbe Feld, um den Gegner ins Pressing zu locken und dann die Offensivspieler in direkte Duelle zu bringen. Somit werden besonders die Duelle mit den Hamburger Innenverteidigern wichtig sein. Alternativ könnte es „spannend” zu beobachten sein, wie Union damit umgeht wenn der HSV tiefer stehen bleibt. Dann würde wohl vieles relativ linear über außen verlaufen, um in das von Baumgart geliebte Flankenspiel zu kommen. Von Trimmel ist wohl kein ambitioniertes Hinterlaufen bis zur Torauslinie zu erwarten, aber sowohl er als auch Skov sind durchaus gut darin scharfe Flanken vor den Fünfmeterraum zu spielen, wo viel körperbetontes Personal die Box belaufen wird. Wenn Köhn wieder auf der linken Seite spielt, hätten sie mit ihm auch die Option, ihn an der Strafraumgrenze ins Dribbling zu bringen. Dort kann er ein bis zwei Gegenspieler binden, um dann flach horizontal in den Strafraum zu flanken.

Spiel gegen den Ball

Lange war Baumgart für sein mutiges Angriffs- und Gegenpressing bekannt. Eine Facette, die mit seiner Einstellung beim HSV für Klarheit in den Prinzipien sorgen sollte. Der Plan ging jedoch nicht auf und irgendwann korrigierte er die Medien, dass seine Anfänge als Trainer eigentlich im Busparken lagen. Und so ist er auch in Berlin wieder zum hauptberuflichen “Busfahrer” geworden. Hohes Anlaufen findet hauptsächlich beim gegnerischen Torabstoß statt. Strukturell lässt sich das als 51-Raute verstehen, wobei der ballnahe Schienenspieler situativ höher schiebt, wenn der Aufbau breit auf diese Seite gelenkt werden kann. Ansah hat eine gute Wahrnehmung für seinen Deckungsschatten entwickelt und zwingt den Gegner damit zum flachen Spiel hintenrum auf die linke Seite oder hoch nach vorne. Der HSV könnte sich hier womöglich in eine Pressingfalle locken lassen, auch weil er ja sogar lieber über links aufbaut. Torunarighas befreiende Bälle aus der Tiefe könnten hier durchaus relevant werden. Die meiste Zeit verbringen die Berliner allerdings in einem tieferen 532 oder 523. Dabei schwebt Burke von rechts zwischen der ersten und zweiten Abwehrreihe. Gerade in diesem Verhalten könnten sich für den HSV Chancen ergeben, wenn Muheim in Burkes Rücken dynamisch angespielt werden kann. Und auch Vieiras Ab- und Rauskippen aus dem Block wird Raum im Zentrum öffnen.

Unser HSV

Eine Startelf ohne Glatzel ist nicht unwahrscheinlich. Der HSV ist in der Bundesliga keine überdurchschnittliche Ballbesitzmannschaft. Dafür ist der Qualitätsunterschied innerhalb der eigenen Elf was technische Fähigkeiten, Wahrnehmung und Handlungsgeschwindigkeit angeht, (noch) zu groß. Somit hängt man auch davon ab, dass Tiefe erzeugt und durch Überladungen Überzahlen geschaffen werden können. Königsdörffer sollte damit gegen Union erstmal wieder gesetzt sein. Der Einsatz eines zweiten Stürmers wie Philippe würde in den direkten Duellen gegen die Berliner Offensive Sorgen bereiten. Beläuft Union zum Beispiel im Kollektiv die Box, fällt Ansah auch viel hinter die zwei Stürmer und aus dem Rückraum kommen noch weitere Spieler von außerhalb der Box. Es wäre also angebracht ausreichend Robustheit und defensive Übersicht im defensiven Sechserraum aufzustellen. Lokonga und Capaldo wären hier das Minimum. Zudem könnte Torunarigha eine wichtige Rolle spielen. Abgesehen von seinem Spiel mit dem Ball sollte er natürlich vermeiden, gegen Burke die Balance zu verlieren. Körperlich und im Lauftempo ist er aber auf dem Papier der Richtige, um die Tiefe zu verteidigen. Um diesen Abschnitt mit einem kleinen Hot Take zu beenden: Peretz würde in der Strafraumverteidigung auch weniger Bauchschmerzen bereiten. Aber für diesen Wechsel wird es (noch) zu früh sein.

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Benedikt
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