Trainer: Bo Henriksen
Spielweise: Enges Kombinationsspiel über Halbräume
Stärken: Offensive Variabilität und defensive Intensität
Player to watch: Amiri
Schlüsselduell: da Costa vs. HSV-Konter
Meiste Tore: Amiri, Sano, Kohr, Nebel, Sieb (1)
Meiste Vorlagen: Sano, Hanche-Olsen (1)
Fehlende Spieler: Zentner, Dal, Caci
Bilanz gegen HSV: 9 Siege – 8 Remis – 9 Niederlagen

Statistisches Profil

Spiel mit dem Ball
Mainz setzt auf eine 3-4-3-Grundformation, aber anders als der HSV mit zwei breit und hoch stehenden Schienenspielern, wobei der ballnahe Spieler situativ auch dynamisch tiefer kommt. Damit kann der gegnerische Außenverteidiger aus der Kette gezogen werden, um Raum dahinter zu öffnen. Dieser wird aber nicht direkt aus dem Halbraum belaufen. Lee und Nebel werden eher mit Rücken zum Tor von den Halbverteidigern vertikal flach bespielt, was einen weiteren Spieler aus der Abwehrkette ziehen kann. Können sie den Ball technisch behaupten, ob aufdrehend oder klatschend, gibt es hier durchaus Möglichkeiten nach dieser Locksequenz in die Tiefe zu kommen. Üblicher ist es jedoch, dass das schnelle Kombinationsspiel über Außen gesucht wird. Dafür wird auch viel Nähe zwischen den Spielern geschaffen, was zum einen die Passsicherheit erhöht und zum anderen im Gegenpressing hilft. Im Aufbau entsteht durch das regelmäßige Abkippen von Amiri immer wieder ein situatives 4-1 mit breit und auch relativ flach positionierten Halbverteidigern. Amiri nimmt im Zentrum häufig das Tempo aus dem Spiel, um es im Anschluss wieder zu beschleunigen. Hierbei ist er auch sehr variabel: der lange Ball auf einen der Schienenspieler, die Ballführung in den Druck oder der horizontale Pass über Hanche-Olsen, der da Costa von außen nach innen orientiert anspielen kann.

Spielweise
Mainz spielt mit zwei hängenden Spitzen an den Seiten von Weiper oder Sieb. Das sind auch diese Saison überwiegend Nebel und Lee. Wobei auch Sieb viel in die Halbräume ausweicht. Ihre enge Staffelung dient vor allem der Variabilität. Sie können den Ball in den Halbräumen annehmen, sich zum Tor aufdrehen oder als Wandspieler dienen, um Mitspieler aus dem Mittelfeld oder von den Flügeln nachrücken zu lassen. In der jeweiligen Spielsituation ist der Ablauf damit schwer ausrechenbar. Typisch sind kleine Dreiecksstrukturen in ballnähe, bei denen der dritte Mann in die Tiefe startet. Dieser Spieler kann immer wieder ein anderer sein, ob aus der vordersten Reihe, der Schiene oder dem Mittelfeld. Oft wird die enge Positionierung im Zentrum genutzt, um einem kompakten Abwehrblock zu erzwingen. Dann öffnen sich die Flügel, in die Mainz gezielt stoßen kann, da die gegnerischen Außenverteidiger häufig enger gebunden sind. Alternativ schaffen sie am Flügel auch +1-Situationen in enger Diamantenbildung, um auf der Schiene durchzubrechen. So entstehen Chancen nicht nur über die Offensivspieler, sondern auch die Schienen kommen regelmäßig in gute Situationen zum Flanken. Diese werden aber nicht hoch geschlagen, sondern flach oder in den Rückraum, was auch gefährlicher ist. Nach dem Abgang von Burkardt haben sie aber noch Probleme ihre Chancen in Tore zu verwandeln.

Spiel gegen den Ball
Strukturell schiebt Mainz aus einem 5-4-1 in ein 5-1-3-1 im Angriffspressing mit Amiri höhenversetzt zu Sano. Die Intensität gegen den Ball ist eine wichtige Facette in ihrem Spiel, sowohl im Angriffspressing als auch wenn sie tiefer stehen. Besonders im Angriffspressing agieren sie häufig mannorientiert und sind damit auch diese Saison wieder eine der Besten der Liga im Provozieren von Ballverlusten in hohen Zonen. Sollte die erste Linie überspielt werden, zieht sich Mainz in einen kompakten Mittelfeldblock zurück. So wird der Gegner gezwungen, auf die Flügel auszuweichen. Dort stellen die Rheinhessen sofort eine Überzahl her und pressen erneut aggressiv. Auch wenn der Ball direkt in die Spitze gespielt wird, schieben die Verteidiger konsequent mannorientiert heraus und verhindern, dass der Angreifer aufdrehen kann. Eine Schwachstelle zeigt sich jedoch in defensiven Umschaltsituationen. Um gegnerische Konter zu unterbinden, greift Mainz häufig zu taktischen Fouls. Aber wenn es nicht gelingt das Übergangspiel des Gegners früh zu unterbinden, kommen sie schnell in Gleich- oder sogar Unterzahlsituationen in der Restverteidigung. Dabei fällt auf, dass sie besonders bei eigenen offensiven Standardsituationen zuletzt anfällig waren und nach Ballverlusten direkt ins Laufduell kamen. Da zwei von drei Innenverteidigern in die gegnerische Box gehen, ist da Costa häufig der Einzige der hinten bleibt.

Unser HSV
Mit den Ausfällen von Omari und Vieira wird es in der Startelf auf jeden Fall zwei Veränderungen geben. In beiden Fällen gibt es Lösungen, wenn das jeweilige Personal schon wieder vollkommen belastbar ist. Torunarigha hatte zuletzt körperliche Probleme, war davor aber gesetzt und sollte am Wochenende wieder in die Startelf zurückkehren. Damit bleibt die Position des rechten Innenverteidigers aber weiterhin offen. Die offensichtlichste Lösung wäre es Elfadli dorthin zu verschieben. Allerdings fühlt er sich mit seinem starken Fuß nach innen orientiert normalerweise wohler. Zwei Alternativen sind hier möglich: 1) Vušković nach rechts und Elfadli ins Zentrum oder 2) Soumahoro bekommt die Chance auf der rechten Seite. Letzteres wäre interessant, weil Lokonga auch gerne das Zentrum verlässt, damit Raum öffnen kann und Soumahoro mit seinem starken linken Fuß entweder den diagonalen Pass wählen oder selbst den Ball ins Mittelfeld tragen kann. Gleich zwei Veränderungen in der Innenverteidigung oder Vuškovićs Stärken im Zentrum aufgeben sind aber eher unwahrscheinlich. Also wird sich Elfadli wohl zumindest vorerst mit der Rolle anfreunden müssen.
Für Vieiras Ausfall bieten sich aktuell zwei Optionen an: Capaldo oder Lokonga. Ersterer wäre aber das falsche Profil, um die Qualitäten in Vieiras Passspiel, der zuletzt auch häufig sehr tief kam, wieder auf den Platz zu bringen. Natürlich ist auch Lokonga ein anderes Profil, aber er wäre ideal, um Kontrolle ins Mittelfeld zu bekommen. Zudem hat er die Antizipation, Raumwahrnehmung und technische Fähigkeit, um sich konstant freizulaufen, unter Druck anspielbar zu sein und sichere Anschlussaktionen zu ermöglichen. In der Offensive bietet es sich zudem an wieder mit Königsdörffer und Philippe aufzulaufen, um die Konteranfälligkeit von Mainz für sich zu nutzen.

