Spieltagsvorschau: 11. Spieltag gegen den FC Augsburg

Trainer: Sandro Wagner

Spielweise: Flügelorientiert, vertikal, zweite Bälle

Stärken: Angriffspressing, Laufintensität

Player to watch: Rieder

Schlüsselduell: Defensives Mittelfeld vs. Vieira

npxG Top-3: Rieder (1,6) – Kömür (1,5) – Banks (0,5)

xA Top-3: Rieder (1,6) – Kömür (1,1) – Massengo (0,9)

Fehlende Spieler: Gouweleeuw

Bilanz gegen HSV: 8 Siege – 1 Remis – 6 Niederlagen

Statistisches Profil

Spiel mit dem Ball

Augsburg baut aus einer 3-2-5-Struktur auf mit zwei hoch stehenden Außenverteidigern und häufig höhenversetzten 6ern. Beim Torabstoß fächern zwei Innenverteidiger breit auf während der rechte Halbverteidiger etwas höher schiebt, womit eine 3er-Kette mit dem Torwart entsteht. Die zentrumüberladende Staffelung ist auch darauf ausgelegt, den Ball direkt in die vorderste Linie zu spielen. Ein kontrolliertes Aufbauspiel bis ins letzte Drittel ist nur selten zu beobachten. Ein wiederkehrendes Muster sind lange Bälle entlang der Halbspuren, meist von Schlotterbeck oder Matsima geschlagen. Dabei starten die offensiven Halbraumspieler mit tiefen Läufen hinter die Abwehrkette, um diese nach hinten zu drücken. Ziel ist es, den zweiten Ball im Nachrücken aus dem Mittelfeld zu gewinnen und daraus Dynamik zu erzeugen. Besonders Rieder ist hier im Zwischenlinienraum ein Spieler der für Gefahr sorgen kann.

Ein weiteres Mittel besteht darin, dass der ballnahe Außenverteidiger aus seiner hohen Position tiefer abkippt, um den gegnerischen Außenverteidiger aus der Kette zu ziehen. Dadurch öffnet sich der Raum für den Zehner, der diagonal in die Tiefe starten kann. Nun gibt es zwei Möglichkeiten. Am interessantesten ist wohl die Option diagonal ins Zentrum zu spielen, wo der häufig abkippende 9er den Ball vor der Abwehrkette fest machen, klatschen oder verlagern kann. Da die Abstimmung in den Wechselbewegungen zwischen 10er und Außenverteidiger aber zu selten stimmen, ist dieser Passweg nach innen häufig schon geschlossen oder der Anschluss vom 9er in die Tiefe ist nicht möglich weil der Halbraumspieler nach dem Lauf nach außen aus dem Spiel genommen wird. Als Alternative dazu wird der Halbraumlauf direkt mit einem vertikalen Ball entlang der Außenlinie bedient. Nur ist der ballannehmende Spieler dann meistens nach außen orientiert und hat keine direkten Anschlussoptionen.

Interessanter ist dafür ein Ansatz der linienbrechend durch das Zentrum verläuft, aber noch zu selten zustande kommt obwohl er durchaus Gefahr verspricht. Dabei wird 6er Massengo als Köder benutzt, um seinen Gegenspieler aus dem Zentrum zu ziehen. Massengo kippt ballnah nach außen und öffnet damit den Passweg für 10er Rieder, der immer regelmäßig tiefer in den Halbraum kippt. Mit dem Rücken zum Tor und seinem stärkeren linken Fuß nach innen orientiert, kann er nun diagonal aufdrehen und auf den ballfern hoch aufgerückten Außenverteidiger verlagern. Daraus könnte durchaus noch mehr Gefahr erzeugt werden, wenn der Strafraum noch konsequenter und auch der Rückraum mit mehr Personal belaufen werden würde. Zuletzt führte es aber hauptsächlich zu frühen Flanken auf den langen Pfosten mit wenig Kopfballstärke im Strafraum.

Spiel gegen den Ball

Defensiv agiert Augsburg aus einer 5-3-2-Struktur mit dem rechten 10er, Rieder, in die zweite Reihe abgekippt. Im Angriffspressing macht Claude-Maurice den Bogenlauf auf den Torwart oder den ballführenden Innenverteidiger und verhindert damit den öffnenden Pass über die linke Seite. Dahinter orientiert sich einer der 6er etwas höher und erschwert so im Verbund mit dem zweiten Offensivspieler die Öffnung über die gegnerischen Sechser. Damit wird der Aufbau auf die rechte Seite orientiert, wo die Augsburger Schiene aggressiv auf die breite Anspieloption des gegnerischen Innenverteidigers springt. Trotzdem gibt es hier die Möglichkeit über einen diagonalen Pass in den Halbraum und den Klatschball auf einen aufrückenden 6er in den offenen Raum vor der situativen Viererabwehrkette zu kommen. Beim HSV bieten sich besonders Vieira und Sambi Lokonga für diese Dynamik an, um im Anschluss entweder tief zu spielen oder auf die linke Seite zu verlagern wo Dompé isoliert ins 1-gegen-1 gebracht werden kann.

Die größeren Probleme hat Augsburg aber besonders wenn sie tiefer verteidigen. Hier gibt es sowohl mannschafts- als auch gruppentaktische Abstimmungsprobleme. So fällt häufiger auf, dass die Abwehrkette nur zögerlich aufschiebt oder sogar die tiefe verteidigt während die Spieler davor Druck machen, womit im Zwischenlinienraum Platz entsteht. Es lohnt sich also dieses Herausschieben durch einen abkippenden Spieler im Zentrum selbst auszulösen. Im tieferen 5-4-1 kommt es dabei zudem zu Unsicherheiten in der Tiefenverteidigung der Halbräume. Schiebt der 6er auf den ballführenden Innenverteidiger heraus, bleibt der ballnahe 10er zunächst tief. In der horizontalen Zirkulation zwischen den Innenverteidigern kann es aber dazu kommen, dass der Sechser auf den quer angespielten Innenverteidiger weitergeschoben ist und der 10er nun doch herausrückt. Dadurch wird im Rücken beider der Halbraum frei und kann sogar hinter der Abwehrkette bespielt werden, wenn Halb- und Außenverteidiger breit gebunden werden.

Ähnlich gibt es die Möglichkeit eine Seite zu Überladen und Augsburgs ballnahen Außenverteidiger tief zu binden, damit der 10er außen rausschieben muss. Dann schieben die 6er zugleich rüber und diagonale Passwege öffnen sich für die Verlagerung.

Unser HSV

Die Aufstellung zielt darauf ab, Augsburgs Zuordnungsprobleme in den Halbräumen und ihre Probleme im Herausrücken gezielt anzugreifen. Die Dreierkette mit Capaldo – Vušković – Torunarigha gibt im Aufbau genügend Breite, um Augsburgs ballorientiertes Verschieben zu provozieren und die Passfenster hinter deren herausrückenden Zehnern und Sechsern zu öffnen. Gleichzeitig bietet Capaldo in seiner Rolle wieder die Option im Druck individuelle Lösungen zu finden um das Pressing zu überspielen.

Offensiv übernehmen wieder Gocholeishvili und Dompé die Breite. Dabei könnte Königsdörffer als flexibler 9er auch immer wieder eine Seite überladen und so besonders Gocholeishvili auf der rechten Seite dabei unterstützen die Augsburger Halb- und Außenverteidiger breit zu binden. Das würde zugleich Dompé auf der andere Seite freispielen.

Im Zentrum ist die Doppel-Sechs Sambi Lokonga und Remberg die logische Wahl. Remberg bietet die körperliche Präsenz, um zweiten Bälle nach Augsburgs langen Zuspielen zu sichern. Sambi Lokonga kann den diagonalen Freilauf in den Raum hinter den herausrückenden 10er aufnehmen und ist technisch sauber genug, um gegen Augsburgs wackelige Zwischenraumverteidigung Lösungen zu finden. Ähnlich ist Vieira im rechten offensiven Halbraum wichtig, weil Augsburgs 6er und 10er dort häufig unsauber übergeben – genau der Raum, in dem Vieira andribbeln, aufdrehen und Dynamik erzeugen kann.

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Benedikt
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