Spieltagsvorschau: 13. Spieltag gegen den SV Werder Bremen

Trainer: Horst Steffen

Spielweise: Zentrum Überladung, diagonale Bälle

Stärken: vertikale Kompaktheit, Halbraumläufe

Player to watch: Schmid

Schlüsselduell: Stage vs. Capaldo

npxG Top-3: Stage (2,4) – Grüll (1,7) – Sugawara (1,3)

xA Top-3: Schmid (4,1) – Sugawara (1,2) – Stage (1,0)

Fehlende Spieler: Wöber, Stark, Malatini, Agu, Musah, Weiser

Bilanz gegen HSV: 60 Siege – 42 Remis – 52 Niederlagen

Statistisches Profil

Spiel mit dem Ball

Werder agiert nominell aus einem 4-2-3-1, doch die Struktur ist klar asymmetrisch. Besonders Außenverteidiger und Sechser orientieren sich zueinander jeweils in unterschiedlichen Höhen, abhängig von der Ballbesitzphase. Linksverteidiger Friedl hält im letzten Drittel meist eine tiefere Position oder schiebt ballfern ein, während Rechtsverteidiger Sugawara hinterläuft und die Breite hält. Daraus entsteht dann auch immer wieder eine 3-1-Restverteidigung, abgesichert von Sechser Lynen, während Stage konstant Tiefenläufe im linken Halbraum anbietet. Linksaußen Grüll startet aus seiner zunächst zentraleren Rolle in letzter Linie in die Breite, wenn er diagonal geschickt wird, oder bewegt sich in die Breite, sobald Friedl im Halbraum einschiebt oder die Restverteidigungsstruktur formt. Schmid positioniert sich häufig im Rücken des Neuners, während Rechtaußen Puertas ähnlich zentral agiert. Durch die Nähe der drei Spieler entstehen im kleinen Raum teils zeitliche Vorteile, um dann einen der Spieler in die Tiefe zu schicken, was auch Stage für seinen ballfernen Halbraumlauf frei spielt.

Im tiefen Aufbau entsteht ein breites 4-2, in dem die Innenverteidiger weit auffächern und die beiden Sechser eng davor agieren. Dabei verändert der zweite Sechser seine Position dynamisch: Er lässt sich situativ auf die Linie seines Partners fallen, um vertikal anspielbar zu werden und die Spieleröffnung durchs Zentrum zu ermöglichen. Schmid und Puertas rotieren wiederum in die offenen zentralen Räume und stellen die gegnerischen Sechser damit vor Übergabeentscheidungen. So entstehen unmittelbare Optionen in die Tiefe, wo Bremen bewusst 1-gegen-1-Duelle sucht. Die Flügel bleiben in diesen Momenten meist unbesetzt, wodurch sich eine doppelte Box im Zentrum bildet und die Duelle immer auch Optionen im Gegenpressing bieten, wenn sie verloren gehen. Gelingt der Durchbruch nicht, macht der jeweils aufgestellte Neuner den Ball auch gerne nach außen orientiert fest und ermöglicht das kollektive Nachrücken. So kommt Bremen schnell, tief ins zweite Drittel und baut dann über seitliche Überladungen Druck auf.

Im etwas höheren Aufbau wird das Zentrum zunächst überladen, um die Außenbahnen zu öffnen. Sobald der Gegner sich eng orientiert, spielt Bremen den Ball auf eine Seite und dann vertikal am Flügel entlang, allerdings nicht zum direkten Durchbruch, sondern um die tiefe Zone wieder seitlich zu überladen. Diese Bewegungen ziehen Gegenspieler aus dem Zentrum und öffnen daraufhin Halbraum sowie Zone 14, in die anschließend aus der Breite gespielt wird.

Die zentrale Überladung erlaubt zudem, den ballfernen Offensivspieler in minimaler Breite diagonal in die Tiefe zu schicken – Grüll ist hier der entscheidende Faktor. Seine Läufe bringen ihn regelmäßig in vorteilhafte 1-gegen-1-Duelle gegen den Halbverteidiger, weil der Gegner gleichzeitig das Zentrum verteidigen muss und daher nicht sauber durchschieben kann. Wenn Bremen es schafft, hinter dem defensiven Block in die Box zu crashen, werden Hereingaben von Grüll schnell gefährlich.

Aus der Zentrumsüberladung ergeben sich weitere Muster: Die von Stage und Puertas gebundenen Sechser des Gegners verschaffen Lynen Freiräume hinter der ersten Pressinglinie. Grüll geht dann erneut aus minimaler Breite tief nach außen, öffnet Raum hinter sich, und Lynen kann Friedl entlang der linken Außenbahn bedienen. Friedl spielt in der Folge oft sofort diagonal ins Zentrum. Selbst unsauber verarbeitete Bälle bringen Bremen hierbei Vorteile, weil der Gegner in der Rückwärtsbewegung verteidigt und abgeprallte Bälle in Bremer Richtung laufen – ideale Bedingungen für Gegenpressing und zweite Bälle.

Entsteht dabei eine statische Situation auf der linken Seite wird das Spiel gerne über die Innenverteidiger nach rechts verlagert. Dann kippt der ballferne Flügelspieler ab, um diagonal ins Zentrum zu spielen. Der typische Empfänger ist Schmid, der in den rechten Halbraum startet – im Rücken der nach außen orientierten Pressinglinien. Dort orientiert er sich so, dass er sofort in die Tiefe weiterleiten kann. Damit zieht Bremen als auch die Abwehrkette auseinander und öffnet gezielt den Zwischenraum zwischen gegnerischem Innen- und Außenverteidiger.

Spiel gegen den Ball

Bremen verteidigt ebenso asymmetrisch wie sie aufbauen. Der linke offensive Flügel kippt früh in die letzte Linie ab, wodurch eine Fünferkette entsteht, während der rechte Flügel höher bleibt und das Konstrukt zu einem 5-3-2 ergänzt. In der ersten Pressinglinie agieren Schmid und der Neuner. Sobald sie höher ins Mittelfeldpressing schieben, ist es meist der Stürmer, der die Pressingauslösung übernimmt. Dahinter rücken Stage und Puertas nach, während Lynen zunächst den Raum vor der Fünferkette absichert. Sobald Bremen ins Angriffspressing schiebt, orientiert sich Lynen mannorientiert und wenn sein Gegenspieler zurückfällt, geht er auch weit nach vorne. Dadurch entsteht vor der Fünferkette ein sehr großer Zwischenlinienraum. Optionen direkt durch das Zentrum zu spielen sind hier zwar schwer zu finden und durch die Manndeckung auch riskant in der Umsetzung, aber es gibt Möglichkeiten diagonal über außen in den Raum einzubrechen. Alternativ kann die Abwehrkette auch breit gezogen werden indem der Flügelspieler abkippt und von hinten diagonal angespielt wird um im Halbraum einen Spieler tief zu schicken.

Grundsätzlich sind die Bremer besonders im Zentrum recht schwer zu überspielen, weil sie dort sowohl mit als auch gegen den Ball gerne Überzahlen schaffen. Trotzdem gibt es Ansätze wo Durchbrüche möglich sind und Schwächen ausgenutzt werden können.

Schmid und der Neuner an seiner Seite halten ihre zentrale Positionierung recht diszipliniert, wodurch Stage und Puertas die höheren Außenzonen im Pressing übernehmen. Dabei entstehen immer wieder Freiräume um Lynen herum, die bespielt werden können, wenn Bremen nicht aktiv genug aus der Abwehrkette springt.

Auf der linken Seite zeigt sich Grüll als eigentlicher Offensivspieler häufig mit einer eher nach vorne orientierten Verteidigungsweise. Er macht zwar guten Druck, versäumt es dabei aber gelegentlich Gefahren in die Tiefe in seinem Rücken wahrzunehmen. Gleichzeitig bietet seine zunächst tiefere Ausgangsposition dem Gegner die Möglichkeit, den freien Mann auf dieser Seite zu finden. Schiebt Grüll heraus, erreicht er nicht immer rechtzeitig den Außen- oder Halbverteidiger, der daraufhin diagonal ins Mittelfeld spielen kann. Dadurch gerät die Bremer Abwehrkette in kritische Entscheidungsmomente: herausrücken oder Tiefe sichern – beides bringt Risiken.

Auf der rechten Seite hat Sugawara im direkten 1-gegen-1 häufig zu viel Abstand und findet keinen Zugriff auf das Dribbling seines Gegenspielers. Dadurch kann der gegnerische Flügelspieler Tempo aufnehmen und mit Dynamik nach innen ziehen, um in die Box zu flanken, den vordergelaufenen Außenverteidiger dort zu bespielen oder selbst abzuschließen.

Unser HSV

Die Aufstellung des HSV könnte sich im Vergleich zum letzten Ligaspiel auf vier Positionen verändern. Gocholeishvili, Vieira, Dompé und Königsdörffer sollten wieder in die Startelf zurückkehren. Der Georgier hat zwar schon im DFB-Pokal fast 90 Minuten gespielt, aber wenn das ein Kriterium ist, dann dürfte Muheim auch nicht von Beginn spielen den man im DFB-Pokal vielleicht hätte schonen können, um Soumahoro mal wieder eine Chance von Beginn zu geben. Zudem verspricht Giorgi die Läufe von Grüll gegebenenfalls besser aufzunehmen als Mikelbrencis und ist in der Regel auch noch etwas mutiger im offensiven 1-gegen-1. Die rechte offensive Halbposition, die beim HSV entweder als Rolle des zweiten Stürmers oder Zehners interpretiert wird, könnte auch gegen Bremen wieder von Philippe übernommen werden, um den tiefen Raum hinter Grüll anzugreifen. Aber um diesen Raum durch seitliche Überladungen und Abkippbewegungen zu öffnen, ist gerade Viera der passendere Kandidat, womit Königsdörffer auch wieder viel auf der rechten Seite verbringen könnte um die Überzahl zu schaffen und den Halbverteidiger zu binden. Außerdem ist Vieira auch für die diagonalen Verlagerungen auf Dompé der beste Kandidat. Dompé ist wiederum wichtig, um Sugawara regelmäßig ins 1-gegen-1 zu bringen, der damit häufiger Probleme hat. Zu erwähnen ist auch Capaldos Fähigkeit sich aus dem Druck zu befreien, der gegen Bremen auch durch Stages Pressing kommen sollte. Dieses Anlaufen könnte gerade Vieira hinter den ersten zwei Pressingreihen befreien. Zugleich wird es wichtig sein, dass Capaldo die Halbraumläufe von Stage gut verteidigt, besonders wenn sie beide ballfern agieren.

Benachrichtigung abonnieren:
Benedikt
Benedikt
Artikel: 44