Spielerprofil: Damion Downs

Der HSV hat einen neuen Mittelstürmer! Wochen- wenn nicht monatelang wurde ein neuer Torjäger von den Fans verlangt, jetzt ist mit Damion Downs ein solcher geliehen worden. Trotzdem will sich nicht direkt der Optimismus breitmachen. Woher die Skepsis kommt und ob sie berechtigt ist. Jetzt, im Spielerprofil.

Allgemein

Nationalität: USA

Geburtsdatum: 06.07.2004

Position: Mittelstürmer

Größe: 1,92m

Starker Fuß: Rechts

Marktwert: 7.000.000,00€

Der in Werneck (bei Würzburg) geborene und für die USA spielende Mittelstürmer verbrachte seine Fußball-Jugend beim 1. FC Schweinfurt 05 sowie beim FC Ingolstadt ehe es ihn in die Domstadt zum 1. FC Köln zog. Dort beeindruckte er in der U19 in 2 Saisons mit insgesamt 15 Torbeteiligungen in 17 Ligaspielen, was Cheftrainer Steffen Baumgart dazu bewegte, den damals 18-jährigen Downs im Februar 2023 zum ersten Mal in den Bundesliga-Kader für ein Ligaspiel zu berufen. Vor allem deswegen beeindruckend, da die Jugendspielern gegenüber ablehnende Haltung Baumgarts den HSV-Fans in Erinnerung geblieben sein könnte. Seine besondere Beziehung zu großgewachsenen Mittelstürmern allerdings auch.

Es dauerte dann noch bis zum 23.09.2023 bis Damion Downs seinen ersten Einsatz in der Bundesliga für sich verbuchen konnte. Bei der 1:2-Auswärtsniederlage in Bremen stürmte der Nachwuchsspieler immerhin für 7 Minuten. Rund ein halbes Jahr später erzielte er seinen ersten Treffer für die Profis und das ausgerechnet im Derby gegen Borussia Mönchengladbach. Vier Minuten nach Einwechslung traf Downs zum 3:3-Endstand und beendete die Saison mit 173 Minuten und 2 Toren.

In der vergangengen Zweitliga-Saison avancierte Downs nach seinen gezeigten Ansätzen in der Bundesliga zum Stammspieler in der 2. Bundesliga. Eine verletzungsbedingte Auszeit (Handverletzung) von 3 Spielen sowie die von Struber immer wieder angepasste Spielweise reduzierten seine Spielzeit letztes Jahr auf rund 1.800 Minuten, also 20 Ligaspiele. In dieser Zeit sammelte der Kölner Stürmer 10 Tore und 3 Assists, holte zudem 2 Elfmeter für sein Team heraus.

Im Sommer folgte dann der erfolglose Wechsel zum FC Southampton für die stattliche Ablöse von 8 Millionen Euro sowie die Nominierung für den Gold Cup bei dem er 4x eingewechselt wurde und torlos blieb. Nun also der Wechsel zum HSV. Zum ersten Mal in seiner Karriere wechselt Downs zu einem Verein ohne „FC“ im Namen, hoffen wir, dass er sich schnell daran gewöhnen kann.

Analyse

Beobachtete Spiele:

  • 1. FC Köln – FC Schalke 04: 1:0 (09.02.2025, 81 Minuten)
  • 1. FC Köln – SC Preußen Münster: 3:1 (20.04.2025, 90 Minuten)

Chancenkreierung und Passspiel

Damion Downs ist kein mitspielender Mittelstürmer. Zwar ist seine Ballverarbeitung, vor allem aus der Luft, außergewöhnlich gut, allerdings zeigte er in Köln, dass seine Stärken vor allem als Zielspieler in der Box liegen. Bälle klatschen lassen oder per Kopf weiterleiten sind für den 21-jährigen Stürmer kein Problem, allerdings ist er niemand, der sich fallen lässt und am Spiel teilnimmt. Da der HSV aber auch keinen Stürmer suchte, der als weiterer Spielmacher fungieren soll waren solche Fähigkeiten bei einem neuen Stürmer auch nicht explizit gesucht geworden.

Für sich selbst weiß Downs Chancen zu kreieren. Der Neuzugang des HSV hat vor allem im Strafraum aber auch bei seinen Tiefenläufen ein gutes Gefühl für Räume und Laufwege. Stürmer-Instinkt, nannte man das mal und nennt man es wohl auch immer noch. Zwar ist Downs großgewachsen, manchmal geht ihm aber die körperliche Robustheit ab, dies weiß er immer wieder durch geschickte Positionierungen auszublenden. Downs kann sich bewusst aus der Aufmerksamkeit der Verteidiger entfernen und ist so gar nicht unbedingt darauf angewiesen seine Gegner im direkten Zweikampf zu overpowern. So bekommt er, trotz wenig Spielanteilen im Ballbesitz, immer wieder seine Abschlussaktionen.

Chancenverwertung

11,89 non-penalty-xG, 10 Tore. Eine leichte Underperformance konnte man Damion Downs in der abgelaufenen Saison unterstellen. Eine solche ist bei jungen Mittelstürmern sicherlich nicht selten, vor allem in der ersten richtigen Profi-Saison. Mit seinen 0,59 npxG pro 90 Minuten (Quelle: Fotmob) gehörte Downs mit zu dem besten was die 2. Bundesliga in der letzten Saison zu bieten hatte und lag damit beispielsweise vor Spielern wie Martijn Kaars, Moussa Sylla oder Fisnik Asllani. Nun kann man auf der einen Seite sagen, dass der 1. FC Köln vom eigenen Anspruch die beste Mannschaft war und deshalb Downs automatisch viele Chancen haben musste, auf der anderen Seite darf man einen Stürmer eben auch loben, dass er sich in so viele Abschlusssituationen bringt.

Am schnellsten erklärt ist diese Statistik sicherlich dadurch, dass die anderen Stürmer viel aktiver am sonstigen Spiel teilnehmen. Während Downs für die permanente Gefahr in der letzten Linie sorgen sollte beim 1. FC Köln war sein Sturmpartner Tim Lemperle viel mehr in die Kombinationen mit einbezogen.

Downs selbst zeigt in der Box eine hohe Qualität, im Abschluss sowie im Freilaufverhalten. Er hat zwar hin und wieder frustrierende Momente mit drin, allerdings zeigt er technisch in der Ballverarbeitung, dass er, sobald er im Strafraum an den Ball kommt, nur noch schwer zu verteidigen ist. Seine Technik ermöglicht wenig Kontakte, um den Blick aufs gegnerische Tor zu richten. Sein Schuss ist kraftvoll, manchmal ein wenig überhastet und unplatziert, trotzdem bedeutet er stete Gefahr rund um den Elfmeterpunkt des Gegners. Dies verdeutlicht auch seine Schusskarte aus der vergangenen Saison, die 2 Zonen betonen: Den 5-Meter-Raum und den 11-Meter-Punkt.

In meiner Bestandsaufnahme zum HSV aus dem Dezember bemängelte ich Königsdörffers Gefahr in der Box und vor allem im 5-Meter-Raum. Mit Downs holt der HSV fast schon den „klassischen Mittelstürmer“, zumindest vom Abschlussverhalten.

Ball-Carrying

Mit Damion Downs verpflichtet der HSV keinen Spieler, der leichtfüßig seine Gegner aussteigen lassen kann. Zwar lässt sich der Ex-Kölner auch mal auf außen fallen, dort sichert er aber meist nur die Bälle und sucht dann Überzahlsituationen, um danach in die Tiefe geschickt zu werden.

In 1vs1-Situationen wirkt Downs ein wenig hüftsteif, versucht mit Körperbewegungen den Gegner zur Reaktion zu zwingen ohne dabei aber eine hohe Dynamik zu zeigen was das Verteidigen deutlich erleichtert. Hier hilft die zukünftige Rolle beim HSV. Mit Dompé, Vieira oder auch Sambi Lokonga hat der HSV genügend Spieler um ihn herum, die auf engem Raum Lösungen finden können, Downs wird sich dabei auf sein Spiel konzentrieren dürfen. Trotzdem geht diese Facette dem Mittelstürmer bisher noch komplett ab.

Gefahr bei Tiefenläufen

Mit knapp 34 km/h ist Damion Downs kein Ausnahmeathlet, vor allem im Vergleich zu manchem Bundesliga-Verteidiger, aber gepaart mit seiner Statur und Größe ist dies trotzdem ein spannendes Gesamtpaket bei langen Bällen hinter die Kette. Beim 1. FC Köln positionierte sich Downs meist zwischen ZIV und LIV/RIV, je nachdem auf welcher Seite er spielte. In der letzten Linie war er dann immer bereit auch die Lücke zwischen Außenverteidigern und (äußeren) Innenverteidigern in der Tiefe zu belaufen, dies auch häufiger nach Zuspiel von Leart Paqarada, eine Variante, die mit Miro Muheim beim HSV 1 zu 1 genauso umsetzbar wäre.

Downs zeigt dabei immer wieder, dass er sich nicht zu schade ist sämtliche Läufe „ohne Ertrag“ zu machen. Er bietet den Tiefenlauf immer wieder an, öffnet so auch Räume für nachrückende Mittelfeldspieler vor der gegnerischen Abwehrkette, auch dies sehr interessant für den HSV.

Physische Voraussetzungen

Mit 1,92m bringt der neue Mittelstürmer des HSV absolutes Gardemaß für einen Torjäger mit. Leider lässt sich Downs hin und wieder zu leicht vom Ball trennen, spielt zu wenig mit seinen Armen und Schultern, um sich seine Gegner vom Körper wegzuhalten, verlässt sich da zu viel auf seine gute Technik.

Er beherrscht es bei Zuspielen gut sich mit seiner Hüfte Platz zu verschaffen, sowohl im aber auch außerhalb des Strafraums, was ihm Zeit zum überlegen gibt. Im Luftzweikampf zeigt er zwar ein sehr ordentliches Timing, allerdings manchmal zu wenig Stabilität, da reicht der energische Körperkontakt in den Rücken teilweise aus, um den jungen Stürmer aus dem Tritt zu bringen.

Bisher spielte der HSV in den meisten Spielen eher zurückgezogen und ist nur phasenweise höher angelaufen. Dies lag nach meiner Meinung vor allem daran, dass man in vorderster Linie nicht die Konstellation hatte, die ein solches aggressiveres Anlaufen ermöglicht hätte. Mit Damion Downs holt der HSV einen Spieler, der es letztes Jahr in Köln gewohnt war über 90 Minuten intensiv zu spielen.

Betrachtet man die Zahl der intensiven Läufe der vergangenen Saison liegt Downs klar vor einem Davie Selke, der beim HSV eine ähnliche Rolle bekleidete. Dies bedeutet allerdings nicht, dass Downs herausragende Werte im Ligavergleich auflegte:

SpielerSprints pro 90
Martijn Kaars36,95
Tim Lemperle31,57
Damion Downs26,64
Ransford Königsdörffer (25/26)20,87
Davie Selke20,83
Rayan Philippe (25/26)18,62
SpielerIntensive Läufe
pro 90
Martijn Kaars83,96
Tim Lemperle78,52
Damion Downs74,61
Rayan Philippe (25/26)71,73
Ransford Königsdörffer (25/26)67,28
Davie Selke56,43

Die Tabellen sollen die Werte von Downs ein wenig einordnen. Kaars galt in der letzten Saison als der „Muster-Anläufer“, der super wichtig für das Magdeburger Angriffspressing gewesen ist. Hierbei ist eben zu betonen, dass Christian Titz großen Wert auf hohes Anlaufen legt, so etwas beeinflusst diese Werte natürlich immer. Deswegen ist der Vergleich zu den jetzigen HSV-Spitzen Königsdörffer und Philippe sicherlich auch nicht 100% fair, da der HSV viel tief verteidigte und wenig aggressiv anlief. Aber ich würde behaupten es gibt einen ganz guten Überblick darüber, dass Downs dazu in der Lage ist über 90 Minuten die Intensität hochzuhalten und damit könnte das Defensiv-Spiel des HSV um eine Alternative reicher werden.

Defensivverhalten

Wie vorher beschrieben spielt Downs mit der nötigen Intensität gegen den Ball, um den Gegner regelmäßig unter Druck zu setzen. Was ihm dabei abgeht sind Ballgewinne, da er mit seiner Geschwindigkeit zwar den Verteidiger unter Druck setzt, ihn auch häufig zum langen Ball zwingen kann, ihn aber nicht so anläuft, dass dadurch direkte Ballgewinne entstehen. Downs fehlt dafür ein wenig der Überblick wann er das Tempo reduzieren sollte, um Räume zu schließen und das Anlaufen seiner Teamkollegen noch effizienter zu machen.

Im Mid-Block zeigt sich Downs wach, versucht Passwege zuzustellen und kann mit seinem Körper zumindest hin und wieder dafür sorgen, dass der Ball nicht sauber zum Mitspieler gespielt werden kann.

Rolle beim HSV

Schaut man sich die Herangehensweise des 1. FC Köln an wäre Damion Downs eigentlich prädestiniert dafür mit einem 2. Stürmer zu spielen, der viel als Verbindungsspieler agiert, so wie es Tim Lemperle in Köln tat. Lemperle brachte das Profil mit, sowohl sich viel frei zu bewegen und am Spiel teilzunehmen, als auch in der letzten Linie Gefahr damit auszustrahlen in die Tiefe geschickt zu werden. Dieses Profil entspricht eigentlich sehr genau dem von Ransford Königsdörffer.

Der bisherige Mittelstürmer des HSV ist die perfekte 2. Spitze, also die Rolle, die vor der Saison eigentlich für ihn neben Yussuf Poulsen geplant wurde. Jetzt verpflichtet der HSV einen „richtigen Mittelstürmer“ und trotzdem wird Königsdörffer wahrscheinlich erstmal auf der Bank Platz nehmen, sobald Downs sich an Teamkollegen und System gewöhnt hat.

Denn mit Fabio Vieira hat der HSV natürlich noch einen Spielgestalter in der Hinterhand, der nicht draußen gelassen werden darf. Spannend könnte hier das Zusammenspiel von Downs und Vieira aussehen. Der Portugiese zeigte in der aktuellen Saison wie stark seine Bälle in die Tiefe sein können, perfekt für einen wie Downs.

In dieser Konstellation muss der HSV gucken, dass sich die gegnerische Abwehrkette nicht ausschließlich auf den Neuzugang aus Southampton konzentrieren kann. Denn bei einer Unterzahl von 1:2 geschweige denn 1:3 wäre selbst ein erfahrener Bundesliga-Stürmer schnell überfordert. Nachrückende Mittelfeldspieler wie Sambi Lokonga, ein freier Innenverteidiger wie Capaldo oder der rechte Schienenspieler müssen beim Spiel mit nur einem nominellen Stürmer noch konsequenter in die Offensive rücken, um den Druck auf den Gegner zu erhöhen.

Downs kann, ähnlich wie Sambi Lokonga gegen Mainz, nun natürlich auch bei langen Bällen zur Verlängerung interessant werden. Auch hier der wichtige Punkt: Ohne tiefstartende Mitspieler bringt die beste Verlängerung nichts. Deswegen bin ich sehr gespannt wie Merlin Polzin den Neuzugang einbauen wird, für mich wäre die Personalie in einem 2-Mann-Sturm perferkt aber ohne Fabio Vieira fehlt der wichtigste Spieler des Hamburger Offensivspiels.

Voraussichtliche Wunsch-Startelf für die Rückrunde 2025/2026

Fazit

Der HSV verpflichtet mit Damion Downs einen Mittelstürmer, der mehr oder weniger genau das erfüllt, was man sich idealtypisch als Profil überlegen konnte. Groß, gute Dynamik, hohe Box-Präsenz, vernünftiger Abschluss.

Downs bringt vieles mit, was dem HSV in der bisherigen Saison fehlte. Mit seiner guten Technik auch im Strafraum könnte sowohl das Flankenspiel sowie die eigene Standard-Gefahr verbessert werden.

Fragezeichen bleiben natürlich. In erster Linie die, wie gut Damion Downs den Schritt aus den 2. Ligen Deutschlands und Englands in die Bundesliga gelingt. Zwar sind seine Stärken das was der HSV suchte, reicht die Qualität der Aktionen aber auch für das höchste Niveau? Sein Abschluss ist gut, aber nicht herausragend. Sein Kopfballspiel ist in Ordnung, für seine Größe aber ein wenig ausbaufähig.

Das Gesamtpaket ist das, was den 21-Jährigen so interessant für den HSV macht. Nicht das eine alleinstehende Merkmal. Es ist eine Mischung aus der Hoffnung, dass dieses Paket das fehlende Puzzlestück ist und vielleicht aber auch schon ein wenig der Blick in die Glaskugel einen aufstrebenden Mittelstürmer nach geglückter Heim-WM finanziell durchstarten zu sehen. Das wäre aber jetzt zu sehr in die Zukunft geblickt.

Die Leihe von Damion Downs ist nicht ohne Risiko, das liegt bei Wintertransfers in der Natur der Sache. Positiv ist, dass man ihn sehr frühzeitig für sich gewinnen konnte und er von der Idee sehr gut in das Spiel des HSV passt. Ob es qualitativ reicht und er sich gut einfindet hängt am Ende, wie immer bei Stürmern, auch ein wenig von Selbstvertrauen und Glück ab.

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