Spieltagsvorschau: 21. Spieltag gegen den 1. FC Heidenheim

Trainer: Frank Schmidt

Spielweise: Kompakt, mannorientiert, direkt

Stärken: Zweikämpfe, Intensität

Player to watch: Ibrahimović

Schlüsselduell: HSV-floaters vs. Heidenheims Halbräume

xG Top-3: Schimmer (4,3) – Ibrahimović (3,8) – Pieringer (2,8)

xA Top-3: Ibrahimović (3,7) – Föhrenbach (2,6) – Busch (1,7)

Fehlende Spieler: Kölle, Paçarada, Stergiou

Bilanz gegen HSV: 3 Siege – 3 Remis – 6 Niederlagen

Statistisches Profil

Spiel gegen den Ball

In ihrer Grundformation ist Heidenheim flexibel. So spielten sie zuletzt gegen Dortmund zum Beispiel mit einer Fünferkette, aber im Spiel davor gegen Leipzig noch mit einer Viererkette.  Dabei ist festzuhalten, dass der zusätzliche Innenverteidiger – normalerweise in Person von Busch – eine sehr vorwärtsorientierte Rolle einnimmt. Oder anders gesagt, Busch schiebt immer wieder mannorientiert in den Halbraum. Das tut er zudem recht proaktiv und nicht erst als springende Reaktion auf Abkippbewegungen seines direkten Gegenspielers. Damit übernimmt die Tiefenabsicherung meistens sein Nebenmann auf der Schiene, Traoré.

So viel zur Vorbereitung auf die Möglichkeit dass Heidenheim mit einer Fünferkette aufläuft. Allerdings scheint es wahrscheinlicher, dass sie wieder wie in den letzten zwei Spielen gegen den HSV diese Saison mit einer Viererkette auflaufen. Dabei ist zu erwähnen, dass auf den Sechserpositionen gerne sehr mannorientiert agiert wird, womit Halbraumläufe des jeweiligen Gegenspielers regelmäßig bis in die Abwehrkette mitgegangen werden. Die Innenverteidiger schieben in solchen Situationen also meistens nicht horizontal rüber, sondern bleiben eng vernetzt im Zentrum und springend dann situativ auch aus der Kette raus, wenn ein Stürmer abkippt. Kurz gesagt, eine situative Fünferkette kann hier trotzdem entstehen.

Tatsächlich orientieren sich die Heidenheimer defensiv auch grundsätzlich sehr mannorientiert. Der Unterschied zu den Bayern ist dabei jedoch, dass sie ihre Gegenspieler nicht mit der gleichen Konsequenz über den gesamten Platz verfolgen, weil sie trotzdem eine gute räumliche Kompaktheit beibehalten wollen. Dazu gehört auch, dass sie eher selten ins Angriffspressing gehen, sondern im Block stehen und dann mit recht klaren Mannorientierungen rausschieben. In ihrer Struktur sind sie dabei auch wieder recht flexibel. Gegen den HSV haben sie in den letzten beiden Spielen jedoch ein Geschenk aus der zweiten Liga mitgebracht, den im Zentrum kompakten 4-3-3-Block. Mit der richtigen Dynamik um Verschiebungen zu provozieren, sollten hier aber besonders die Halbräume Möglichkeiten bieten. So fällt auf, dass der ballnahe Achter in der zweiten Verteidigungsreihe immer wieder sehr weit nach außen schiebt, ohne dass die andere beiden Spieler in der Reihe dabei unbedingt durchschieben. So entsteht regelmäßig ein weit offener Halbraum. Lediglich ein springender Innenverteidiger kann diesen dann noch verteidigen, wobei der Abstand nach vorne dann durchaus groß sein kann und Raum in der Tiefe lässt. Gleichzeitig ist es möglich den Außenverteidiger an der Außenlinie zu binden und den zentralen Raum in die Tiefe noch größer werden zu lassen. Um den Pass in die Tiefe aber erst spielen zu können muss man die erste Abwehrlinie aber natürlich auch erstmal überspielen. Dazu gehört es diese Kette durch Andribbeln und Rotationen in Bewegung zu bringen, Vieira als tiefe Anspielstation mit wenig Raum, und mehr. Zusammengefasst geht es immer wieder darum aus der zweiten Reihe den äußeren Mittelfeldspieler in die Breite zu ziehen, den Außenverteidiger breit zu binden und dann einen Spieler mit Dynamik im Halbraum zu finden, der dann entweder frei aufdrehen kann oder aus der Innenverteidigung besprungen wird, womit die Tiefe aufgeht. Die Rollen können sich hierbei situativ auch mal ändern, aber als wiederkehrendes Muster ist es so durchaus auffällig.

Dabei ist eine weitere Facette nicht zu ignorieren, die aufmerksame Beobachter der obigen Grafik vielleicht schon bemerkt haben. Die defensive Zuordnung auf Heidenheims linken Seite gestaltet sich oft etwas asymmetrisch, da der dortige Flügelspieler regelmäßig einrückt. Das geschieht besonders, wenn der Ball zunächst auf der anderen Seite ist, auch weil es das oben beschriebene Rausschieben aus dem Mittelfeld in Ballnähe ermöglicht. Dabei könnte der rechte Halbverteidiger beim HSV regelmäßig zum freien Mann im Aufbau werden, womit Omari sicherlich was anzufangen wüsste. Als Reaktion darauf würden in Heidenheims Mittelfeld zudem sicherlich 1-2 Spieler reaktiv Druck machen wollen, was zugleich andere Spieler befreien würde. Das könnte es zum einen ermöglichen diagonal durch das Zentrum zu verlagern und zum anderen Vieira im Zwischenlinienraum zu finden.

Spiel mit dem Ball

Das Offensivspiel von Heidenheim ist in der Regel kein Feuerwerk, auch wenn sie gegen Dortmund zuletzt zwei Tore schießen konnten und für die vorrübergehende Führung viel gelobt wurden. Nun sind beide Tore auch etwas glücklich gefallen (Verletzung vom Gegenspieler im Laufduell und passives Verteidigen von Dortmund), aber das zweite ist ein Hinweis auf eine Facette in Heidenheims Offensivspiel die häufiger so zu beobachten ist. Das Ganze beginnt mit einem Torabstoß. Dabei schieben sie wie so häufig sieben Feldspieler in die vorderen Reihen. Im Aufbau bleiben nur ein Innenverteidiger, zwei Sechser und der gerne mitspielende Torwart, Ramaj. Zum Teil schieben sie sogar noch einen weiteren Spieler nach vorne und haben nur noch zwei Feldspieler hinten. Damit kann der Gegner auch nicht mehr so leicht ins Angriffspressing gehen, weil Heidenheim sonst schnell eine Überzahl bei langen Bällen hat. Und meistens ist es dann auch so, dass entweder der Torwart oder der Innenverteidiger einen langen Ball spielt. Mit vielen Spielern vorne, können sie sich dann in der Regel auch soweit behaupten, dass sie zumindest das erste Drittel verlassen haben.

Können sie den Ball für sich gewinnen, verfolgen sie einen quasi relationistischen Ansatz. Die linke Seite wird mit sechs Spielern überladen und wenn die Staffelung stimmt, kommen sie in zwei diagonale Linien, die theoretisch bessere Möglichkeiten bieten um ins Kombinationsspiel zu kommen. So bringen sie beide Zehner/Flügelspieler auf die gleiche Seite und haben somit zwei zockende Elemente in nächster Nähe. Wenn sie diesen Faktor gegen den HSV auf den Platz bringen wollen, ist denkbar, dass ähnlich wie gegen Dortmund in der zweiten Halbzeit Dinkçi und Ibrahimović zusammen auf dem Platz stehen werden.

Aber natürlich beginnt nicht jede Ballbesitzphase mit einem Torabstoß. Es ist auch mal notwendig den eigenen Aufbau aus dem Spiel heraus aufzuziehen. Dabei nutzen sie dann wieder ihren Torwart als zentralen Spieler im 3-1 mit Dorsch als alleinigem Sechser. Davor positionieren sich die Offensivspieler plus Schöppner dann alle von Halbraum zu Halbraum und die Außenverteidiger übernehmen die Breite. Die vertikale Staffelung ist dabei variabel und hängt auch etwas von den Spielerprofilen ab; Körpergröße und Kopfballstärke, pinnen oder zweite Bälle gewinnen, besser mit Rücken zum Tor oder mit offenem Körper. Auch aus dieser Staffelung wird das recht häufig lang gespielt, besonders in den linken Halbraum, aber wenn es doch flach ausgespielt wird, dann meistens mit der Idee auf der linken Seite diagonal von außen ins Zentrum zu spielen. Dem voraus geht in der ersten Instanz aber meistens ein linearer Pass vom Innen- zum Außenverteidiger. Von dort will man dann wie bereits beschrieben die Seite überladen. Häufig schaffen sie es aber nicht ins Kombinationsspiel zu kommen, ob durch unsauberes Handeln, zu reaktive Wechselbewegungen oder den überhasteten Wunsch direkt in die Tiefe zu spielen ohne sich die tiefe Option vorher erspielt zu haben. Trotzdem können sie wie beschrieben über die linke Seite gefährlich werden und dann situativ auf die häufig etwas vernachlässigte rechte Seite verlagern. Dorsch mit seinen Seitenwechseln und Traoré als Außenverteidiger mit Tiefgang sind hierfür die Kandidaten in Heidenheims Spiel. Gerade Spielsituationen wie in der vorigen Grafik sind dafür gut geeignet.

Unser HSV

Was die Aufstellung des HSV angeht, könnte es ein paar Veränderungen geben. Einer davon ist Sambi Lokonga, der seit seiner Ankunft immer wieder sehr gut gesteuert wird. Ob die 85 Minuten Spielzeit in dem laufintensiven Spiel gegen die Bayern nun dafür oder dagegen sprechen, dass er wieder von Beginn an spielen wird, kann hier nicht beantwortet werden. Aber im Idealfall sollte er natürlich jede mögliche Minute spielen. Damit ist eine mögliche Veränderung in der Startelf schonmal beiseitegelegt. Eine weitere Position wo man anders aufstellen könnte ist die rechte Schiene. Heidenheim steht viel im mehr oder weniger tiefen Block und Jatta ist vor allem eins, ein Spieler für Tiefenläufe und ggf. um seinen Gegenspieler tief zu binden. Gocholeishvili scheint hier also die interessantere Variante zu sein. In der Offensive ist die Wahl aktuell noch nicht so groß wie man sie sich vielleicht wünschen würde und dennoch hat man hier gute Optionen. Dompé darf nicht mehr, Røssing-Lelesiit kann nicht mehr und Grønbaek muss wohl auch erst die ein oder andere Spielminute sammeln bevor er von Beginn ran darf. Anders sieht es bei Otele aus, der ohne große Pause direkt beim HSV einsteigen könnte. Im Gegensatz zu Dompé soll er zudem noch wesentlich mehr Tiefgang in seinem Spiel haben, was er auch dazu nutzen könnte um den Raum zwischen Außen- und Innenverteidiger anzugreifen, wenn man letzteren zum springen verleiten kann. Außerdem lohnt es sich gegen Traoré einen Spieler zu haben der ihn pinnen kann und damit seine eigene Gefahr in die Tiefe mildert. In der Innenverteidigung muss es zudem eine Veränderung geben weil Capaldo mit einer Gelbsperre ausfällt. Normalerweise wäre mit einer so frühen Rückkehr in die Startelf von Omari wohl nicht zu rechnen gewesen, aber da er nach seiner Einwechslung gegen die Bayern sofort wieder überzeugen konnte, scheint es hier keine größeren Bedenken zu geben. Es bleibt der Sturm. Hier lässt es sich recht schnell auf folgendes runterbrechen: kann Downs nicht, spielt Königsdörffer. Kann Sambi Lokonga im Mittelfeld nicht, könnten auch beide spielen. Und tatsächlich könnte es auch durchaus Sinn ergeben, wenn einer die Innenverteidiger zentral bindet und damit dem anderen den tiefen Raum zwischen Außen- und Innenverteidiger lässt. Die Wunschlösung sollte jedoch Downs sein, der besonders in seiner Arbeit gegen den Ball schon überzeugen konnte und es zugleich gut versteht seine Mitspieler einzusetzen. Die Entwicklung einer Connection zwischen ihm und Otele wäre hier interessant.

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Benedikt
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