Der HSV schaffte in der Saison 2025/2026 punktemäßig relativ souverän den Klassenerhalt. Auch wenn die Spielzeit zwischendurch nicht ganz so glatt verlief gäbe es theoretisch keinen großen Anlass viel am Kader zu ändern. Gäbe es da nicht die Faktoren „auslaufende Verträge“, „Leihspieler“, „verletzungsanfällige Spieler“ oder auch „leistungsbedingte Wechsel“.
Am Kader des HSV wird sich diesen Sommer wieder eine Menge ändern und wir schauen drauf:
- Was zeichnete den HSV in 2025/2026 aus?
- Welcher Kader wird als Grundgerüst genutzt?
- Welche potenziellen Kandidaten könnte es für den HSV im Sommer geben?
Saison-Rückblick
Von einer Mannschaft, die in der 2. Bundesliga gezwungen war ballbesitz-dominant auftreten zu müssen, hin zu einer Mannschaft, die sich selbst als Team definiert, das in erster Linie gut verteidigen will. Dieser Bruch mit der Herangehensweise der letzten 7 Zweitliga-Jahre ist dem Trainer-Team um Merlin Polzin gut gelungen.
Defensive Stabilität
In den letzten 10 Jahren rangiert man im Vergleich zu den restlichen Aufsteigern auf einem guten 5. Platz.
| Platzierung | Mannschaft (Saison) | Gegentore |
| 1. | VfB Stuttgart (17/18) | 36 |
| 2. | RB Leipzig (16/17) | 39 |
| 3. | FC St. Pauli (24/25) | 41 |
| 4. | Arminia Bielefeld (20/21) VfL Bochum (21/22) | 52 |
| 5. | Hannover 96 (17/18) Hamburger SV (25/26) | 54 |
| 6. | VfB Stuttgart (20/21) 1. FC Heidenheim (23/24) | 55 |
| 7. | Union Berlin (19/20) | 58 |
| 8. | SC Freiburg (16/17) | 60 |
| 9. | 1. FC Köln (25/26) | 63 |
| 10. | Werder Bremen (22/23) | 64 |
| 11. | Fortuna Düsseldorf (18/19) | 65 |
| 12. | 1. FC Nürnberg (18/19) | 68 |
| 13. | 1. FC Köln (19/20) | 69 |
| 14. | Schalke 04 (22/23) | 71 |
| 15. | SC Paderborn (19/20) | 74 |
| 16. | Holstein Kiel (24/25) | 80 |
| 17. | Greuter Fürth (21/22) | 82 |
| 18. | Darmstadt 98 (23/24) | 86 |
Direkt zu Beginn der Vorbereitung war sich das Trainerteam des HSV sicher, dass eine Abkehr von der 4er- zur 5er-Kette der Weg des HSV sein soll, was vor allem während Saison-Vorbereitung und -beginn zu nicht zu wenig Kritik aus dem Umfeld führte.
Zu hoch wäre die Gefahr einer personellen Unterzahl, vor allem gegen qualitativ hochwertige Gegner, die im 1vs1 für einen Aufsteiger fast nicht zu verteidigen sind, so die Logik des HSV.
Innerhalb dieser 5er-Kette spielte der HSV mit 3 Innenverteidigern, diese aber nicht ausschließlich von gelernten Innenverteidigern besetzt. Der Rechtsverteidiger trat im Gegensatz zum Linksverteidiger als reiner Schienenspieler auf, der die Außenbahn besetzte und dem Spiel des HSV Breite verleihen sollte. Als Linksverteidiger wurde Miro Muheim sehr flexibel eingesetzt, der sich häufig auch in der Halbspur und im Zentrum aufhielt. Eine ähnliche Herangehensweise nur noch offensiver wählte man nun im Saisonendspurt, als man den offensiven Mittelfeldspieler Albert Gronbaek auf dieser Position einsetzte.
So entstand aus einem defensiven 5-2-3/5-4-1 im eigenen Ballbesitz ein 3-4-3 in verschiedensten Ausprägungen.
Dieses 5-4-1 spielte der HSV über weite Strecken der Saison eher abwartend und tief. Dies hatte meines Erachtens zwei gravierende Gründe:
- Eigene Intensität: Nicht umsonst wurde bereits von Ex-Sportvorstand Stefan Kuntz im vergangenen Saison betont, dass der HSV einen großen Sprung von der 2. in die 1. Bundesliga wird machen müssen was die eigene Energie und Aggressivität gegen den Ball betrifft. Einzelnen Spieler merkte man an, dass 90 Minuten auf Bundesliga-Niveau nicht nur psychisch, sondern natürlich auch physisch viel Kraft kosten.
Um hier nicht reihenweise Leistungsabfälle ab Minute 75 hinnehmen zu müssen entschied man sich beim HSV das eigene Anlaufen dosiert einzusetzen und den Gegner bis zur Mittellinie wenig zu stören. - Defensive Kontrolle: Den Gegner früh und hoch anlaufen kann einen hohen Ballgewinn und damit wenig Distanz zum gegnerischen Tor bedeuten, birgt aber natürlich auch die Gefahr überspielt zu werden und den individuellen Qualitätsnachteil nicht mehr mit dem Kollektiv auffangen zu können. Durch das tiefere stehen hatte der HSV meist den Vorteil qualitative Nachteile als Team auszugleichen und die eigene Umschaltqualität noch mehr zu betonen.
Ergebnis: Letzter Platz in „Sprints“, Letzter in „Laufdistanz“ und Letzter was „intensive Läufe“ betrifft (laut Bundesliga-Website). Dass dies nicht zu einem Kontrollverlust führte ist am Ende einer konsequenten Struktur gegen den Ball und einer über viele Passagen der Saison guten Umschaltqualität „geschuldet“.
Offensives Umschalten
In der Top-50 der schnellsten Spieler der laufenden Bundesliga-Saison sind 4 Spieler (Baldé, Königsdörffer, Philippe und Jatta) des HSV vertreten. Zum Vergleich:
Mainz: 2
Union Berlin: 2
Gladbach: 2
Köln: 3
Bremen: 3
Wolfsburg: 2
Heidenheim: 4
St. Pauli: 3
Es zeigt im Ansatz wie viel Tempo in diesem Kader in der Spitze steckte aber auch, dass man es schaffte diese Spieler in Sprintsituationen zu bekommen, um ihr Tempo auszuspielen.
Laut der Plattform „WhoScored“ steht der HSV auf Platz 3 nach geschossenen Kontertoren. Egal nach welchem Ballgewinn ging der erste Impuls direkt in die Tiefe. Selbst bei Schlussmann Heuer Fernandes war häufig zu beobachten, dass der Ball konsequent tief gespielt wurde, sobald er eine gegnerische Hereingabe abfangen konnte. Und sogar die gegnerischen Standards wurden dafür genutzt eigene Spieler an die Mittellinie zu stellen, um gegnerische Spieler aus dem eigenen Strafraum zu ziehen aber auch die Chancen auf einen schnellen Gegenstoß zu erhöhen.
Hohe Flexibilität
Sowohl Trainerteam als auch die Spieler hatten während der Saison mit einigen Ausfällen zu kämpfen. Sei es durch unnötige (teils unberechtigte) Platzverweise oder durch verletzungsbedingte Pausen: Der HSV musste sich laufend an neue Gegebenheiten anpassen. Das führte zu teils (erzwungenden) abenteuerlichen Experimenten wie Yussuf Poulsen, der zwischenzeitlich im zentralen Mittelfeld gegen Eintracht Frankfurt spielen musste.
Im Laufe der Saison konnte man einige Neuheiten entdecken: William Mikelbrencis als linker Außenstürmer, Albert Gronbaek als Linksverteidiger, Nicolas Capaldo als äußerer rechter Innenverteidiger was heute normal erscheint aber damals eher als Notlösung ins Leben gerufen wurde.
Polzin und Co. bewiesen Mut und taktische Variabilität bei vielen schwierigen Entscheidungen, zudem wurde klar, dass der Kader des HSV eine Hand voll Spieler brauchte, die durch ihr Skillset mehrere Positionen bekleiden können. Ein Lob an die Kaderplanung aber auch an die Spieler, die in vielen ungewohnten Räumen die ihnen zugeteilten Aufgaben für die Mannschaft erledigten.
Klar wird dadurch aber auch: EIne solche Kaderplanung ist immer auch ein Schritt weit ein Ritt auf der Rasierklinge. Man fand für die meisten Ausfälle meist eine adäquate Lösung, sich darauf verlassen, dass dies für immer so bleibt könnte allerdings nach hinten losgehen. Von Verletzungen verschont bleiben ist innerhalb eines Kaders auch mit Glück verbunden, sich aber in der nächsten Saison nicht wieder in der Kategorie „Spieler zu gut aber mit Verletzungshistorie“ zu häufig zu bedienen könnte eine solidere Aufstellungspolitik bedeuten als man sie in dieser Saison beobachten konnte.
Auch die eigene Struktur und Idee mit dem Ball verlangte den Spielern ein hohes Maß an Flexibilität und Spontanität ab. Der HSV agierte selten aus der immer selben Struktur, sondern variierte schon früh im Aufbau. 2 Innenverteidiger, 3 Innenverteidiger. Alleiniger 6er, Doppel-Sechs. Zentrale Mittelfeldspieler, die hoch bis in die letzte Kette schieben und danach sich tief fallen lassen und als Aufbauspieler agieren. Mikelbrencis, der häufig die Breite besetzte aber bei langen Bällen auch teilweise zentral in der letzten Linie des Gegners unterwegs war.
Der HSV hatte viele Ideen wie man das gegnerische Team vor immer neue Aufgaben stellen wollte. Dies auch als Fingerzeig wofür die kommende Saison stehen könnte.
Standard-Probleme
Obwohl der HSV mit Luka Vuskovic einen der torgefährlichsten Verteidiger Europas im Kader hat konnte man diese Gefahr nicht konsequent über die gesamte Saison für sich nutzen. Nur 7 Tore aus dem ruhenden Ball (Elfmeter ausgenommen) stehen für den HSV auf der Haben-Seite, dies macht einen geteilten letzten Platz, zusammen mit Nord-Rivale Werder Bremen.
Dies hatte sicherlich auch mit der lange anhaltenden Abstinenz eines klaren offensiven Zielspielers zu tun. Lange Zeit agierte der HSV mit eher kleineren, beweglichen Stürmer-Typen, die bei hohen Standards meist das Nachsehen hatten.
Kriegt man hier noch eine weitere Facette ins eigene Spiel implementiert könnte die defensive Stabilität kombiniert mit der offensiven Umschaltgefahr noch mehr zum tragen kommen.
Mangel an Erfahrung
Wir können es „Ausrede“ nennen, wir können es abgedroschen nennen aber wir kommen in der Beurteilung der HSV-Saison nicht an der Vergangenheit vorbei. Sieben Jahre 2. Liga machen sich in diesem Kader nicht unbemerkt. Das heißt nicht, dass man sich wie ein Käfer auf den Rücken liegend seinem Schicksal ergibt, sondern dass man daraus eben auch Ableitungen für die Zukunft ziehen kann.
Fußballrelevante Erfahrung am Alter zu messen ist für mich eher schwierig, weil Erfahrung eben damit einhergeht Situationen auf Top-Niveau bereits erlebt zu haben. Ältere Spieler hatten schon häufiger die Möglichkeit eigene Lösungen zu entwickeln, wenn diese allerdings nie in einer Top-Liga stattgefunden haben steht weiterhin ein Fragezeichen für die Lösungsfindung auf einem Niveau wie der Bundesliga.
Die Spieler des HSV haben nach Ablauf dieser Saison eine Gesamtzahl von rund 70.000 Minuten in einer Top5-Liga vorzuweisen. Weil man mit dieser Zahl alleine wenig anfangen kann, gibt es hier ein paar Referenzgrößen:
Wie so häufig im deutschen Fußball ist der FC Bayern München der Primus in dieser Kategorie. Die Bayern liegen bei rund 337.000 Minuten. Zwischen Platz 16 (Heidenheim mit 89.006 Minuten) und Platz 15 (Bremen mit 152.334 Minuten) liegen ungefähr 60.000 Minuten, also fast ein ganzer HSV-Kader. Alleine Niklas Stark, Mitchell Weiser, Leonardo Bittencourt und Marco Friedl haben zusammen (ca. 72.000 Minuten) mehr T5-Erfahrung als der gesamte Kader des HSV.
St. Pauli, Heidenheim und der HSV traten alle mit Mannschaften an, die das Top5-Niveau nur in Ausnahmefällen kannten. Sie mussten mehr oder weniger während der Saison (weiter) lernen wie Fußball auf dieser Ebene gespielt wird. Nimmt man den FC Bayern als das Maß aller Dinge und setzt sie als 100% an erkennt man den gravierenden Abfall zwischen den drei letztplatzierten Mannschaften und dem Rest der Liga.

In der kommenden Transferphase wird es also auch wieder darauf ankommen Spieler zu verpflichten, die eine gewisse Erfahrung auf Bundesliga-Niveau gesammelt haben, um die Lücke zum Rest des Feldes langsam zu schließen.
Zusätzlich zeigt es aber auch, dass der HSV in der Lage war bei Transfers gute Einschätzungen auf die Übertragbarkeit von gezeigten Leistungen zu tätigen und dass das Trainerteam aus einem auf diesem Niveau unerfahrenen Kader eine häufig stabile Teamleistung herausholen konnte.
Ladehemmung in der Offensive
Der HSV erzielte in der abgelaufenen Saison drei Tore im 5-Meter-Raum des Gegners. Zwei davon erzielte Rayan Philippe, eines kam von Philip Otele. Von den nominellen Mittelstürmern Poulsen, Glatzel, Downs und Stange wurde kein einziger Treffer direkt vor dem Tor erzielt.
Nun ist die Torerzielung aus dem 5-Meter-Raum heraus allein kein Qualitätsmerkmal. Welches Team sich am nähesten zum gegnerischen Tor kombinieren kann entscheidet nicht über Wohl und Wehe einer Saison aber es verdeutlicht, dass man es viel zu selten schaffte die eigenen Stürmer in Positionen zu bringen aus denen sie einfache Tore hätten erzielen können oder ihren vorhandenen (?) Torinstinkt ins Spiel bringen zu können.
Für jedes Tor musste der jeweilige Stürmer lange Wege überbrücken, sich gegen mehrere Gegenspieler durchsetzen oder gut platzierte Fernschüsse probieren. Klassisches Mittelstürmer-Spiel im Strafraum kam meist gar nicht zur Geltung, was auf der einen Seite an der niedrigen Qualität im Mittelsturm lag, aber auch häufig genug daran, dass es der HSV zu selten schaffte, das Spiel ins gegnerische Drittel zu verlagern und auch dort erstmal zu belassen. Der sehr hohe Fokus aufs Umschalten und Vertikalität ließen ein kontrolliertes Stürmer-Spiel häufig gar nicht zu.
Zudem war das Kopfball-Spiel der HSV-Stürmer diese Saison überhaupt kein Thema. Nur ein einziges Kopfballtor konnten die sechs oben genannten Stürmer diese Saison in der Bundesliga erzielen. 6 Stürmer, 34 Spiele, 1 Kopfballtor. Wenn man also mehr oder weniger in jedem Spiel darauf angewiesen war eigene Kontersituationen perfekt auszuspielen oder die eigene Kombination durch einen Distanzschuss vollendet werden musste dann ergibt sich von selbst wieso der HSV in einigen Phasen dieser Saison seine Probleme hatte, wenn die Defensive nicht 90 Minuten dem Druck standhalten konnte.
Gleichzeitig konnte man zudem durch den sehr hohen Umschalt-Fokus in der Offensive eine hohe Konzentration an geradlinigen Spielern beobachten. Spieler wie Otele, Baldé, Jatta oder auch Philippe sind alle für Kontersituationen geeignet. Im geordneten Spiel im letzten Drittel fielen beim HSV die Ausfälle von Jean-Luc Dompé und Alexander Røssing-Lelesiit recht stark ins Gewicht. Beide Spieler konnten auch auf engem Raum mit ihren Dribblings überzeugen, Dompé ist diese Saison mit 1,7 erfolgreichen Dribblings pro Spiel der erfolgreichste HSVer, auch wenn ihm von vielen die Eignung für die Bundesliga abgesprochen wurde. Ohne den Franzosen war der HSV stark darauf fixiert seine Umschaltspieler in Position zu bringen.
Diese Lücke konnte man zu Saisonende ein wenig mit Albert Grønbæk schließen, auch ein Grund wieso sich Merlin Polzin bei ihm für die linke Außenbahn entschied. Der Norwerger verbindet technische Konstanz in 1vs1-Situationen mit einem guten Antritt, eine Kombination, die nach den genannten Ausfällen so nicht mehr vorhanden war.
Kaderplanung – Technisch/Taktische Voraussetzungen
Zunächst sollten wir das grundsätzliche Gerüst an Spielern betrachten, dass dem HSV in der kommenden Saison zur Verfügung stehen wird, sortiert nach Minuten:
Tor: Daniel Heuer Fernandes, Sander Tangvik, Poppelbaum/Hermann/Lahti
Abwehr: Miro Muheim, Jordan Torunarigha, Nicolas Capaldo, Warmed Omari, Daniel Elfadli, Aboubaka Soumahoro, Shafiq Nandja
Mittelfeld: Nicolai Remberg, Albert Sambi Lokonga, Albert Grønbæk, Kofi Amoako
Sturm: Rayan Philippe, Jean-Luc Dompé, Bakery Jatta, Robert Glatzel, Fabio Baldé, Alexander Røssing-Lelesiit, Otto Stange, Yussuf Poulsen
Zum jetzigen Zeitpunkt wirkt die Verpflichtung von Albert Grønbæk als durchaus realistisch, weswegen ich ihn zur besseren Planung auch bereits mit in die Planung übernommen habe.
Schaut man sich die HSV-Saison an lassen sich verschiedene Grundsätze für den Kader festhalten:
- zentrale Spieler benötigen Mindestmaß an Flexibilität & Progressivität
- in der letzten Linie braucht es mindestens zwei Spieler mit Tiefgang und Beweglichkeit
- defensive Zentrale mit Hauptaugenmerk auf sicheres Zweikampfverhalten
- Außenbahn flexibel – meist ein Spieler mit Tiefgang, einer mit Kreativität
- Kreativität über die Halbspuren
Das Hamburger Abendblatt berichtete zuletzt von einer Planung des HSV, dass auf ein 3-5-2/3-4-3 hindeuten würde. Etwas, was als sehr realistisch angesehen werden sollte und auch in dieser Saison ja auch schon zur Genüge angewendet wurde. Im letzten Ligaspiel ging es der HSV im eigenen Aufbau fast schon eher in einem 4-1-4-1 an:

Was durch diese Zahlenspiele aber deutlich wird ist der Fokus des HSV auf eigene Prinzipien und weniger auf festgelegte Formationen. Ein Sambi Lokonga ist nicht das gesamte Spiel auf der Linksverteidiger-Position, sondern agiert frei auf der Suche nach Räumen, kann von Grønbæk abgelöst werden, beide können in verschiedensten Räumen auf der linken Seite agieren.
Ein Remberg kann tief vor den Innenverteidigern spielen, sich bei Bedarf aber auch zwischen die Verteidiger fallen lassen. Ein Capaldo wurde vom HSV bereits über weite Strecken der Saison sehr frei eingesetzt, agierte auch gegen Leverkusen nicht nur strikt auf der rechten Außenbahn.
Dies bedeutet in der Kaderplanung positiv interpretiert, dass das Trainerteam mit den Spielern arbeiten, die verfügbar sind und sich nicht fest an eine Idee klammern, zu der die Spieler passen müssen. Es bedeutet aber auch ein hohes Maß an Disziplin, dass aus dieser freiheitlichen Idee von Fußball nicht später ein Chaos mit fehlender defensiven Stabilität entsteht.
Der HSV arbeitet also mit folgender Idee:
- Fünferkette in der Defensive – Zentrale zweikampfstark und beweglich – Außenbahn flexibel
- Zentrale davor mit Zockern, die Kombinationen frei auflösen können und Stabiltität geben
- letzte Linie sehr beweglich und mit Tiefgang – Fokus auf Dynamik und Abschluss + Pressingintensität
Setzt man diese Voraussetzungen an arbeitet der jetzige HSV mit folgender Startelf:

Geht man davon aus, dass die Spieler Glatzel, Dompé, Elfadli, Soumahoro aus verschiedensten Gründen (Unzufriedenheit mit eigener Rolle, sportliche Qualität) für die kommende Saison nicht geplant werden kann ergibt sich folgendes Kader-Bild:

Daraus ergeben sich folgende Planstellen:
- Innenverteidigung: Innenverteidiger mit sofortiger Startelf-Qualität
- + ein Innenverteidiger, der flexibel einsetzbar und entwicklungsfähig ist
- Rechtsverteidigung: Rechtsverteidiger mit sofortiger Startelf-Qualität
- + abhängig von Transfers (möglicher Baldé-Abgang) ein weiterer Neuzugang
- Linksverteidigung: Ein Herausforderer für Miro Muheim, der die Qualität mittelfristig für die Startelf mitbringt
- Linksaußen: Ein Spieler mit sofortiger Startelf-Qualität
- Zentrales Mittelfeld: Ein Spieler mit sofortiger Startelf-Qualität
- Ein Spieler mit langfristiger Startelf-Qualität
- Sturm: Zwei Stürmer mit sofortiger Startelf-Qualität
Wofür soll der Kader, zusammengefasst aus der letzten Saison, am Ende stehen?
- defensive Stabilität
- räumliche Flexibilität
- Mut am Ball
- Dynamik in die Tiefe
- schnelles Umschalten
- mehr Torgefahr aus Standards + aus der Box
Transferkandidaten
Realistische Transferkandidaten für den Sommer zu nennen fällt dieses Jahr besonders schwer, da zum jetzigen Zeitpunkt das zur Verfügung stehende Budget sehr schwierig abzuschätzen ist.
Was passiert mit Fabio Baldé, der laut Medienberichten das Interesse portugiesischer Top-Clubs auf sich gezogen hat? Kann der HSV alle Leistungsträger der vergangenen Saison halten oder ist man auf Transfererlöse angewiesen? Möchte ein Leistungsträger den „nächsten Schritt“ gehen?
Welche eigentlich unrealistischen Namen (Stichwort Vuskovic/Vieira/Lokonga) könnten doch noch realistisch werden? Und wie stark beeinträchtigt die anstehende Weltmeisterschaft die Kaderplanungen der Vereine?
Trotzdem möchte ich ein paar Namen nennen, die in dieser Transferphase interessant für den HSV werden könnten.
Innenverteidigung
In der Innenverteidigung wird nach dem Abgang von Luka Vuskovic ein Ersatz benötigt, der die Zweikampf-Qualität in der Luft und im direkten Duell annähernd ersetzen kann. Zudem wird es wahrscheinlich noch ein Talent benötigen, dass bereits erste Profi-Erfahrungen gesammelt hat, um den Kader noch tiefer aufzustellen und auf mögliche Ausfälle reagieren zu können.
Profil: Zweikampfstarker Innenverteidiger, der eine gute Quote in Luftduellen mitbringt und zudem Qualitäten beim frühzeitigen Abfangen von Bällen aufweist, um im defensiven Zentrum proaktiv verteidigen zu können. Zusätzliche Qualitäten im Spielaufbau sind Bonus aber keine zwingende Notwendigkeit.
Emin Bayram – KVC Westerlo – Jahrgang 2003 – Vertrag bis 2028
Durch einen Zufall könnte es beim HSV dazu kommen den ehemaligen IV-Kollegen von Luka Vuskovic ein Jahr später in die eigene Innenverteidigung zu holen. Der 14-fache türkische U21-Nationalspieler führte bereits mit 17 Jahren seinen ehemaligen Verein Galatasaray Istanbul als Kapitän aufs Feld. Jetzt überzeugt er in Belgien vor allem mit seinem rigorosen Zweikampfstil und ist oben drauf mit gerade mal 23 Jahren noch entwicklungsfähig.

El Chadaille Bitshiabu – RB Leipzig – Jahrgang 2005 – Vertrag bis 2029
Bitshiabu spielt nun bereits seit drei Jahren für das Team aus Leipzig und konnte sich weiterhin nicht als feste Größe etablieren. Konnte er in 24/25 solide Einsatzzeiten wettbewerbsübergreifend von rund 1.600 Minuten erzielen, halbierten sich Minuten in 25/26 auf gerade mal knapp über 700 Minuten. Zu wenig für das Toptalent, das mit Gardemaß und athletischen Attributen glänzen kann.
Bitshiabu hat seine Probleme im weiträumigen Verteidigen, könnte deshalb in der Rolle des zentralen Innenverteidigers aufblühen. Spieler möchte neue Herausforderung, RB Leipzig soll weiterhin langfristig an den französischen Innenverteidiger glauben. Eine Leihe in die Bundesliga könnte beides kombinieren.
Serge-Philippe Raux-Yao – Rapid Wien – Jahrgang 1999 – Vertrag bis 2028
Angeblich ist Lens interessiert und die aufgerufene Ablöse beträgt 6-8 Millionen Euro. Beides spricht eher weniger für einen Wechsel von Raux-Yao zum HSV. Aber vielleicht gibt es ja doch eine Möglichkeit.
Der französische Innenverteidiger bringt überragende physische Attribute mit, ist einer der, wenn nicht der beste Innenverteidiger der österreichischen Bundesliga. Überzeugt mit energischem nach vorne verteidigen, kann mit seinem Körper in der Luft dominieren.
Raux-Yao wäre eine ambitionierte, starke Lösung. Vielleicht aber auch eine unrealistische.
Gael Alonso – FC Andorra – Jahrgang 2002 – Vertrag bis 2028
Alonso ist der älteste der genannten Innenverteidiger und trotzdem der, der klar als Rotationsspieler geplant werden würde. Alonso spielte seine erste Saison im Profifußball in La Liga 2 nachdem er letztes noch für die 2. Mannschaft Celta Vigos in der 3. spanischen Liga kickte.
Alonso besticht durch ein sehr sicheres Aufbauspiel in dem er es immer wieder schafft seine Pässe „zu verstecken“, sodass seine Gegner nicht erahnen wohin der nächste Pass geht. Sein für einen Innenverteidiger etwas schmaleren Körperbau weiß er trotzdem auch gegen stabilere Gegner einzusetzen und ist vor allem am Boden hellwach und kann frühzeitig Druck ausüben.
Alonso ist mit seiner Spielweise wahrscheinlich gemacht für die spanische erste Liga, trotzdem finde ich seine Art zu spielen so besonders, dass ich ihn gerne in einer spielerisch mutigen HSV-Mannschaft sehen würde.

Simone Canestelli – Pisa Sporting Club – Jahrgang 2000 – Vertrag bis 2028
Mit Pisa diese Saison aus der Serie A abgestiegen aber genau mit den Attributen, die man sich für die zentrale Innenverteidigung wünschen würde. Stark in der Luft, energisch am Boden, gute Ausstrahlung und Leadership-Fähigkeiten. Was Canestrelli nicht kann: Weiträumig verteidigen. Tempo und Beweglichkeit machen Probleme und sind Bereiche, die durch den Rest kaschiert werden müssten.
Rechtsverteidigung
In der abgelaufenen Saison lag der Fokus auf der rechten Seite klar auf dem Profil des laufstarken Schienenspielers. Mit Giorgi Gocholeishvili holte man einen sehr dynamischen Flügelspieler, der über 90 Minuten mit seinem starken Antritt für Gefahr in die Tiefe sorgen sollte. Auch Mikelbrencis, Jatta und Baldé passten gut in diese Idee, weswegen es spannend zu sehen sein wird, ob sich Merlin Polzin für dieses RV-Profil entschied, weil die Spieler dazu passten oder ob dies die bevorzugte Idee für die rechte Außenbahn auch in der kommenden Saison sein wird. Für die Planung habe ich mich an dem letztjährigen Profil orientiert.
Laurin Curda – SC Paderborn – Jahrgang 2001 – Vertrag bis ?
Laurin Curda bringt hohe Energie 90 Minuten auf die rechte Außenbahn und könnte die technische und offensive Komponente, die mit William Mikelbrencis verloren geht, zum HSV bringen. Der Schienenspieler des SC Paderborn hat sich spätestens dieses Jahr in die Notizbücher größerer Vereine gespielt. Curda ist nicht der technisch filigranste Spieler, versteht aber in welchen Räumen seine Mannschaft ihn braucht und ist in der 2. Bundesliga der Spieler mit den meisten gewonnenen Zweikämpfen.

Anton Gaaei – Ajax Amsterdam – Jahrgang 2002 – Vertrag bis 2028
Bereits zu seinen Zeiten bei Viborg FF war ich großer Fan von Anton Gaaei. Der tiefe Körperschwerpunkt mit offensivem Drang nach vorne war in Dänemark schnell dem dortigen Niveau entwachsen. In Amsterdam hat es der Däne inzwischen einigermaßen etabliert in die Startelf geschafft, so 100% überzeugt scheint man bei Ajax von ihm allerdings trotzdem nicht zu sein.
Gaaei könnte die rechte Seite des HSV vor allem offensiv wiederbeleben und dem Offensivspiel des HSV eine neue Komponente verleihen. Gaaei überzeugt mit technisch sauberem Spiel, kann sowohl über die Halbspur aber auch breit über die Außenbahn spielen.
Elias Jelert – Galatasaray Istanbul – Jahrgang 2003 – Vertrag bis 2029
Eigentlich wartet Elias Jelert seit Jahren darauf wieder richtig anzukommen. Seit seinem Wechsel im Sommer von 2024 schaffte es der Däne weder bei Stammklub Galatasaray noch bei seinem jetzigen Leih-Verein Southampton sich nachhaltig zu empfehlen. Und so könnte der HSV dem dänischen U21-Nationalspieler eine neue Fußball-Heimat bieten.
Für seinen Jugendclub dem FC Kopenhagen spielte Jelert 10 Jahre lang bis er in 2024 für 9 Millionen in die Türkei wechselte. Jelert bringt nicht unbedingt das größte Offensiv-Paket mit, könnte allerdings einen guten Mittelweg auf die rechte Außenbahn bringen und die defensive Stabilität nochmal verstärken.
Linksverteidigung
Bereits im Frühjahr 2026 war der HSV bemüht einen Herausforderer für Stammspieler Miro Muheim zu verpflichten. Nach der Ausbootung Noah Katterbachs fehlt es dem HSV an Tiefe auf der linken Verteiderposition. Spannend könnte werden wonach der HSV sucht. Sucht man einen Spieler, der Muheims Profil nahe kommt, um bei Ausfall Muheims möglichst wenig umstellen zu müssen? Oder sucht man einen komplett anderen Spieler, um sich flexibler aufzustellen?
Joseph Kalulu – Pau FC – Jahrgang 2004 – Vertrag bis 2027
Es gab schon in der abgelaufenen Winter-Transferperiode um den Linksverteidiger aus der Ligue 2. Der HSV bemühte sich um Kalulu, ein Transfer konnte nicht mehr realisiert werden. Gut möglich, dass er trotzdem weiterhin ein realistischer Kandidat für den HSV ist.
Mit Kalulu bekäme der HSV einen Spieler, der die klassischere linke Schiene bespielen würde. Kalulu hält viel die Breite, kommt über seine Dynamik immer wieder in gute Offensiv-Aktionen und hat ein hohes Volumen im Offensiv-Spiel.
Ähnlich wie Muheim hat auch Kalulu seine Probleme im Defensiv-Verhalten, weswegen möglicherweise doch eher andere Kandidaten bevorzugt werden könnten.
Dominik Schmid – FC Basel – Jahrgang 1998 – Vertrag bis 2027
Eine Identifikationsfigur aus einem Verein herauszubekommen ist immer schwierig. Wenn es sportlich im Verein allerdings nicht unbedingt rund läuft und die Chance auf einen letzten sportlichen Aufstieg besteht könnte der HSV die Möglichkeit haben Dominik Schmid aus der Schweiz zu verpflichten.
Schmid bringt ein breites Gesamtpaket mit. Defensiv solide, offensiv auch auf dem Flügel gerne selber gefährlich. So wäre es auch nicht ausgeschlossen, dass der HSV auf ein Schweizer Flügelduo setzen könnte mit Schmid und Muheim defensiv und offensiv im Wechsel. Vertrag des in der Jugend des FC Basel ausgebildeten Linksverteidigers läuft 2027 aus, auch für Basel könnte es interessant sein wenigstens die Restablöse noch mitzunehmen.

Linksaußen
Die Position des Linksaußen ist ein wenig Schrödingers Box. Sie ist gleichzeitig mit die offenste Position des Kaders, könnte durch Albert Grønbæk allerdings auch bereits geschlossen sein. Angenommen, der HSV verpflichtet den Norweger, plant aber nicht zu 100% mit ihm oder sucht weiterhin ein anderes Profil (s. Otele-Leihe), dann ergibt es Sinn zu schauen welche Optionen es noch geben könnte.
Herba Guirassy – FC Nantes – Jahrgang 2006 – Vertrag bis 2028
Der französische U21-Nationalspieler ist gerade mit seinem Jugend-Club Nantes in die Ligue 2 abgestiegen. Gut vorstellbar, dass die Franzosen mit ihrem Eigengewächs den Transfersommer finanzieren wollen.
Guirassy ist noch ein wenig roh in seinen Anlagen, bringt aber vieles mit, was man richtig gut finden kann. Ein dynamischer Antritt, Mut zum Dribbling im 1vs1, eine Körpergröße, die ihn auch in der Box interessant macht. Aber: Bei Ballannahmen verspringt gerne mal der Ball, Passspiel ist eher nicht seine Paradedisziplin.
Guirassy wäre ein weiterer Umschaltspieler, der mit seinem soliden Abschluss neue Torgefahr ins Spiel des HSV bringen würde. Ein äußerer Spielmacher wäre er allerdings nicht und es bräuchte sicherlich ein wenig Zeit, dass er zur festen Größe des HSV werden würde.
Rafiki Said – Standard Lüttich – Jahrgang 2000 – Vertrag bis 2028
Im Sommer 2025 aus Frankreich nach Belgien gewechselt und direkt mit 13 Scorern in 37 Spielen überzeugt. Said bringt einen enormen Zug zum Tor mit und ist eine gute Mischung aus 1vs1-Spieler und geradlinigem Abschlussspieler.
Physisch nicht ganz so stabil wie Philip Otele, trotzdem kann Said sich mit seinen knapp 1,80m immer wieder gut behaupten und wäre für den HSV interessant, weil er eben in verschiedenen Räumen eingesetzt werden könnte.

Zentrales Mittelfeld
Im zentralen Mittelfeld hat sich der HSV bereits mit Kofi Amoako verstärkt. Der 21-jährige bringt benötigte Tiefe ins defensive Mittelfeld und bringt mehr Laufstärke und Zweikampfverhalten ins Mittelfeld des HSV. Was nun noch offen ist, ist der Versuch einen Ersatz für den besten Torjäger des HSV, Fabio Vieira, zu finden. Zudem sollte sich der HSV zumindest Gedanken über einen jungen (spielstarken) Achter Gedanken machen, da das Vakuum bei einem Ausfall Lokongas doch recht groß war in der abgelaufenen Saison, auch wenn mit Albert Grønbæk ein realistischer Ersatz bereitstehen könnte.
Ryotaro Ito – VV St. Truiden – Jahrgang 1998 – Vertrag bis 2026
16 Scorer in 35 Spielen, viel mehr muss man zum japanischen Mittelfeldspieler gar nicht sagen. Ito zeigte in der abgelaufenen Saison seine Fähigkeit das Spiel an sich zu reißen und vor allem im offensiven Drittel das Spiel zu bestimmen. Ito kann zudem auch als zentraler Mittelfeldspieler eine zurückgezogenere Rolle einnehmen und mit seinen guten Carrying-Fähigkeiten eigenständig Räume öffnen was dem sehr flexiblen Spiel des HSV zu Gute kommen würde.
Zu Ito gab es bereits HSV-Gerüchte, für mich wäre der Japaner ein sehr logischer Transfer, nicht zuletzt weil er ablösefrei verfügbar ist, sondern vor allem aufgrund seiner Flexibilität und technischen Fähigkeiten, die es beim HSV so momentan nicht gibt.
In einem der letzten Ligaspielen verletzte sich Ito am Knöchel so schwer, dass erst die Schwellung abheilen musste bevor eine genauere Diagnose gestellt werden könnte. Hat sich Ito hier längerfristiger verletzt sinken macht es den Transfer zum HSV natürlich deutlich unwahrscheinlicher.
Cătălin Cîrjan – Dinamo Bukarest – Jahrgang 2002 – Vertrag bis 2029
Ausgebildet unter anderem beim FC Arsenal, jetzt schon Kapitätn seiner Mannschaft. Cătălin Cîrjan beweist in Rumänien in dieser Saison, dass er bereit für eine neue Aufgabe ist. Der 23-jährige Spielmacher besticht durch seine enge Ballführung, kann sowohl in der offensiven Reihe aber auch im zentralen Mittelfeld spielen. Am stärksten ist er allerdings am gegnerischen Strafraum, wo er durch späte Läufe in die Box punkten kann aber auch als Vorbereiter immer wieder seine Übersicht unter Beweis stellt.
In dieser Saison einer der, wenn nicht sogar der beste Spieler Rumäniens. Anfang des Jahres seinen Vertrag bis 2029 verlängert, Ablöse soll bei ungefähr 4-5 Millionen Euro liegen.

Filippo Ranocchia – Palermo – Jahrgang 2001 – Vertrag bis 2028
Ein Hybrid aus 6 und 8, der tief am Spielaufbau teilnehmen aber auch in höheren Zonen aktiv wird. Ranocchia spielte eine starke Saison für Palermo, die nicht den Aufstieg in die Serie A schaffen konnten. Dies macht einen Wechsel diesen Sommer deutlich wahrscheinlicher.
Ranochhia spielt ein wenig wie ein passstärkerer Leon Goretzka, allerdings nicht ganz so dynamisch. Der breite Körperbau hilft beim abschirmen von Zuspielen, lässt den Italiener aber ein wenig unbeweglich erscheinen. Als flexibler zentraler Mittelfeldspieler könnte er den HSV aber spielstärker aufstellen, ohne dass die Hamburger an Körperlichkeit verlieren würden.
Tommaso Berti – Cesena – Jahrgang 2004 – Vertrag bis 2028
Italiener aus der Serie B, allerdings ganz anderer Spielertyp als Filippo Ranocchia. Tommaso Berti ist ein kleiner, beweglicher Box-to-Box-Spieler, der durch seine Beweglichkeit und Kreativität im Übergangsspiel und am gegnerischen Strafraum seine Fähigkeiten am besten zur Geltung bringt.
Wechsel wahrscheinlich. Italienische Erstligisten sowie ein englischer Verein sollen bereits angefragt haben. Mögliche Ablöse: 4,5 Millionen.
Sturm
Bevor die Kommentare kommen: Ich habe bewusst keine Kategorie „Rechtsaußen“ aufgemacht. Diese Position gab es beim HSV in der abgelaufenen Saison so nicht. Die rechte Außenbahn wurde den rechten Außenverteidiger besetzt. Der nominell rechte Offensivspieler im 5-2-3/5-3-2 hielt sich viel mehr in der Halbspur oder im Zentrum auf. Deswegen beschränke ich mich bei den Vorschlägen auf verschiedene Stürmertypen, die zusammen in der Offensiv-Reihe spielen könnten.
Thijs Dallinga – FC Bologna – Jahrgang 2000 – Vertrag bis 2028
Dallinga überzeugte so sehr in der 2. niederländischen Liga, dass er es direkt in die französische Liga schaffte und dort ohne viel Anlaufzeit zu überzeugen wusste. Aufgrunddessen verpflichtete ihn Bologna für 16 Millionen Euro, allerdings nicht mit dem erhofften durchschlagenden Erfolg. Für Dallinga könnte der Zeitpunkt gekommen sein seine Karriere per Wechsel neu zu beleben.
Der Niederlänger bringt für einen Mittelstürmer ein sehr rundes Gesamtpaket mit. Körpergröße für die Gefahr in der Box, technisch solide ohne übermäßig kreativ zu sein, trotzdem gute Übersicht und vor allem ein schneller und sicherer Abschluss, der der HSV-Offensive so häufig fehlte.
Terem Moffi – Nizza – Jahrgang 1999 – Vertrag bis 2027
Überzeugend bei Leihverein FC Porto, allerdings konnten sich Nizza und der portugiesische Meister nicht auf eine Verringerung der vereinbarten Kaufoption (8 Millionen) einigen, weswegen Porto Abstand von einer Verpflichtung nahm. Möglicherweise ist aber trotzdem ein geringer Kaufpreis möglich, womit der nigerianische Mittelstürmer für den HSV machbar würde.
Moffi ist ein kraftvoller Mittelstürmer, der trotzdem viel Dynamik ins Spiel bringen und damit gut in das Profil des HSV-Mittelstürmers passen würde. 2023 noch für über 20 Millionen zu Nizza gewechselt, dann aber u.a. mit einer Kreuzbandverletzung zu kämpfen gehabt. In Portugal wieder mit aufsteigender Form und könnte beim HSV einen neuen Anlauf als physisch dominante 9 in letzter Linie sein. Ligue1-Aufsteiger Troyes und Partizan Belgrad sollen Interesse haben.
Jesurun Rak-Sakyi – Crystal Palace – Jahrgang 2002 – Vertrag bis 2027
Seit nun längerer Zeit wird Rak-Sakyi als ein Spieler bezeichnet, der kurz vor seinem Durchbruch steht. Dynamischer Antritt, mutiges Dribbling aber es fehlt Ruhe im letzten Drittel und der Output. Für den HSV wäre er ein Projekt. Im jetzigen System als Halbspieler über rechts oder über den linken Flügel. Sein Vertrag läuft aus, könnte einen Versucht wert sein auch wenn natürlich in der unsicheren HSV-Offensive jeder Schuss sitzen muss (wortwörtlich).

Thom van Bergen – FC Groningen – Jahrgang 2004 – Vertrag bis 2028
Laut der Statistik-Seite „Sofascore“ hat Thom van Bergen gerade mal 9 Saisontore aus 17 expected goals erzielt. Eine durchwachsene Quote, da gibt es keine Beschönigung. Nun gibt es die Möglichkeit ihn aufgrunddessen abzuschreiben und zu sagen, dass er nicht gut genug ist oder man erkennt an, dass man als 22-jähriger Stürmer erstmal zu so vielen Chancen kommen muss. Als HSV-Fan könnte man es das „Königsdörffer-Prinzip“ nennen. Ein umtriebiger Stürmer, der (noch) nicht den eiskaltesten Abschluss hat, dafür aber ein überragendes Raumgefühl und gute Instinkte in der Box.
Van Bergen ist häufig im Strafraum anspielbar, hat zudem einen guten Blick für seine Mitspieler. Er könnte eine sehr starke 2. Spitze neben einem etwas kaltschnäuzigeren Abschlussspieler sein. Groningen scheiterte in den Conference-League-Playoffs an Ajax Amsterdam, somit könnte ein Wechsel in diesem Sommer realistisch werden.

Nicolas Kühn – Como – Jahrgang 2000 – Vertrag bis 2029
St. Pauli, Hannover 96, RB Leipzig, Ajax Amsterdam, Bayern München, Erzgebirge Aue, Rapid Wien, Celtic Glasgow, Como 1907. Die Karriere von Nicolas Kühn hat schon so einige große (und kleinere) Namen des europäischen Fußballs hinter sich gebracht. Vor allem in Schottland konnte der dribbel- und abschlusssstarke Flügelspieler auf sich aufmerksam machen, weswegen der neureiche italienische Erstligist aus Como ihn im vergangenen Sommer für 19 Millionen Euro verpflichtete, sich dort aber nicht wirklich empfehlen konnte.
Kühn könnte einer Option für die offensive Reihe werden, sei es auf der linken als auch der rechten Seite. Eine Leihe mit Kaufoption wäre die einzige finanzierbare Möglichkeit für den HSV, der Spieler schien einer Luftveränderung in der Vergangenheit zumindest nie abgeneigt.
Fazit
Dem HSV steht wieder ein großer Umbruch bevor. Zwar besteht schon ein gewisses Grundgerüst aus letztjährigen Leistungsträgern, nichtsdestotrotz sind die Abgänge der Unterschiedsspieler Vuskovic und Vieira sowie das Fehlen eines abschlussstarken Mittelstürmers fast nicht in einer einzigen Transferphase aufzufangen.
Die „Last“, die verloren gegangene Qualität dieser Spieler zu kompensieren, kann für einen Verein wie dem HSV eigentlich nur über Verpflichtungen mehrerer Spieler funktionieren. Darauf zu hoffen, dass wieder Ende August drei absolute Ausnahmespieler bereitstehen könnte ein risikoreiches Spiel sein.
Trotzdem darf man dem HSV in der abgelaufenen Saison ein positives Zeugnis ausstellen. Zwar war der Kader viel über Leihspieler aufgebaut worden, dies ist für einen langjährigen Zweitligisten allerdings auch nichts all zu Ungewöhnliches, wenn man sich gewisse Qualität erhofft.
In diesem Sommer den Spagat zwischen „benötigte Soforthilfen gegen den Abstieg“ und „langfristige Perspektive für Aufbau eines Kaders“ hinzubekommen wird eine sehr schwierige Aufgabe. Positiv ist sicherlich, dass es das Trainer-Team auch mit zwischenzeitlich sehr ausgedünntem Kader schaffte kreative Lösungen aus dem Kader herauszuholen, was die Kaderplanung ein wenig erleichtert.
Als HSV-Fan kann man, je nach dem wie man es verfolgen möchte, in zweierlei Richtungen auf den anstehenden Transfersommer schauen: Besorgt, weil wichtige Stützen des letztjährigen Kaders wegbrechen und optimistisch, da ein ähnlich großer (wenn nicht sogar größerer) Umbruch bereits im letzten Jahr sehr positiv gestaltet wurde.
Man darf gespannt sein, ob man auch in diesem Jahr ein ähnlich gutes Händchen beweist.
