Spielerprofil: Patson Daka

Als Leicester City im Jahr 2021 Patson Daka für 30 Millionen Euro verpflichtete hatte sich das Team von Brendan Rodgers gerade für die Europa League qualifiziert. Fünf Jahre später steht der Abstieg in die drittklassige League One für die Foxes fest. Patson Daka wagt nun einen Neuanfang. Vom gefeierten Shootingstar (Torschützenkönig und Spieler der Saison 2020/2021 in Österreichs Bundesliga) zum Sündenbock und Chancentod verschrien. Wo die Wahrheit beim Neuzugang des HSV liegt? Jetzt Alles im Spielerprofil.

Allgemein

Nationalität: Sambia

Geburtsdatum: 09.10.1998

Position: Stürmer

Größe: 1,83m

Starker Fuß: Rechts

Marktwert: 3.000.000,00€

1998 in Sambia geboren, machte er früh auf sich aufmerksam. Mit gerade einmal 18 Jahren folgte der Wechsel ins Red-Bull-Netzwerk nach Salzburg. Über den FC Liefering tastete er sich an den Profifußball heran, ehe er beim FC Salzburg endgültig explodierte. Vier österreichische Meisterschaften, drei Pokalsiege und 27 Ligatore in der Saison 2020/21 machten ihn nicht nur zum Torschützenkönig, sondern auch zum Spieler der Saison in Österreich.

2021 folgte für rund 30 Millionen Euro der Wechsel zu Leicester City. Die Voraussetzungen waren allerdings denkbar schwierig: Trainerwechsel, der sportliche Absturz des Vereins bis hin zum Abstieg und ständig wechselnde Rollen verhinderten, dass Daka dauerhaft an seine Salzburger Form anknüpfen konnte. 3 Premier-League- und 2 Championship-Saisons später steht Patson Daka bei insgesamt 47 Torbeteiligungen in 7.724 Pflichtspielminuten, also umgerechnet knapp 86 Spielen. 47 Tore in 86 Spielen liest sich zwar nicht mehr ganz so schlecht, trotzdem waren die Erwartungen an den fünftteuersten Neuzugang der Vereinsgeschichte Leicester natürlich andere.

Analyse

Beobachtete Spiele:

  • Birmingham City – Leicester City: 2:1 (07.02.2026, 76 Minuten)
  • Sheffield Wednesday – Leicester City: 1:1 (06.04.2026, 88 Minuten)

Spielweise

Patson Daka wurde von Leicester City in der vergangenen Saison viel als alleinige Spitze mit zwei Flügelspielern aufgestellt und hier liegt bereits ein großer Fehler. Daka ist kein alleiniger Mittelstürmer. Der Sambier ist die klassische zweite Spitze, die über das Zentrum oder die Halbspur versucht in die Tiefe zu kommen und das Zusammenspiel mit einem Sturmkollegen oder den anderen Offensivspielern sucht.

Der 27-Jährige bringt eine hohe Dynamik mit einer starken Sprintgeschwindigkeit auf den Platz, sucht immer wieder den Tiefenlauf. In seiner Rolle als alleinige Spitze in einem 4-2-3-1 war er allerdings zu häufig statischer Fixpunkt im Offensivspiel und hatte nicht den Freiraum diese Geschwindigkeit auszuspielen. Zu häufig wurde er als kurze Anspielstation gefordert, was er technisch umsetzen kann, was allerdings seine Stärken nicht wirklich betont.

Häufig wurde in den sozialen Medien der Vergleich zum ehemaligen HSV-Stürmer Ransford Königsdörffer gezogen. Und der Eindruck ist nicht ganz falsch: Kein großgewachsener aber auch kein kleiner Stürmer, der mit guter Dynamik und Physis für Unruhe beim Gegner sorgen kann. Größter Unterschied in der Spielanlage: Daka spielte deutlich zentraler als Königsdörffer. Während Daka als Fixpunkt im Zentrum sich gegen Innenverteidiger behaupten musste, war Königsdörffer viel unterwegs und vor allem über die Halbspuren anspielbar. Selten spielte er die Rolle des Stürmers besonders zentral, sondern eher auf die Halbräume ausweichend. Mein Rautenball-Kollege Benedikt hat die beiden Grafiken zur Verfügung gestellt in denen die Orte festgehalten werden, in denen Daka und Königsdörffer ihre Zuspiele erhalten haben.

Man darf davon ausgehen, dass Merlin Polzin Patson Daka auch eher für eine solch ausweichende Rolle, wie sie Ransford Königsdörffer eingenommen hat, einplanen wird. Zudem dann ein weiterer Neuzugang für den Sturm, der ein wenig statischer in der Spitze die Innenverteidiger binden soll.

Hoher Einsatz, hohe Intensität, gute Grundtechnik mit trotzdem häufiger gerne mal überhasteten Aktionen. Daka bringt viel Tempo, aber auch ab und zu ein wenig Chaos ins Spiel. Seine Geschwindigkeit und seine Technik im Zusammenspiel mit seinen Teamkollegen könnte für den HSV allerdings nochmal eine neue Komponente ins Offensivspiel bringen.

Zwischenmenschlich wird Daka in den höchsten Tönen gelobt. Vorbildlicher Einsatz auf dem Platz. Bodenständig und immer mit einem Lächeln auf den Lippen. Positive Grundvoraussetzungen, um beim HSV die eigene Karriere nochmal neu anzukurbeln.

Was ihn im Detail ausmacht, schauen wir uns jetzt an.

Stärken

Dynamik mit und gegen den Ball

Manche Spieler brauchen mehrere Meter, um ihre hohe Geschwindigkeit auszuspielen. Patson Daka braucht nur den Startschuss. Ähnlich wie bei Fabio Baldé ist Daka mit einem sehr guten Antritt ausgestattet, der ihm in Umschaltsituationen, bei Tiefenläufe hinter die Kette aber auch beim anlaufen des Gegners hilft. Dabei bleibt er immer konzentriert was in seiner Umgebung passiert und vor allem kann er auch schnell sein Tempo verringern und sich auf neue Gegebenheiten anpassen, was ihn für den Gegenspieler nur schwer ausrechenbar macht.

Stabilität bei Gegnerdruck

Den Punkt muss man vielleicht ein wenig im Kontext seines Stärkenprofils sehen. Patson Daka ist kein Wandspieler, der perfekt jeden Druck vom Gegenspieler absorbieren kann aber für seine Statur ist er gut darin seinen Körper zwischen Gegner und Ball zu bringen und den Ball weiterzuleiten. Häufiger lies er sich aus seiner hohen Positionierung schlagartig tief fallen und leitete den Ball mit einem Kontakt auf die Außen weiter. Rücken zum Tor, entgegenkommen, klatschen lassen, selber direkt tief gehen. Sauberer Kontakt zur Ablage und starker Antritt hinter die letzte Kette.

Sich selber Raum verschaffen

Sei es durch das Spiel über den Dritten, bei dem sich Daka als offensiver Verbindungsspieler ins Spiel brachte oder aber auch in Strafraumnähe, wenn er sich gut aus der Deckung seines Gegenspielers herausstielte: Patson Daka hat eine gute Übersicht für Räume, wann er wo zu sein hat und ob diese Räume gewinnbringend für sein Team sein könnten. Dies hilft ihm auch beim belaufen der Tiefe, wenn er sich geschickt ballnah dort positionierte, wo die Verteidigung Zuteilungsprobleme mit dem Sambier bekamen.

Sicherheit im Kombinationsspiel

In Strafraumnähe hat der Neuzugang des HSV immer wieder eine gute Idee und kann in die Kombinationen eingebunden werden. Auch wenn er hier und da ein wenig überhastet agiert, kann er in der darauffolgenden Aktion dann auch eine starke Idee ins Offensivspiel einbringen. Er sieht startende Mitspieler, hat bei Flanken eine gute Übersicht über die Positionierungen seiner Teamkollegen und auch auf kleinerem Raum ist er durchaus gut für schnelle 1-2 Kombinationen, um anschließend wieder Tempo ins Spiel zu bringen.

Intensität gegen den Ball

Es bleibt ein Thema bei jedem Neuzugang des HSV. Die Spieler müssen eine gewisse Grundintensität gegen den Ball mitbringen und diese hat Patson Daka definitiv. Leicester City attackierte deutlich höher als der HSV in der abgelaufenen Saison, teilweise bereits am gegnerischen Strafraum und dies wurde unter anderem dadurch ermöglicht, dass der neue Stürmer des HSV unermüdlich in hohem Tempo das Pressing des eigenen Teams antrieb.

Durch seinen starken Antritt übte er häufig hohen Druck auf den ballführenden Spieler des Gegner aus, zudem besitzt Daka ein gutes Gefühl für mögliche Passwege und konnte so seine Winkel im anlaufen entsprechend anpassen. Wenn man bedenkt, dass er als alleinige Spitze vorne agierte ist es umso beeindruckender, dass Leicester mit Daka den Druck früh so hoch halten und der sambische Nationalspieler häufig kurze Zuspiele zustellen und lange Zuspiele blocken konnte.

Kopfballspiel

Auch wenn Patson Daka mit seiner Größe von circa 1,83m kein übermäßig großer Mittelstürmer ist, kann er sich bei hohen Zuspielen immer wieder gut gegen größere Gegner behaupten. Seine Ablagen sind dabei sehr präzise und selten unkoordiniert. Beim Auswärtsspiel gegen Sheffield Wednesday war es ein von Daka per Kopf verlängertes Zuspiel, das bei Jordan Ayew landete und dieser sehenswert per Distanzschuss zum Ausgleich veredeln konnte.

Schwächen

Überhastete Momente

Es gibt Momente in seinem Spiel, da ist man irritiert, wie bei seiner Qualität manche Dinge passieren können. Da verspringt der Ball „ohne Not“. Im Strafraum ist er dann zu nervös und sucht den zu schnellen, dann leider ungenauen Abschluss. Es kann der häufig schlechten Vereinssituationen Leicesters und dem damit verbundenen Druck, die erlösende Aktion bringen zu müssen, geschuldet gewesen sein aber Patson Daka hat in seinem Spiel Aktionen, die die Frustrationstoleranz des Publikums auf die Probe stellen wird. Ob man diese Nervosität abstellen kann, wird sich zeigen. Möglicherweise mit einer passenderen Rolle und ein wenig mehr Selbstvertrauen in die eigene Qualität.

Schussauswahl

Ich finde, es ist nicht mal so sehr die Abschlussqualität, sondern eher seine Schussauswahl, die Daka wirken lässt, als sei er nicht der beste Torjäger. Teils nimmt er sich Distanzschüsse, um als Stürmer auch mal aufs Tor schießen zu können, nimmt dann nicht seine Mitspieler mit in die Aktion oder traut sich nicht nochmal ins Dribbling zu gehen, um die Qualität der Chance zu erhöhen. Schüsse können dann zu leicht geblockt werden oder er verzieht, weil er sich die schwierigen Abschlüsse nimmt. Auffällig ist, dass er als alleinige Spitze wenige Abschlüsse im Fünf-Meter-Raum, sonder eher um den Elf-Meter-Punkt oder der Strafraumkante hat. Auch ein Indiz, dass er in diesen Räumen geeigneter ist und einen Sturmpartner benötigt, der permanent die Box besetzt.

Dribbling

Gute Technik, ja. Kreatives Dribbling? Eher nein. Daka besticht durch seine Geradlinigkeit und die Qualität aus der Kombination heraus direkt Tempo aufnehmen zu können. Im direkten Duell gegen seinen Gegner überzeugt er aber weniger mit überraschenden Dribbling-Aktionen oder übermäßiger Qualität Räume mit Ball am Fuß freizuziehen.

Ballverarbeitung aus der Luft

Interessanterweise beherrscht Daka die direkte Weitergabe per Fuß konstant ganz gut und seine Weiterleitungen per Kopf sind auch auf einem guten Niveau. Wo er Nachholbedarf hat sind Zuspiele auf Oberschenkel oder Brust, da verspringt ihm gerne mal der Ball oder er kriegt ihn nicht so kontrolliert, dass sein Zuspiel im nächsten Moment zielführend wäre. Man konnte beobachten, dass er die Bälle nicht schnell gut kontrollierte und die Zuspiele dadurch unsauberer wurden. Hier mehr Konstanz hereinbekommen könnte noch mehr Ruhe in das Spiel des HSV bringen.

Einbindung beim HSV

Mit Patson Daka bekommt der HSV einen Offensivspieler mit klarem „Stürmer-Profil“. Geradlinig, am besten in den Halbspuren auf der Suche nach offenen Räumen und vor allem immer die Tiefe suchend. Kein verkappter Flügelspieler, kein mitspielender Zehner, der auch Stürmer spielen kann.

Entsprechend ist die Einbindung im Spiel des HSV relativ einfach zuzuordnen dieses Mal. Durch seine Fähigkeiten in der letzten Linie zentral oder „halb“ zu agieren wird Daka vornehmlich als einer von 2 oder 3 vordersten Offensivspieler agieren. Im Notfall kann das die zentrale Position sein, im Optimalfall ist es neben einem direkten Sturmpartner als Doppelspitze oder auf einer der beiden Halbpositionen neben einem offensiven Fixpunkt im Sturmzentrum.

Fazit

Die Verpflichtung von Patson Daka ist ein Versuch. Der Versuch einen einst hochveranlagten und hochgehandelten Offensiv-Diamanten nun wieder zu altem Glanz zu verhelfen. Und man kann in seinen Aktionen erkennen, wieso vor 5 Jahren die stolze Summe von 30 Millionen Euro gezahlt wurde. Nur sind die vergangenen 5 Jahre nicht wegzudiskutieren und die frustrierenden Momente im Spiel des Sambiers auch keine Ausnahme.

Wichtig für den HSV und seinem Neuzugang wird sein, dass man auf Anhieb eine passende Rolle für ihn auf dem Platz findet. Keine statische, zentrale Stürmer-Rolle, sondern eine in der er improvisieren und sein Tempo auf den Platz bringen kann. In der er Dinge ausprobieren kann.

Positiv ist, dass er eigene Fehler mit vollem Einsatz versucht auszubügeln. Der HSV bekommt also einen vorbildlichen Teamplayer, der mit seinem Engagement die Qualität gegen den Ball anheben wird. Damit er die Qualität mit Ball anheben kann, wird es auch die richtige Ansprache des Trainerteams benötigen, um die negativen Erfahrungen der letzten Jahre vergessen zu machen.

Sonst könnte die Verpflichtung Dakas schnell an die Leihe von Damion Downs erinnern. Zu seiner Verpflichtung sagte ich, dass ich das Profil des Spielers sehr passend finde, nur dass man schauen muss, ob die Qualität der Aktionen hochgehalten werden kann. Zudem gab es auch bei ihm den Punkt des fehlenden Selbstvertrauens, das sich auch im Laufe der Rückrunde nicht verbessern sollte.

Bekommt man Patson Daka schnell integriert und ins Spiel eingebunden kann er eine richtige Waffe werden. Die Fragezeichen sind allerdings schon prägnant und so bin ich momentan noch ein wenig zurückhaltend wie groß der positive Qualitätssprung mit ihm in der Offensive des HSV sein wird. Sollte man ihn aber eher für eine Rolle zwischen Startelf und Bank einplanen, hätte man sich für die Breite definitiv verstärkt.

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