Spielerprofil: Kofi Amoako

Ja, ich bin um einiges zu spät dran. Umso mehr freue ich mich, dass nach einer kleinen Pause nun wieder Zeit für die wichtigen Dinge da ist. Mein Rautenball-Comeback könnte dann doch kaum besser ausfallen als mit einem Neuzugang, der unter all den neuen Namen nun doch etwas unterging. Kofi Amoako kommt von Dynamo Dresden zu unserem HSV. Von außen betrachtet liest man sofort etwas über Physis und Athletik. Aber was steckt noch hinter dem ersten Neuzugang in diesem Transfersommer? Ich habe mal genauer hingeschaut.

Kofi Jeremy Amoako ist 21 Jahre alt, deutscher U20-Nationalspieler und laut Transfermarkt.de 1,86 m groß. Wie diese 1,86 m im echten Leben aussehen, kann ich fairerweise nicht gut beurteilen. Aufgrund seiner enormen Physis wirkt er zumindest wie ein Fels in der Brandung in Dynamo Dresdens 4-2-3-1. Dort spielte er gegen den Ball meistens den alleinigen Part der 6 vor der Abwehr. Mit Ball konnte man dies situativ ebenfalls beobachten, allerdings setzte Dynamo doch vermehrt auf zwei Spieler in der zweiten Ebene.

Durch seine Physis wirkt er in Sachen Schnelligkeit und Antritt auf den ersten Metern etwas schwergängig. Kommt Amoako allerdings ins Rollen, bringt er im Sprint eine solide Endgeschwindigkeit mit. Im Großen und Ganzen ist das sicher alles im Rahmen für seinen Körper. Amoakos Stärke im Oberkörper macht sich allerdings in seiner Beweglichkeit bemerkbar. Er wirkt ab und zu etwas hüftsteif. Das hat zur Folge, dass er in Drucksituationen durchaus mal Probleme bekommt, seine Füße zügig zu sortieren. Dort baut Amoako des Öfteren Zwischenschritte ein, die seine eigentlich gute Handlungsschnelligkeit mit Ball etwas ausbremsen.

Amoakos Fähigkeiten mit Ball

Ich habe mir für den gesamten „Scouting-Report“ keine extra Mühe gemacht, meine Beobachtungen mit Radars zu unterlegen, denn manchmal zieht man dann doch falsche Korrelationen zu dem Gesehenen, wobei der Kausalzusammenhang ein ganz anderer sein mag. Das trifft in Teilen auch auf Amoako zu. Die ersten Worte, die ich zu ihm lesen durfte, waren geprägt von seiner fehlenden Fähigkeit im Passspiel, da er hier einfach keine „Nummern“ zum Präsentieren mitbringt. Natürlich habe ich mich von dem Gelesenen dann doch passiv beeinflussen lassen, und umso positiver überrascht war ich, als ich Kofi Amoako dann doch habe spielen sehen. Er ist sicher keine Passmaschine, wie es einst Jonas Meffert bei uns in der zweiten Bundesliga war, aber das Radar-Urteil ist im Ergebnis dann doch zu hart, in meinen Augen.

Aber fangen wir vorne an. Kofi Amoako ist eindeutig Rechtsfuß, und es fällt auch auf, dass er diesen, sofern möglich, bevorzugt. Dennoch ist sein linker Fuß nicht nur zum Stehen da. Wenn er ihn dann nutzen muss, ist der Output mit seinem linken Fuß immer noch solide, sodass man sich situativ fragt, wieso er nicht öfter auf seinen linken Fuß vertraut. Vor allem, wenn man miteinbezieht, wie Amoako seine Pässe wählt. Diese sind nämlich primär auf Sicherheit bedacht. Bekommt Amoako die einfache Variante präsentiert, dann wählt er diese auch konsequent und setzt sie meist ohne viel Fehler solide um. In Bewegungs- und Handlungsschnelligkeit ist Amoako dann nicht auffällig schnell. Man könnte fast sagen: Ohne Druck und ohne nennenswerten Rhythmus nach vorne wirkt es fast etwas langsam, was dem Spiel in diesen Situationen allerdings nicht schadet. Spielt Kofi Amoako den Ball mal nach vorne, dann meistens dann, wenn sich ihm eine einfache Lösung präsentiert. Er wird hier schlichtweg ein wenig abhängig von seinen Mitspielern, da er selten den Ball nach vorne forcieren will. Vielmehr wartet er auf abkippende Achter, Zehner oder Flügel und versucht, sie dann, wenn möglich, mit einem sauberen und gut temperierten Passspiel in Szene zu setzen.

Ähnlich vorsichtig oder unauffällig findet auch sein Freilaufverhalten im Aufbau statt. Da Dresden viel auf einen direkten Weg nach vorne setzte, war es auch nicht unbedingt nötig, dass Amoako permanent in positionsfremde Räume rotiert. Er agierte vor der Abwehr eher positionshaltend, ist dabei wenig ballfordernd und hatte so seinen Fokus mehr auf dem Bilden der Restverteidigung vor der Abwehr. Das heißt aber nicht, dass er nötige Rotationen nicht wahrnimmt und umsetzt. Findet man ihn situativ etwas weiter vorne, kann es durchaus mal passieren, dass Amoako im Dresdner Spiel im linken Halbraum in freie Räume vorschiebt, wenn diese unbesetzt sind.

Am Ball selbst ist Amoako ebenfalls sauber und gut ausgebildet. Drucksituationen scheitern selten an seiner Technik. Kann er ohne Druck den Ball etwas schleppen oder gar aufdrehen, ist Amoako nur schwer vom Ball zu trennen. Generell fällt die Art und Weise, wie smart er seine körperliche Wucht einsetzt, immer wieder auf. Er platziert sich oft so gut zwischen Ball und Gegenspieler, dass vor allem physisch unterlegene Gegenspieler selten Land gegen ihn sehen. Wird er unter Druck angespielt, ist es auch sein Stilmittel, sich über seinen Körper aus dem Druck zu lösen.

Das heißt aber auch nicht, dass er in all diesen Aspekten nicht noch zulegen kann. Für einen 20-Jährigen in seinem ersten Profijahr ist das für einen 6er mit Defensivfokus allerdings ziemlich solide.

Zweikampfmonster Amoako

Mein Notizblock ist dann doch um einiges voller auf der Seite, die Amoakos Fähigkeiten gegen den Ball beleuchtet. Die Kernkompetenz des jungen 6ers liegt eindeutig beim Verteidigen.

Am positivsten fällt hier sein Verteidigen im 1-gegen-1 auf, was nicht zuletzt auch mit seiner guten Physis zu tun hat. Ein weiterer großer Faktor ist allerdings auch seine Wahl, welche Zweikämpfe er aktiv führen will. Er ist in diesen Szenen alles andere als aggressiv und wirkt teils etwas abwartend. In vielen Situationen stellt Amoako seinen Gegner erst gut zu, anstatt ihn mit seiner Wucht übermäßig zu überfallen. Im direkten Zweikampf weiß Amoako seinen Körper dann gut einzusetzen und ist in fast allen seinen Zweikämpfen fair. Muss er ein 1-gegen-1 im Raum verteidigen, löst er dies auch in vielen Situationen clever. Wenn er durch seine oftmals gute Positionierung gut in die Szene – und in die Geschwindigkeit – kommt, schafft er es auch immer wieder, seinen Gegenspieler einfach abzulaufen. Problematisch wird es dann, wenn sein Gegenspieler ihm auf den ersten Metern schon mehrere Meter abnimmt.

Im Defensivkopfball zeigt er wiederum nicht unbedingt das, was man auf den ersten Blick vielleicht von ihm erwartet. Auch hier ist er eher abwartend unterwegs. Kritiker könnten sagen, dass man sogar vom Ausweichen sprechen könnte. In Luftzweikämpfen fehlt ihm trotz seiner Physis ein wenig die Standfestigkeit am Boden. Wenn man es gut mit ihm meint, kann man auch hier wieder argumentieren, dass er sehr bedacht in dem ist, was er tut. Denn wenn die Bedingungen stimmen, löst Amoako auch diese Szenen recht souverän.

Gruppen- und mannschaftstaktisch hat er in meinen Augen noch am meisten Luft nach oben. Das ist für einen Spieler mit einem Jahr Profierfahrung aber auch nicht verwunderlich. Beim Scanning schaut Amoako generell viel nach vorne, vor allem, wenn er aus einer tieferen und abgesicherten Position kommt. Wird Amoako mehr und mehr in andere Zonen gezwungen, scannt er durchgängig die ballferne Schulter. Infolgedessen ist er auch immer wieder positionsanpassend in seinem Defensivspiel.

Läuft Amoako im Verbund an, ist er viel durchschiebend unterwegs und orientiert sich generell – und logischerweise – an seinen Vorderleuten. Im Dresdner System spielte Amoako oft als alleiniger 6er vor der Abwehr und war dadurch häufig gezwungen, zwischen Raum- und Mannverteidigung zu pendeln. Das führt in seinem Spiel dazu, dass er oft nicht ideal getimt aus seiner Position im Raum auf den Gegenspieler zuschieben kann. Er ist den bekannten Schritt zu spät und schafft es dann nicht immer rechtzeitig zu reparieren, sodass der Gegner relativ einfach in seinen Rücken hineinkombinieren kann. Das kann teils in simplen Übergängen passieren. Wenn es sich dann aber durch gegnerische Rotationen verkompliziert, ist es für Amoakos Defensivspiel nicht unbedingt hilfreich.

Wird Amoako überspielt, wählt er die Intensität in seiner Rückwärtsbewegung ebenfalls situationsangepasst. Kann er nichts mehr nachhaltig zu der Situation beitragen, ist sein Gang nicht unbedingt intensiv. Wenn er muss, eilt er mit großen, raumgreifenden Schritten zurück.

Sein ganzes Defensivspiel mit Köpfchen zeichnet sich vor allem auch dann aus, wenn er gelbvorbelastet in der Partie ist.

Fazit

Kofi Amoako ist, Stand August 2026, zunächst einmal ein Investment in die Zukunft. In vielen Ansätzen ist Amoako wirklich grundsolide und konnte speziell in der Rückrunde immer wieder bestätigen, dass er ein interessanter Mann für die Zukunft sein kann. Seine physischen Attribute, gepaart mit seiner extrem smarten Spielweise, sind hervorragende Voraussetzungen für eine gute Profikarriere.

In vielen Aspekten muss er sich sicher noch an die Bundesliga gewöhnen, sodass ich denke, dass man ihn wahrscheinlich nicht sofort als Remberg-Ersatz in einen Signal Iduna Park werfen wird. Perspektivisch kann Amoako aber ein Spieler werden, der vor allem im deutschen Kosmos schmerzlich vermisst wird. Wenn ihm der Sprung ins Oberhaus leichtfällt, werden wir noch viel Freude an dem 20-Jährigen haben.

Benachrichtigung abonnieren: